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Gaspreise und Energiekrise

Gaspreise fallen um 30 Prozent – Verbraucher haben nichts davon

Gaspreise fallen am Spotmarkt.
am Montag, 19.09.2022 - 12:12 (2 Kommentare)

Die Gaspreise sind am europäischen Spotmarkt im September um 30 % gefallen. Dennoch ist das Niveau hoch. Die Bundesnetzagentur will einen Notstand im Winter nicht ausschließen. In der EU wird über die Einführung von Preisobergrenzen gestritten. Deutschland will bedrohte Energieversorger finanziell stärker unterstützen, um die Versorgung zu sichern.

Gaspreise am Spotmarkt.

Am europäischen Spotmarkt fielen die Gaspreise im September um gut 30 %, auf zeitweise deutlich weniger als 180 Euro je MWh - und damit auf den niedrigsten Stand seit Ende Juli. Anfang September kostete Gas am europäischen Spotmarkt noch 240 Euro je MWh und Mitte August betrug der bisherige Rekordpreis 340 Euro je MWh.

Analysten sagen, die Ursachen für den aktuellen Preisrückgang sind komplex. Ein Aspekt ist danach die mögliche Einführung von Preisobergrenzen und Rettungsaktionen für lokale Energieunternehmen.

Zu den von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen gehören außerdem die Beschaffung von 140 Milliarden Euro aus den Gewinnen von Energieunternehmen und eine verpflichtende Senkung des Energieverbrauchs.

Die europäischen Energieminister wollen sich am 30. September treffen, um diese Vorschläge zu diskutieren. Ein weiterer Aspekt ist das Vorhaben der Bundesregierung, den deutschen Ableger des russischen Ölkonzerns Rosneft unter Treuhänderschaft zu stellen, sowie das deutsche Unternehmen Uniper und zwei weitere große Gasimporteure zu kontrollieren, um Engpässe und Stromausfälle zu verhindern.

Frankreich plant außerdem, die Energiepreiserhöhungen für Haushalte ab 2023 auf 15 % zu begrenzen, und Großbritannien arbeitet an einem Hilfspaket, dass darauf abzielt, die Energiepreise für Unternehmen zu halbieren.

Inzwischen sind die europäischen Gasspeicher zu fast 86 % gefüllt, leicht über dem 5-Jahres-Durchschnitt, sagt Gas-Infrastructure-Europe.

Streit über Preisobergrenzen in der EU

Die Bundesregierung sagte außerdem, sie werde die Kreditvergabe an Unternehmen verstärken, die Gefahr laufen, durch die steigenden Gaspreisen pleite zu gehen. Die Europäische Kommission hat am Mittwoch eine Senkung des Stromverbrauchs und die Erhebung von Extra-Gewinn-Abgaben für Energieunternehmen vorgeschlagen, die 140 Milliarden Euro einbringen sollen, um Unternehmen und Bürgern bei steigenden Energierechnungen zu helfen.

Industrieverbände - wie etwa die Düngerindustrie – sagen indessen, dass das Notfallpaket der Europäischen Union zur Senkung der Energiekosten nicht weit genug geht, und sie drängen Brüssel, mehr zu tun, um die Gaspreise zu drücken.

Doch Forderungen nach einer Senkung der Gaspreise haben offenbar auch die EU-Länder gespalten. So befürworten etwa Italien und Polen eine Preisobergrenze für importiertes Gas. Deutschland, die Niederlande und weitere Länder, befürchten jedoch, dass dadurch die Lieferungen aus Norwegen, Algerien und anderen nicht-russischen Produzenten gedrosselt werden könnten.

Die Kommission äußerte sich zu dem Problem noch nicht offiziell, es wurden jedoch Befürchtungen laut, dass eine Preisobergrenze die Fähigkeit Europas beeinträchtigen würde, die Versorgung zu sichern.

Bundesnetzagentur: Notstand im Winter möglich

Ob es im Winter einen Gas-Notstand geben wird, ist nach Einschätzung der Bundesnetzagentur weiter offen. "Wir dürften erst über einen Gasmangel Bescheid wissen, wenn er nicht mehr aufzuhalten ist", sagte Behördenchef Klaus Müller. „Das Wetter, damit das private Heizverhalten und die Situation in den Nachbarländern sind die ausschlaggebenden Kriterien."

Alle drei Faktoren ließen sich aber nicht vorhersagen. Seine Behörde arbeite an Modellen, um Politik und Wirtschaft einige Tage Vorwarnzeit vor einem Gasmangel geben zu können, sagte Müller gegenüber dem Handelsblatt.

Die Bundesnetzagentur betonte indessen noch einmal, dass die Alarmstufe des Gasnotfallplans gilt. Danach ist die Lage weiterhin angespannt und eine Verschärfung kann nicht ausgeschlossen werden. Die Gasversorgung in Deutschland ist jedoch derzeit stabil. Die Bundesnetzagentur beobachtet die Situation aufmerksam und steht in engem Kontakt mit den Netzbetreibern, heißt es weiter.

Die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 wurden von Russland bisher aber nicht wieder aufgenommen. Im September finden außerdem verschiedene Wartungsarbeiten an der europäischen Gasinfrastruktur statt, beispielsweise in Belgien und Norwegen. Nach Ansicht der Bundesnetzagentur, unter anderem basierend auf Angaben von Marktteilnehmern, sind die Wartungsarbeiten für die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht relevant.

Gas wird auch weiterhin in den Speicher eingespeist, sagt die Behörde. Der Gesamtspeichergrad in Deutschland beträgt aktuell 88,85 %.

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