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Energiekrise und Gaspreise

Gaspreise im freien Fall – volle Gasspeicher und neue Gaspolitik

Gaszähler.
am Donnerstag, 20.10.2022 - 11:31 (3 Kommentare)

Die Gaspreise fallen immer weiter. Sowohl in Europa als auch in den USA stürzen die Preise auf lange nicht gekannte Tiefstände. Die Kommission hat diese Woche eine Reihe von Vorschlägen zur Regulierung des Gasmarktes vorgelegt. Dazu gehören eine gemeinsame Einkaufsplattform und ein neuer Flüssiggaspreis-Index.

TTF-Gaspreise.

Die Erdgaspreise am wichtigsten europäischen Handelsplatz TTF fielen am Mittwoch auf neue Tiefstände. Am Ende des Tages handelte man Gas am europäischen Spotmarkt um die Marke von 110 Euro je MWh pro Megawattstunde: Das sind Preise die zuletzt Anfang Juni erreicht wurden.

Ein Grund für den Preisrückgang sind umfangreiche Flüssiggas-Lieferungen (LNG), insbesondere aus den USA, den Europäern halfen, ihre Speicher vor dem Winter zu füllen, erklären Analysten den für viele Ökonomen doch unerwartet starken Preisrutsch. Europas Gasspeicher sind diese Woche zu mehr als 92 % gefüllt, und Deutschlands Speicherquote erreichte am 16. Oktober rund 96 %.

Darüber hinaus lassen Prognosen über einen milden Winter, mit relativ warmen Temperaturen während der Hauptheizsaison zwischen Dezember und Februar, einen geringen Heizbedarf erwarten.

Außerdem schlug die Europäische Kommission diese Woche neue Maßnahmen vor, um gegen die steigenden Energiepreise und die Engpässe bei der Kraftstoffversorgung vorzugehen, einschließlich Plänen zur Einrichtung gemeinsamer Erdgaseinkäufe.

Die US-Erdgas-Futures fielen am Mittwoch ebenfalls auf etwa 5,5 USD/MMBtu, den niedrigsten Stand seit Anfang Juli. Die Gaspreise in den USA sind in den letzten acht Wochen aufgrund einer Rekordproduktion in den USA und der reduzierten Exporte von verflüssigtem Erdgas (LNG) deutlich gefallen. Das hat es den US-Versorgungsunternehmen ermöglicht, ebenfalls mehr Gas zu speichern.

Die Marktbewegung in den USA ging mit einem starken Rückgang der europäischen Benchmarkpreise TTF Gas einher, wo reichliche Lieferungen und hohe Speicherstände dazu beitrugen, Bedenken hinsichtlich von Engpässen in Europa zu zerstreuen, hieß es seitens amerikanischer Analysten.

Gemeinsamer Gaseinkauf und LNG-Preisindex für Europa

Gaspreise in den USA.

In der Energiekrise will die EU-Kommission mit weiteren Milliarden-Entlastungen für Bürger gegensteuern. „Es ist logisch, dass die Mitgliedstaaten und die Energieunternehmen ihre gemeinsame Kaufkraft nutzen sollten, anstatt sich gegenseitig zu überbieten“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu Vorschlägen für gemeinsame Gaseinkäufe am Dienstag in Straßburg.

Künftig sollen Gaseinkäufer dem Vorschlag der EU-Kommission zufolge einer zentralen Stelle mitteilen, wie viel Gas sie benötigen - für mindestens 15 Prozent der vorgeschriebenen Speicherfüllstände soll das verpflichtend sei.  

Zudem will die Kommission eine Reform des Großhandelsmarktes für Gas. Vorschläge für einen EU-weiten Gaspreisdeckel, wie ihn viele Staaten gefordert hatten, machte die Kommissionspräsidentin nicht. Von der Leyen sagte, die Kommission prüfe zudem, was für zusätzliche Gelder notwendig seien, um die Energiewende voranzubringen und eine Zersplitterung des EU-Binnenmarktes zu vermeiden.

Die EU-Kommission arbeitet an einem neuen Preisindex für Flüssiggas (LNG) als Ergänzung zu dem Gaspreisindex des Großhandelsplatzes TTF. Viele Kaufverträge in der EU orientieren sich am TTF, der wegen der unterbrochenen Gaslieferungen aus Russland sehr stark schwankt.

Für LNG-Lieferungen, die nach Aussage der Kommission relativ stabil sind, soll es daher ab Ende März 2023 einen anderen Richtwert am Markt geben. Zusätzlich sollen tägliche Preisspitzen bei kurzfristigen Geschäften mit Gas an Energiebörsen durch einen Mechanismus gekappt werden. Andere Handelsplätze in der EU würden dann über Preiskorridore an den Preis des gekoppelt.

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