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Energiekrise und Gaspreise

Gaspreise fallen unter 12 Cent – Gaspreisbremse und volle Speicher

Gaszaehler.
am Dienstag, 01.11.2022 - 09:43 (Jetzt kommentieren)

Die europäischen Gaspreise bleiben am Spotmarkt (TTF) weiter sehr niedrig und rutschen am Diensta morgen unter die Marke von 120 Euro je MWh – bzw. unter 12 Cent je KWh. Das sind rund 5 Euro weniger als am Montag. Analysten erwarten indessen einen baldigen Anstieg der Marktpreise. Für Verbraucher und Industrie wurde ein Gaspreisdeckel beschlossen.

Gaspreise am Spotmarkt.

Damit bleiben die europäischen Gaspreise meilenweit von den Höchstpreisen Ende August von 340 Euro je MWh bzw. 34 Cent je KWh entfernt. Ein Grund für den jüngsten Preisrutsch ist sicher das sehr milde Herbstwetter, dass aber offenbar bald zu Ende geht.

Hinzu kommen sehr hohe Importe der Europäer von Flüssiggas und ein sehr hoher Füllstand der europäischen Speicher. Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei 98,52 %, sagt die Bundesnetzagentur. Der Füllstand des Speichers Rehden beträgt 91,41 %. Der Gasverbrauch lag deutlich unter dem durchschnittlichen Verbrauch der letzten vier Jahre, heißt es weiter.

Trotz des starken Rückgangs sind die Erdgaspreise immer noch etwa doppelt so hoch wie im Oktober 2021 als man Gas am Spotmarkt zu 65 Euro je Megawattstunde bzw. 6,5 Cent je KWh handelte. Die meisten Analysten erwarten zudem einen erneuten Anstieg der Gaspreise in den nächsten Wochen, wenn die Temperaturen wie jetzt angekündigt sinken und die Nachfrage nach Erdgas ansteigt.

Außerdem nehmen die Sorgen hinsichtlich der Reserven für das nächste Jahr zu, da die russischen Gasflüsse über die Nord-Stream-Leitungen ausfallen. Analysten sehen zudem das Risiko, dass die noch verbleibenden Gasleitungen aus Russland, über die Ukraine (Transgaz) und die sogenannte TurkStream-Leitung (liefert Gas für die Türkei und den Balkan) ebenfalls gestoppt werden.

Auf der anderen Seite gibt es Einschränkungen, wie viel LNG-Gas Europa überhaupt importieren kann, denn auch zahlreiche asiatische Staaten kaufen vor allem LNG-Gas und sind mit den Europäern im Wettbewerb.

Doch der globale Wettbewerb um LNG und die gestiegenen Preise könnte auch die LNG-Produktion ankurbeln und das Angebot verbessern, sagen Analysten. Derzeit kostet LNG-Gas am Terminmarkt für die Lieferung nach Ost-Asien rund 27 USD je MMBtu (Million British thermal units) und damit deutlich weniger als noch Anfang Oktober mit rund 49 USD je MMBtu.

Gaspreisbremse für Verbraucher und Industrie

Die deutsche Expertenkommission für Gas hat am Montag (31.10)  Vorschläge für eine Gaspreisobergrenze vorgelegt. In ihrem Abschlussbericht sagt die Kommission, dass die Bundesregierung die Gaspreise von März 2023 an bis mindestens Ende April 2024 auf 12 Cent pro Kilowattstunde (kWh) für 80 % des Grundverbrauchs der Haushalte begrenzen sollte.

Dem steht laut Check24 ein Durchschnittspreis im Oktober von 18,6 Cent pro kWh gegenüber.

Die Obergrenze sollte auch die Preise für industrielle Großverbraucher vom 1. Januar 2023 bis Ende April 2024 auf 7 Cent pro kWh begrenzen, der für 70 % des Grundverbrauchs der Unternehmen im Jahr 2021 gilt, heißt es in dem rund 30 Seiten starken Bericht der Kommission.

Eine einmalige Zahlung an Haushalte sollte bis zum 20. Dezember erfolgen, sagte die Kommission weiter. Das Kabinett soll am Mittwoch zusammentreten, um über die Entlastung im Dezember zu entscheiden, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

Die Gaskommission der Regierung schlägt eine Steuerpflicht für Hilfen und eine Belohnung für das Sparen des Brennstoffs vor. Ab etwa 75.000 Euro Jahreseinkommen sollte die Unterstützung versteuert werden, heißt es in dem Abschlussbericht.

Zugleich plädierten die Gas-Kommission für einen Bonus für Verbraucher, um das Einsparziel von 20 Prozent möglichst zu übertreffen. Über einen Härtefonds könnten zudem zu Jahresbeginn sowohl besonders Bedürftige als auch Besitzer von Öl- und Pellet-Heizungen unterstützt werden. Auch Fernwärme-Kunden sollen ähnliche Hilfe erhalten.

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