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Spotmarktpreise für Strom und Gas

Gaspreise und Strompreise fallen deutlich - aber nur am Spotmarkt

stromzähler.
am Donnerstag, 01.09.2022 - 15:15 (Jetzt kommentieren)

Die Gaspreise und Strompreise fallen am Spotmarkt. Für Verbraucher gehen die Kosten für Strom und Gas durch die Decke, hat das Vergleichsportal Verivox ausgerechnet.

Spotmarkt Gas.

Die Gaspreise und Strompreise fallen zum Monatswechsel am europäischen Spotmarkt deutlich. Gas verbilligte sich in wenigen Tagen von 340 Euro je MWh auf 239 Euro je MWh. Auch das ist noch sehr viel Geld - jedoch ein Preisrückgang von über 100 Euro oder 30 %! Der Rückgang der Gaspreise hat auch positive Auswirkungen auf den Strommarkt bzw. auf die Strompreise.

Bei den Strompreisen ging es ebenfalls runter. Hier wurde es am europäischen Spotmarkt, für den von Deutschland gekauften Strom 130 Euro billiger - von zuvor knapp 700 Euro je MWh fielen die Preise auf 570 Euro je MWh am 31. August. Mehr als 600 Euro mussten die Einkäufer aber noch in Frankreich und Österreich zahlen (siehe unten).

Hintergrund für den Preisrückgang beim Erdgas ist eine Zunahme der Gaslieferungen aus Norwegen, berichten Analysten. Das hat offenbar die Sorgen vor den Folgen der Abschaltung von Nord Stream 1 etwas gedämpft. Ein weiterer Grund für den Preisrückgang sind  Berichte von den deutschen Behörden, dass die Gasspeicher bis September zu 85 % gefüllt sein werden. Das wäre deutlich früher als das Oktoberziel.

Trotz der Erleichterung bleiben die Vorräte jedoch sehr knapp und die Aussichten für die Versorgung im Winter sind weiterhin kritisch. Gazprom stoppte ab Mittwoch drei Tage lang die Lieferungen nach Europa über Nord Stream 1, und die Märkte befürchten, dass dies zu einer weiteren dauerhaften Reduzierung des Angebots führen wird, da Gazprom den Durchfluss durch die Pipeline bereits auf etwa 20 % reduziert hat.

Hinzu kommt, dass Norwegen, das Russland als größter Gaslieferanten für Europa abgelöst hat, seine Gasexporte im September wegen geplanter und ungeplanter Wartungsarbeiten erheblich einschränken wird.

Gaspreise für Verbraucher um das dreieinhalbfache gestiegen

Die Gaspreise für Haushalte in Deutschland erreichen schwindelregende Höhen und sind im Jahresvergleich um das Dreieinhalbfache angestiegen, berichtet das Vergleichsportal Verivox zum Monatswechsel. Die Strompreise für Haushalte haben sich in diesem Zeitraum um 50 Prozent erhöht. Aufgrund der sehr hohen Strombörsenpreise könnten sie den Gaspreisen jedoch bald folgen, vermutet Verivox.

Zum Stichtag 23.08.2022 lagen die bundesweit durchschnittlichen Gaskosten für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bei 4.263 Euro. Vor zwölf Monaten und damit vor dem Beginn der Gaskrise lagen die Durchschnittskosten noch bei 1.257 Euro, sagt Verivox. Das bedeutet Mehrkosten von 3.006 Euro und einen Anstieg von 239 Prozent. 

„Die Auswirkungen der Gaskrise treffen die Haushalte hart. Die höheren Ausgaben für Gas fehlen dann an anderer Stelle und können zu Überschuldung führen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. „Ab Oktober wird sich die Lage noch verschärfen. Dann wird zwar die Mehrwertsteuer auf Erdgas auf 7 Prozent abgesenkt, gleichzeitig treten aber eine Reihe von Umlagen in Kraft. Die Steuersenkung kann die höheren Kosten nicht ausgleichen.“

Strompreise um 50 % erhöht - 46 Cent je KWh

Strompreise.

Die Stromkosten für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh liegen im bundesweiten Durchschnitt bei 1.832 Euro. Vor 12 Monaten lag der Durchschnittspreis noch bei 1.213 Euro. Die jährlichen Kosten sind damit um 620 Euro oder 51 Prozent angestiegen.

„Damit liegen wir bereits jetzt bei einem Durchschnittspreis von fast 46 Cent pro Kilowattstunde bei einem Drei-Personen-Haushalt“, sagt Thorsten Storck. „Da die Preise an der Strombörse immer neue Rekorde erreichen, gehen wir von noch weiteren Preissteigerungen für die Haushalte aus. Das wird die finanzielle Belastung noch weiter erhöhen.“

Verivox zählte für August, September und Oktober 133 Preissteigerungen von Grundversorgern mit einer durchschnittlichen Erhöhung um 33 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeutet das im Durchschnitt Mehrkosten von 505 Euro jährlich.

„Angesichts der hohen Großhandelspreise rechnen wir mit zahlreichen Strompreiserhöhungen in den kommenden Monaten, die für die Haushalte eine zusätzliche Belastung darstellen werden», sagt Verivox-Experte Thorsten Storck. Der durchschnittliche Strompreis könneauch im kommenden Jahr weiter deutlich steigen.

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