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Energiekrise und Gaspreise

Gaspreise stürzen massiv ab – Verbrauchern hilft es nicht

Gasversorgung.
am Dienstag, 18.10.2022 - 08:51 (1 Kommentar)

Die Erdgas-Preise fielen am europäischen Spotmarkt auf den tiefsten Stand seit 4 Monaten. Am wichtigsten europäischen Handelsplatz TTF gaben die Preise allein am Montag um 10 % auf 128 Euro je MWh nach. Am heutigen Dienstag beginnt der Handel bei 120 Euro je MW. Das ist der niedrigste Gaspreis seit Ende Juni.

Gaspreise.

Ende August hatten die Gaspreise ihren bisherigen Spitzenwert von 340 Euro je MWh erreicht und sind seitdem um mehr als 60 % gefallen. Allerdings kostete Erdgas am Spotmarkt im Oktober vorigen Jahres nur 70 Euro je MWh und vor zwei Jahren sogar deutlich weniger als 20 Euro je MWh.

Hintergrund für den derzeitigen Preisverfall sind offenbar zahlreiche Maßnahmen der europäischen Regierungen den Gaspreis zu deckeln und die Versorgung für den Winter zu sichern. Europas Gasspeicher sind aktuell zu mehr als 91 % gefüllt, was über dem Fünfjahresdurchschnitt liegt, während Deutschlands Speicher sogar zu 95 % gefüllt sind.

Darüber hinaus lassen aktuelle Wetter-Prognosen auf einen milden Winter während der Hauptheizsaison zwischen Dezember und Februar hoffen - und damit auch auf einen geringeren Gasbedarf.

In der Zwischenzeit wird die Europäische Union am Dienstag neue Maßnahmen zur Bewältigung der anhaltenden Energiekrise vorschlagen, darunter eine Reihe von Optionen für Erdgas-Preisobergrenzen.

Für radikale Eingriffe in den Gasmarkt gibt es trotz der hohen Preise indessen keine ausreichende Unterstützung von den EU-Ländern, sagen Beobachter. Allerdings plant die EU, künftig Gas gemeinsam einzukaufen, um einen gegenseitigen Überbietungswettbewerb beim Einkauf zu verhindern.

Die Europäische Kommission hat dafür nun einen konkreten Vorschlag ausgearbeitet, den man heute (Dienstag) vorlegen will. So will man die EU-Staaten verpflichten, einen Teil des Gases gemeinsam einzukaufen. Dabei sollen mindestens 15 Prozent des Speicherbedarfs (etwa 13,5 Milliarden Kubikmeter für die gesamte EU) über eine gemeinsame EU-Gaseinkaufsplattform gekauft werden.

Zu dem Vorschlag gehört auch, dass Unternehmen, die Gas ihren Gaseinkauf künftig transparent machen müssen. Die neuen Regeln sollen ann ab November gelten.

Der nächste Winter wird noch schlimmer

Der Winter 2023 könnte für die Energieversorgung noch schlimmer werden als 2022, sagt die IWF-Vize-Direktorin Gopinath bei der Vorstellung ihrer Wachstumsprognose. Deutschland bekommt die Krise als großer Industriestandort danach besonders heftig zu spüren - und rutscht in die Rezession.

„Dieser Winter wird schwierig, aber der Winter 2023 könnte viel schlimmer werden", sagte die IWF-Vize-Direktorin Gita Gopinath gegenüber dem Handelsblatt. Die Energiekrise wird nicht mehr so schnell verschwinden, die Energiepreise werden noch für längere Zeit sehr hoch bleiben, ist der IWF überzeugt.

 Viele europäische Länder deckeln seit Monaten ihre Strom- oder Gaspreise, um ihre Bürger vor den hohen Energiekosten zu schützen. Nun will auch die Bundesregierung Verbraucher und Unternehmen in der Energiekrise entlasten. Andere EU-Regierungen haben jedoch kritisiert, dass Deutschland sich damit einen Vorteil verschafft, gegenüber den Staaten, die weniger Finanzmittel haben.

Im Dezember will die Bundesregierung zudem eine Einmalzahlung auf Basis des Abschlags zum September-Verbrauch leisten.

Ab März  (wenn der Winter vorbei ist) soll dann die eigentliche Preisbremse für Haushalte und kleine Firmen greifen: Für 80 Prozent des Verbrauchs (Basis ist September 2022) wird ein Grundkontingent zu 12 Cent je Kilowattstunde übernommen. Über die gedeckelte Verbrauchsmenge hinaus gilt jedoch der deutlich höhere Arbeitspreis für Gas.

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