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Betriebsmittelpreise

Preiscrash bei Rohöl: Die Folgen für Diesel und Düngerpreise

Düngersäcke
am Mittwoch, 22.04.2020 - 13:00 (Jetzt kommentieren)

Der historische Preiscrash bei Rohöl hat auch Folgen für die Preise von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln – wie Diesel, Heizöl und Dünger.

Dünger

Auch alle anderen Energierohstoffe wie Erdgas und Kohle sowie Produkte, deren Herstellung mit hohen Energiekosten verbunden ist, werden billiger. Gleichzeitig werden jedoch die Kurse für Bioenergie – wie etwa Ethanol und Biodiesel – weit nach unten gerissen. In den USA fallen etwa die Ethanolpreise auf immer neue historische Tiefstände. Diesem Absturz folgen die Preise für die pflanzlichen Ausgangstoffe wie Mais, Raps, Palmöl und andere. Der dramatische Rückgang der Maispreise – in den USA auf ein 11-Jahrestief – drückt zudem auf den Preis für Futtergetreide.

Doch zurück zu den Betriebsmitteln: Der historische Absturz der Notierung für das US-Leichtöl WTI in den negativen Bereich – von zeitweise Minus 40 USD – hat natürlich auch die Kurse für das europäische Nordseeöl Brent mit in die Tiefe gezogen. Am heutigen Mittwoch notiert das US-Öl WTI für den neuen Frontmonat Juni zwar wieder bei 11 USD je Barrel und für den Juli bei 19 USD je Barrel. Das sind zwar immer noch extrem niedrige Preise – offenbar geht man aber davon aus, dass sich Angebot und Nachfrage am Ölmarkt in den nächsten Monaten wieder etwas besser annähern. Zum einen über eine kräftige Reduzierung der Fördermenge, zum anderen über einen etwas höheren Verbrauch. Doch das ist keineswegs sicher.

Analysten und Händler diskutieren derzeit sogar über die mögliche Verwendung von Rohöl zur Stromherstellung: Vor kurzem war das noch unvorstellbar. Doch die Preise für das europäische Rohöl der Sorte Brent fallen ebenfalls weiter und sorgen für anhaltenden Preisdruck am europäischen Energiemarkt – etwa bei Erdgas, dem wichtigsten Kostenfaktor der Herstellung von Stickstoffdünger. Am heutigen Mittwoch notiert Brent im laufenden Handel nur noch bei 17,55 USD je Barrel für den Junitermin und bei 21,70 USD für den Juli. Das sind nochmals rund 2 USD weniger als am Vortag und die niedrigsten Preise seit knapp 20 Jahren. 

Diesel und Heizöl kosten immer weniger

Dieselpreise

Am schnellsten sichtbar wird der Absturz der Rohölpreise in Europa an den Tanksäulen und beim Heizöl. So sind die Dieselpreise diese Woche auf den niedrigsten Stand seit Mai 2016 gefallen. Nach Angaben des Onlineportals Benzinpreis-Aktuell kostet der Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt am 22. April rund 1,08 Euro. Die Spanne ist relativ groß und liegt zwischen 1,03 und 1,15 Euro je Liter. Vom Gesamtpreis sind allerdings etwa 60 Prozent Steuern, die für Agrardiesel nur zum Teil erstattet werden.

Dieser Preisrückgang am Markt bringt für die Bauern eine spürbare Kostentlastung. Noch im Januar lagen die Preise bei 1,32 Euro je Liter – also fast ein Viertel höher. Bezogen auf eine Tankfüllung von 150 Litern ist das eine Ersparnis von fast 40 Euro. Über einen längeren Zeitraum kommt natürlich noch mehr zusammen. Und – mit Blick auf die Ölpreise – sieht es für die nächste Zeit nicht nach deutlich höheren Dieselpreisen aus.

Ähnlich weit nach unten ging es auch für die Heizölpreise. Hier sackten die Kurse diese Woche auf den tiefsten Stand seit August 2016. Im deutschen Mittel kostet leichtes Heizöl etwa 49 Cent pro Liter, berichtet der Branchendienst Tescon. In vielen Regionen, vor allem im Norden und im Nordosten, sind die Preise sogar noch niedriger. Tescon geht davon aus, dass die Abwärtsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft sind. Das dürfte auch für Diesel gelten.

Stickstoffdünger wird deutlich billiger

Dünger

Und für noch ein wichtiges Betriebsmittel dürften die Preise mittelfristig nach unten gehen: für Mineraldünger. Der mit Abstand wichtigste Kostenfaktor für die Herstellung von Mineraldünger auf Stickstoffbasis ist nämlich Erdgas – und in China auch Kohle. Die Erdgaspreise in den USA und in Europa sind jedoch mit den Ölpreisen weit nach unten gerauscht. Zuletzt konnten sich die Kurse in den USA etwas stabilisieren, weil man glaubt, dass mit der Drosselung der Fracking-Förderung bei Rohöl weniger Erdgas anfällt.

Doch die Welt braucht derzeit auch weniger Erdgas – ebenso wie sie weniger andere Rohstoffe wie etwa Kohle und Industriemetalle benötigt. In Europa sind die Erdgaspreise allein seit Februar um 45 Prozent gefallen – sie haben sich also fast halbiert. Seit Mitte des vorigen Jahres beträgt der Absturz sogar 70 Prozent. In den USA sind die Preise seit Mitte des vorigen Jahres um ein Drittel gefallen – dort ging es schon vorher kräftig nach unten. Dieser gewaltige Preisrutsch bei Erdgas verbilligt die Herstellung von Stückstoffdüngern dramatisch – in Europa offenbar noch etwas stärker als in den USA.

Der Preisrückgang bei Dünger wird jedoch langsamer erfolgen als beim Diesel, denn die Läger der Hersteller und Händler sind oft noch mit der deutlich teurer hergestellten Ware gefüllt. Hinzu kommen die immer stärker werdenden Probleme in den Lieferketten der großen Hersteller und Exporteure. All das dürfte den Preisrückgang bei Dünger verzögern, nicht jedoch aufhalten. Schaut man auf den Terminmarkt für Harnstoff in den USA, ist dies dort deutlich zu sehen.

So liegen die Harnstoffpreise für die vordere Ware – unter anderem wegen der gerade laufenden Frühjahrsbestellung und der corona-bedingten Logistikprobleme – im April bei knapp 260 USD je Tonne. Für Mai kostet der Harnstoff dann nur noch 215 USD je Tonne und für Juni sacken die Preise bis auf 195 USD je Tonne nach unten: Das ist ein Preisrückgang von 25 Prozent seit April. Im zweiten Halbjahr steigend die Kontraktpreise dann wieder über die 200 USD-Marke an und liegen zum Ende des Jahres bei 203 USD je Tonne. Ähnlich könnte die Entwicklung in Europa verlaufen – wenn es wegen Corona keine großen Logistikprobleme gibt. 

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