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Energiekrise und Strompreise

Strompreise fallen ins Bodenlose – 6,9 Cent am Spotmarkt

stromzaehler.
am Montag, 31.10.2022 - 17:04 (2 Kommentare)

Die europäischen Strompreise rauschen weiter nach unten, jedenfalls am Spotmarkt. Mit 68,86 Euro je MWh wurde Strom am heutigen Montag an der EEX von deutschen Unternehmen gehandelt. Das waren umgerechnet 6,89 Cent je KWh – bei Strompreisen von deutlich über 40 Cent je KWh, den Neukunden derzeit an die Strom-Versorger zahlen müssen.

Strompreise an der EEX.

Noch vor wenigen Wochen wurde der Strom an der EEX mit 500 bis 700 Euro je MWh bzw. 50 bis 70 Cent je KWh gehandelt. Der Absturz bei den Strompreisen folgt den fallenden Gaspreisen und der politischen Entwicklung in Europa, die den Strommarkt stärker regulieren will und wird.

Am letzten Handelstag im Oktober (31.10) müssen Händler und Stromversorger an der EEX einen Strompreis von nur noch 68,86 Euro je MWh bzw. 6,89 Cent je KWh zahlen. Das ist ein neuer Tiefstand und ein Absturz, den sich viele Beobachter und Händler so nicht haben träumen lassen.

Auch in unseren Nachbarländern müssen die Versorger deutlich weniger Geld für dem Strom ausgeben. So zahlten die Stromversorger in Frankreich am Montag nur noch 90,4 Euro je MWh bzw. rund 9 Cent je KWh. In Polen fielen die Strompreise am Spotmarkt auf etwa 11 Cent und in den Niederlanden kostete der Strom die Versorger etwa 7 Cent je KWh (siehe Grafik).

Dass die Strom-Preise so niedrig bleiben, ist aber sehr unwahrscheinlich. Denn die Versorgungsprobleme sind keineswegs gelöst und Strom bleibt (sehr) knapp. Doch der Markt glaubt offenbar, dass die Politik die schlimmsten Engpässe beheben kann. Auch durch das Hochfahren von Kohlekraftwerken und von Atomenergie.

Am Terminmarkt geht man jedoch weiter von einer engeren Versorgung für die nächsten Wochen und Monate aus. So rechnete man an der EEX für November zuletzt mit Preisen von 266 Euro je MWh bzw. 26,6 Cent je KWh. Das ist aber immer noch deutlich weniger als Verbraucher derzeit an ihre Versorger zahlen müssen.

Bis Februar 2023 steigen die Terminmarktpreise für den Baseloadkontrakt dann auf 497 Euro je MWh bzw. 49,6 Cent je KWh an. Das ist nicht nur fast eine Verdopplung der für den November erwarteten Preise, sondern entspricht in etwa auch den Strompreisen, den Neukunden bei den Stromversorgern derzeit zahlen müssen.

Danach (also ab März 2023) zeigt die Preiserwartung am Terminmarkt wieder nach unten, auf etwa 320 Euro je MWh bzw. 32 Cent je KWh. Das wäre ein Preis, den viele Stromkunden in der Vergangenheit (2021) schon zahlen mussten.

Gaspreisebremse und Strompreisbremse kommen

Die Bundesregierung will Strompreise für Haushalte ähnlich wie bei der geplanten Gaspreisbremse stützen. Dazu soll der Jahresverbrauch aus der Vergangenheit zu Grunde gelegt werden. Finanziert werden soll das Ganze durch Gewinnabschöpfung bei Energieunternehmen.

Die Entlastung beim Strom für Haushalte und Unternehmen solle zudem "konsistent mit der Umsetzung der Gaspreisbremse erfolgen". Die Ideen für die deutsche Strompreisbremse sehen vor, dass den Verbrauchern ein vergünstigtes Basiskontingent zur Verfügung gestellt wird", hieß es.

Für den übrigen Verbrauch falle der normale Strompreis an. Durch diese Pläne werde auf den Stromrechnungen "der Strompreis vom Gaspreis teilweise entkoppelt, ohne aber das wichtige Preissignal als Einsparsignal für die Verbraucher zu beeinträchtigen", sagt das Ministerium.

Am heutigen Montag (31.10.) hat die deutsche Expertenkommission für Gas hat neue Vorschläge für eine Gaspreisobergrenze vorgelegt. Haushalte im Land zahlen mehr als doppelt so hohe Preise als vor einem Jahr.

In ihrem Abschlussbericht forderte die Kommission, die Gaspreise von März 2023 bis mindestens Ende April 2024 auf 12 Cent pro Kilowattstunde (kWh) für 80 % des Grundverbrauchs der Haushalte begrenzen sollte. Dem steht ein Durchschnittspreis im Oktober von 18,6 Cent pro kWh laut Check24 gegenüber.

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