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Kosten für Strom

Strompreise fallen auf neue Tiefstände – Stromkunden gehen leer aus

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am Montag, 16.01.2023 - 12:45 (Jetzt kommentieren)

Strom ist billig wie lange nicht mehr. Aber nur im Großhandel und an den Strombörsen. Für Versorger ist das gut, denn sie können billig einkaufen. Auch für Neukunden fallen die Strompreise – moderat. Für die Grundversorgung steigen die Preise hingegen an. Das ist nur schwer mit den Entwicklungen am Markt zu erklären.

Großhandelspreise Strom.

Die Strompreise im Großhandel sind sehr niedrig und sie fallen auf immer neue Tiefstände. Das heißt: Stromversorger können sich seit Wochen billig mit Strom eindecken. Am vergangenen Wochenende wurde Strom in Deutschland zwischen 1,74 Euro je MWh und 53,14 Euro je MWH gehandelt. Das sind umgerechnet 0,17 Cent bis 5,31 Cent je kWh.

Noch Mitte Dezember kostete der Strom im Großhandel zwischen 400 und 500 Euro je MWh oder 40 bis 50 Cent je kWh. Danach ging es mit den Strompreisen jedoch steil bergab. Für die ersten 15 Tage im Januar meldet die Bundesnetzagentur Großhandelspreise für Strom zwischen minus (!) 1,30 Euro je MWh und in der Spitze 160 Euro je MWh (also umgerechnet minus 0,13 Cent und 16 Cent je kWh).

Negative Strompreise (oder sehr niedrige Strompreise) kommen im Großhandel dann vor, wenn ein Stromüberschuss besteht. Oder anders gesagt, wenn die Stromerzeugung den Stromverbrauch überschreitet. Eine solche Situation entsteht unter anderem, bei einer sehr hohen Einspeisung mit sehr preisgünstigem Strom aus Wind, wie das im Moment der Fall ist.

So lag die Erzeugung von Windstrom onshore bei 30.765 MWh und offshore bei 5620 MWh. Zusammen sind das 36.385 MWh Strom aus Wind und damit mehr als doppelt so viel wie alle konventionellen Energieträger mit 14.213 MWh zusammen erzeugt haben und gleichzeitig 84 % der gesamten erneuerbaren Stromerzeugung von 42.606 MWh.

Auch in den Tagen davor war die Stromerzeugung aus Wind schon sehr hoch und die Überschüsse entsprechend groß. Deutschland hat deshalb erhebliche Mengen sehr preiswerten Strom in die Nachbarländer exportiert – am 15.01. waren es rund 12.900 MWh bzw. fast ein Viertel der gesamten Erzeugung.

Fazit ist also: Seit Wochen wird in Deutschland ein erheblicher Stromüberschuss erzeugt und die Einkaufspreise für Stromhändler und Versorger sind sehr, sehr niedrig.

Neukundenpreise geben nach – Grundversorgung wird teurer

Strompreise für Neukunden.

Von niedrigen Preisen kann man aber bei den Stromkunden noch lange nicht reden. Hier geben die Preise für Neukunden seit Jahresbeginn zwar ebenfalls moderat nach, gleichzeitig steigen die Preise für Bestandskunden oft deutlich an, berichten Marktbeobachter wie das Vergleichsportal Verivox.

Neukunden müssen nach den aktuellen Erhebungen von Verivox diese Woche rund 41,6 Cent je KWh zahlen. Das ist ein Vielfaches der Börsenpreise, auch wenn man Netzgebühren und Steuern mit berücksichtig. Anfang Januar lagen die Neukundenpreise allerdings noch bei 43,7 Cent und damit rund 2 Cent höher. Ein deutlicher Preisrückgang – wie im Großhandel, ist das allerdings nicht.

Mitte Dezember mussten Neukunden allerdings noch zwischen 47 und 54 Cent je kWh zahlen, sagt Verivox, und damit deutlich mehr als jetzt. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings auch die Großhandelspreise wesentlich höher - nämlich zwischen 40 und 50 Cent je kWh.

Auf der anderen Seite steigen die Preise für die Grundversorgung zuletzt deutlich an - von 36,8 im Oktober auf 46,6 Cent je kWh im Januar. Stromkunden, die zuletzt im örtlichen Grundversorgungstarif Zuflucht vor explodierenden Strompreisen gesucht haben, sollten nun die verfügbaren Tarife vergleichen und einen Wechsel zu einem überregionalen Versorger mindestes prüfen.

Allerdings dürften auch die Preise für die Grundversorgung bald unter Druck geraten. Zum einen, weil die Großhandelspreise wirklich sehr niedrig sind. Und zum anderen, weil auch am Terminmarkt für die nächsten Monate sehr niedrige Strompreise angezeigt werden, die deutlich unter den Preisen der letzten Monate liegen.

So können sich Versorger derzeit für besonders kritischen Monat Februar und März Terminmarktpreise für 16,1 Cent je kWh und 15,7 Cent je kWh absichern. Die Monate April und Mai kosten am Terminmark nur noch 15 Cent je kWh – und dann gibts sicher auch schon wieder reichlich Sonnenstrom.

Also: Trotz noch nicht berücksichtigter Gebühren und Steuern sind auch die Terminmarkpreise meilenweit von den derzeitigen Verbraucherpreisen entfernt.

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