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Energiekrise und Strompreise

Strompreise fallen auf Vorkrisen-Niveau – aber nicht für Verbraucher

Stromzähler.
am Mittwoch, 12.10.2022 - 11:14 (5 Kommentare)

Da reibt man sich verwundert die Augen: Die Strompreise am europäischen Spotmarkt fallen fast auf Vorkrisenniveau.

Strompreise.

Auch am Terminmarkt EEX können Unternehmen und Händler den Strom aktuell deutlich billiger einkaufen als noch vor wenigen Wochen. Ist die Stromkrise schon wieder vorbei? Mitnichten! Dieser Preisrückgang dürfte nur ein kurzes Intermezzo sein und vor allem den zuletzt deutlich gefallenen Gaspreisen geschuldet sein.

Auch die angekündigte Verlängerung der Laufzeiten der Grundlastenergien Atomstrom und Kohlestrom dürfte die Preise gedrückt haben. Doch eine Entwarnung ist das nicht. Strom wird auf jeden Fall knapp bleiben und angesichts des akuten Energiemangels bei gleichzeitig wachsendem Strombedarf (etwa durch Elektromobilität), wird sich die Versorgungslage wohl weiter zuspitzen und die Preise schnell wieder nach oben treiben.

Am Terminmarkt ist das in abgeschwächter Form bereits zu beobachten. So kostete der Oktobertermin für den Baseload-Kontrakt (0.00 Uhr bis 24.00 Uhr) an der EEX am Dienstag knapp 192 Euro je MWh und damit so wenig wie lange nicht mehr. Der Novembertermin wurde bereits wieder mit 345 Euro gehandelt und für den Janaur stiegen die Kontraktpreise dann auf knapp 565 Euro je MWh. Danach fallen die Preise allmählich wieder – glaubt der Markt im Moment.

Für den teureren Peakload-Kontrakt (08.00 Uhr und 20.00 Uhr) zahlten die Einkäufer für den Oktobertermin 251 Euro je MWh und für den November 470 Euro. Bis Januar geht es dann steil auf 800 Euro je MWh nach oben – und auch hier gehen die Preise danach wieder etwas runter.

Die Entwicklung der Terminmarktpreise finden sich in etwa auch am aktuellen Spotmarkt wieder: Am Dienstag (11.10) wurde der Strom in Deutschland für 282 Euro je MWh gehandelt. In Frankreich kostete Strom im Spothandel 288 Euro und in Polen 200 Euro je MWh (siehe Grafik unten).

Gaspreise bestimmen den Strompreis

Strompreise.

Die EU-Länder hatten sich Ende der vorigen Woche auf europäische Notmaßnahmen geeingt, um Strom zu sparen und die finanziellen Entlastungen für Bürger und Unternehmen zu bezahlen. Danach sollen Energieunternehmen künftig einen Teil ihrer sogenannten Krisengewinne an den Staat abführen.

Ein Problem ist, das der Strompreis unmittelbar an den hohen Gaspreisen hängt. Das liegt daran, dass der Strompreis durch das teuerste Kraftwerk bestimmt wird (Merit-Order-Prinzip), das zur Produktion benötigt wird - derzeit sind das vor allem die Gaskraftwerke.

Die Produzenten von billigerem Strom - aus Sonne, Wind, Atomkraft oder Braunkohle - können ihren Strom dann zu diesen Preisen verkaufen. Die Maßnahmen treffen nicht nur die Produzenten von billigem Strom aus erneuerbaren und anderen Quellen, sondern auch Öl-, Kohle- und Gasunternehmen sowie Raffinerien. Sie sollen eine Solidaritätsabgabe von mindestens 33 Prozent auf ihre Übergewinne zahlen. Mit dem Geld sollen ebenfalls Entlastungen für Bürger und Unternehmen finanziert werden.

Die EU-Länder verständigten sich zudem auch ein verpflichtendes Stromsparziel von fünf Prozent in Zeiten hoher Nachfrage. Dann kostet Strom nämlich besonders viel, da viel teures Gas für die Produktion eingesetzt werden muss. Insgesamt sollten die EU-Länder ihren Stromverbrauch freiwillig um 10 Prozent senken.

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