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Energiekrise und Strompreise

Strompreise steigen mit Kältewelle – Stromkunden werden ausgenommen

Stromzähler
am Montag, 21.11.2022 - 12:05 (Jetzt kommentieren)

Die Strompreise sind am Spotmarkt kräftig gestiegen. Grund dürfte die aktuelle Kältewelle mit Frost und Schneefall sein. Am Terminmarkt bleibt der Stromeinkauf für die Versorger jedoch weiter sehr günstig.

Strompreise am Spotmarkt.

Am deutschen Spotmarkt sind die Strompreise von weniger als 10 Cent je kWh am Mittwoch (16.11) auf 25,4 Cent je kWh am Samstag (19.11) nach oben geschossen. Das ist mehr als eine Verdopplung und der höchste Spotmarktpreis seit Wochen. Allerdings müssen Stromkunden (Neukunden) mit 48,2 Cent je kWh fast doppelt so viel für ihren Strom zahlen. Ein gutes Geschäft für die Versorger – trotz der kräftig gestiegenen Spotmarktpreise.

Grund für den Preisanstieg ist der Wintereinbruch in Deutschland mit einem steigenden Verbrauch von Strom und Gas. Gleichzeitig arbeiten viele Solaranlagen wegen der Schneebedeckung nicht – und erzeugen keinen oder weniger Strom. Das gilt für private Anlagenbesitzer ebenso wie für gewerbliche Solarbetreiber.

Trotz der deutlich gestiegenen Spotmarktpreise bleibt der Stromeinkauf für Versorger und Stromhändler jedoch relativ günstig. Vor allem dann, wenn man die Strompreise der Stromkunden mit den Preisen am Spotmarkt und auch mit den weiterhin günstigen Preisen am Terminmarkt vergleicht (siehe unten).

Am Samstag (19.11) mussten Händler und Stromversorger am Spotmarkt (EEX) für den dort gekauften Strom 254 Euro je MWh zahlen – das sind 25,4 Cent je kWh. Am vorigen Mittwoch (16.11) kostete der Strom zeitweise nur 99 Euro pro MWh bzw. 9,9 Cent je kWh und damit deutlich weniger.

Grund für den Preisanstieg ist die Kältewelle mit Frost und Schnee in Deutschland und anderen europäischen Ländern, die den Stromverbrauch und den Gasverbrauch nach oben treiben. Deshalb steigen die Strompreise auch in unseren Nachbarländern. So zahlten die Stromversorger in Frankreich beim Stromeinkauf am Samstag 245 Euro je MWh bzw. 24,5 Cent je kWh. In Polen lagen die Einkaufpreise der Versorger bei umgerechnet 19,8 Cent je kWh und in den Niederlanden kostetet Strom die Versorger 22 Cent je kWh.

Die Strompreise folgen weiter der Entwicklung am Gasmarkt und den veränderten politischen Rahmenbedingungen. Trotz der gestiegenen Spotmarktpreise bleibt der Abstand zu den Strompreisen, die die Stromkunden derzeit zahlen müssen, sehr groß und ist eigentlich nicht zu erklären.

Mitte November lag der Strompreis für Neukunden im Bundesmittel bei 48,2 Cent je kWh, hat das Vergleichsportal Verivox ermittelt. Vor einem Jahr um diese Zeit lag der Preis für Neukunden bei 33 Cent pro Kilowattstunde.

Strompreise steigen auch am Terminmarkt – Januar und Februar am teuersten

strompreise.

Am Terminmarkt kostet der Strom seit Wochen ebenfalls viel weniger als die Stromkunden zahlen müssen. Außerdem sind die Terminmarkt-Preise trotz der Kältewelle kaum gestiegen. Versorger und Stromhändler können sich am Terminmarkt also weiterhin mit relativ preiswertem Strom eindecken.

Allerdings steigen die Terminmarkpreise für Strom bis zum Februartermin 2022 kontinuierlich an (siehe Grafik). Offenbar erwartet der Markt vor allem im Januar und im Februar eine angespanntere Versorgungslage als jetzt. Dennoch kostet auch dieser Strom deutlich weniger als vor einigen Wochen und vor allem weniger als Stromkunden derzeit zahlen müssen.

Am Freitag kostete der sogenannte Baseload-Kontrakt für den Novembertermin knapp 200 Euro je MWh bzw. 20 Cent je kWh - also nicht einmal halb so viel, wie die Stromkunden für ihren Strom zahlen müssen. Für den Dezember steigen die Kontraktpreise dann auf umgerechnet 26,2 Cent je kWh.

Für den Januar 2023 kostet Strom am Terminmarkt dann mehr als 30 Cent - nämlich 33,2 Cent je kWh. Auch für den teuersten Monat - den Februar 2023 - müssen die Stromhändler und Versorger mit umgerechnet 36,7 Cent – mehr als 10 Cent weniger ausgeben als die Verbraucher im November – und danach gehen die Preise am Terminmarkt auch schon wieder zurück. 

Mitte Oktober mussten Versorger für diese beiden Termine (Januar und Februar) sogar noch 800 Euro je MWh bzw. 80 Cent je kWh zahlen. Davon ist man derzeit meilenweit entfernt.

Bund und Länder hatten Anfang November (02.11) eine Strompreisbremse beschlossen. Diese soll ab 1. Januar 2023 gelten. Für Verbraucher und kleine Unternehmen soll dann ein Grundkontingent von 80 Prozent des bisherigen Verbrauchs abgesichert werden. Der Bruttopreis für diesen Strom soll bei 40 Cent je kWh liegen.

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