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Agrarchemie und Pflanzenschutz

Preisexplosion bei Pflanzenschutz – was können die Bauern tun?

agrarchemie.
am Donnerstag, 21.10.2021 - 14:23 (1 Kommentar)

Die Preise für Pflanzenschutzmittel steigen an allen wichtigen Handelsplätzen steil an. Nach der Preisexplosion bei Dünger – das nächste Problem für die Bauern.

glyphosat.

China, der weltweit größte Exporteur von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden, meldete für die wichtigsten Pflanzenschutzmittel die höchsten Exportpreise seit 10 Jahren mit weiter steigendender Tendenz. Ähnliche Berichte kommen aus den USA, wo der deutsche Hersteller Bayer AG zu den größten Lieferanten von Pflanzschutzmitteln gehört. Landwirte müssen offenbar noch länger einem knappen Angebot an Agrarchemikalien, steigenden Preisen und Engpässen rechnen, sagen Branchenvertreter und Händler.

Ursache sind die unterbrochenen Lieferketten, sehr hohe Frachtkosten und erhebliche logistische Probleme. Hinzu kommen die explodierenden Energiepreise, Arbeitskräftemangel und knappe Lagerbestände. Einige Unternehmen berichten von einer zehnfachen Erhöhungen der Frachtkosten. Zusammengenommen erschweren diese Probleme Versorgung, treiben die Preise nach oben und machen die die Lieferkette besonders anfällig für kleinste Störungen.

Fast die gesamte Flexibilität in der Lieferkette ist weg, sagte Sam Taylor, Executive Director von RaboResearch gegenüber dem US-Onlinedienst DNT. Das bedeutet, dass jede kleine Störung – eine Anbauänderung, ein schwerer Sturm, eine Fabrik die ausfällt, ungewöhnlich große Kaskadeneffekte haben wird. „Alles, was sich in der Vergangenheit nicht auf die Lieferkette ausgewirkt hat, wird jetzt aufgrund der langen Verzögerungen, die sich aufgebaut haben, unmittelbar wirksam", sagt Taylor.

Glyphosat-Preise in China steigen auf 10-Jahreshoch

glufosinat.

In China wurde die Produktion von Agrarchemikalien Mitte September erneut massiv gestört, sagte Taylor. Neue Umweltauflagen der chinesischen Regierung haben die Provinz Yunnan gezwungen, die Produktion von gelbem Phosphor bis Dezember auf 10 % der normalen Kapazität zu senken. In der Provinz Yunnan wird aber zwischen 40 % und 45 % der chinesischen Produktion von gelbem Phosphor erzeugt, die in die fertige Phosphat- und Glyphosatproduktion einfließt, sagte Taylor.

Außerdem dürften Chinas verschärfte Umweltvorschriften bei der Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking zu Einschränkungen für das weltweite Angebot an Pflanzenchemikalien darstellen, sagte Taylor.

Darüber hinaus hatte Bayer Crop Science, der größte US-Produzent von Glyphosat und anderen Agrachemikalien, aufgrund der Auswirkungen des Hurrikans Ida Produktionsprobleme. Die Lieferunterbrechung trieb den Preis für Glyphosat in den USA wieder auf das sehr hohe Niveau von 2008. Das heißt: Es mussten Preise von auf 9000 USD je Tonne bis 10.000 USD je Tonne ab Werk (EXW) gezahlt werden – das ist noch etwas mehr als bei den chinesischen Lieferanten.

In China lagen die Glyphosat-Preise zuletzt zwischen 8000 und 9000 USD je Tonne – auf dem höchsten Stand seit 10 Jahren. Die Preise für das international immer wichtiger werdende Herbizid Glufosinat sind in China ebenfalls explodiert. Im September wurde Glufosinat ab Werk für knapp 46.500 USD je Tonne abgegeben – das waren fast doppelt so hohe Preise wie zum Beginn des Jahres.

Ähnlich deutlich sind die Preise für Fungizide und Insektizide gestiegen: So kostet Trifloxystrobin (Fungizid) etwa 87.000 USD je Tonne und Imidacloprid (Insektizid) etwa 24.000 USD je Tonne.

Preise könnten bis 2022 weiter steigen – Mangel erwartet

imidacloprid.

Wegen der anhaltenden Unsicherheit der Produktion Chinas wird erwartet, dass die Preise für Glyphosat, Glufisinat und andere Pflanzschutzmittel in den nächsten sechs Monaten weiter ansteigen. Infolgedessen werden die Preise für Agrarchemikalien und Düngemittel in der Saison 2022 mit ziemlicher Sicherheit sehr hoch bleiben und wohl noch weiter steigen.

„Ich denke, die Landwirte müssen sich der Knappheit bewusst sein – in der Vergangenheit gab es Engpässe bei wenigen Wirkstoffen, aber im kommenden Jahr könnte es zu größeren Versorgungproblemen kommen und die Entscheidungen der Landwirte über den Anbau und die landwirtschaftliche Praktiken beeinflussen", sagte der Rabobank-Analyst. Landwirte und ihre Pflanzenberater in den USA kämpfen bereits mit einem erheblichen Mangel an Glyphosat, wobei bereits Pläne zur Unkrautbekämpfung erstellt werden, die das sonst am häufigsten verwendete Herbizid des Landes nicht mehr enthalten.

Die Preise werden diese Knappheit widerspiegeln. Neben Produktknappheit und teurer Fracht kämpfen Landwirte und Unternehmen außerdem auch mit der verschärften regulatorischen Anforderungen und Auflagen beim Einsatz der Mittel. All diese Probleme führen dazu, dass viele Landwirte versuchen die Chemikalien im Voraus zu bezahlen und so ihre Lieferungen zu sichern. Gleichzeitig behalten viele Landwirte die Restbestände und geben diese nicht an ihre Lieferanten zurück – heißt es aus den USA.

Vorauszahlungen sichern keine Ware

Landwirte, die aufgrund zukünftiger Liefervereinbarungen im Voraus zahlen, sollten ihre Verträge sorgfältig auf Klauseln über „höhere Gewalt“ überprüfen, die es Unternehmen ermöglichen, aufgrund unvorhergesehener außergewöhnlicher Umstände zurückzutreten – etwas, was zuletzt zunehmend passiert ist, sagt der Rabobank-Analyst. Händler in den USA sagen zudem, dass Vorauszahlungen (derzeit) keine Lieferungen garantierten. Deshalb zahlen viele Farmer nur für Chemikalien für Produkte, auf man physisch zugreifen kann, bzw. die man prompt geliefert bekommt.

Analysten der Rabobank gehen davon aus, dass die Lieferketten mindestens noch ein oder zwei Jahre brauchen, bis sie sich wieder erholen – bis dahin ist mit anhaltenden Problemen zu rechnen. Einige Analysten befürchten zudem, dass die Preise für Agrar-Chemikalien und Dünger sich lange nicht „normalisieren“ werden.

Ein Folge dieser Entwicklung ist: Landwirte – speziell in den USA - kaufen Saatgut und Agrar-Chemikalien, die sie benötigen, deutlich früher als in den Vorjahren, um die Versorgung für die nächste Saison inmitten anhaltender globaler Lieferkettenprobleme zu sichern, sagte Liam Condon, US-Manager der Bayer AG gegenüber Reuters.

Bayer musste sein Werk in Louisiana schließen, nachdem der Hurrikan Ida Ende August die Golfküste getroffen hatte, was die Logistik- und Lieferkettenprobleme weiter verschärfte. Was die  weitere Preisentwicklung für Agrarchemikalien betrifft, sagte Condon: „Unsere Strategie war immer, die Inflation eindeutig an den Markt weiterzugeben." Übersetzt heißt das: Weiter steigende Presie für die landwirte.

Kommentar

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