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Energiekrise und Düngerkosten

BASF drosselt Düngerproduktion in Europa, Düngerpreise auf Allzeithoch

Mineraldünger.
am Freitag, 01.10.2021 - 13:45 (1 Kommentar)

Immer mehr große Düngerhersteller legen Werke still. Dünger wird knapp und die Preise gehen durch die Decke. KAS kosten an den deutschen Importhäfen Anfang Oktober fast 400 Euro je Tonne, der Flüssigdünger AHL wird für 320 Euro verladen und für Harnstoff werden Preise von 600 Euro je Tonne genannt. Ursache für die Kostenexplosion ist die schwerere Energiepreiskrise und explodierende Gaspreise. Auch das von Schlachtern und der Lebensmittelwirtschaft benötigte CO2 dürfte immer knapper werden.

KAS-Preise.

Der Chemieriese BASF hat die Produktionskapazität für Düngemittel aufgrund der „extrem herausfordernden“ Wirtschaft aufgrund der hohen Erdgaspreise zuletzt deutlich eingeschränkt.

Das Unternehmen hat die Ammoniakproduktion sowohl in seinen Werken in Antwerpen in Belgien als auch in Ludwigshafen in Deutschland reduziert. „Aufgrund des jüngsten Anstiegs der Erdgaspreise in Europa ist der wirtschaftliche Betrieb einer Ammoniakanlage in der Region äußerst schwierig geworden“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

„Die BASF hat daher ihre Ammoniakproduktion an ihren Produktionsstandorten in Antwerpen und Ludwigshafen eingeschränkt.“ Weiter sagt der Chemieriese: „BASF wird die Gaspreisentwicklung kontinuierlich beobachten und die Ammoniakproduktion entsprechend anpassen.“

Die Preise für Ammoniumnitrat (AN) und Calciumammoniumnitrat (CAN) in Nordwesteuropa haben die Finanzhöchststände von 2007-2008 bereits deutlich überschritten. Die explodierenden Öl- und Gaspreise setzen die Düngemittel- und Chemieproduzenten massiv unter Druck und zerstören gleichzeitig die Nachfrage aus der Landwirtschaft und von anderen Verbrauchern.

Die Ankündigung von BASF war die jüngste in einer langen Reihe von Düngemittelwerksschließungen und Kapazitätsreduzierungen, denn der Sektor hat aufgrund der weiter steigenden Erdgaspreise mit negativen Margen zu kämpfen. Indessen stiegen die Erdgaspreise auf den Schlüsselmärkten in Nordostasien weiter an und erreichte am 29. September erneut einen Rekordwert von über 30,00 USD/MMBtu, berichten Analysten. Händler sagten, dass der Hauptschub von den europäischen Versorgungszentren kam.

Auf den britischen Energiemärkten wird mit weiteren Ausstiegen von Energieunternehmen gerechnet, nachdem bisher neun Unternehmen aufgrund steigender Großhandelspreise für Energie Pleite gegangen sind, und die Gaspreise voraussichtlich sehr hoch bleiben werden.

Düngerfabriken machen reihenweise dicht

Harnstoffpreise.

Die Düngerhersteller und die Chemieindustrie, einschließlich der Agrarchemie, sind aufgrund ihrer energieintensiven Produktion (Erdgas) ganz besonders von der Preisexplosion bei Erdgas betroffen. Als erster hatten vor zwei Wochen der US-Hersteller CF Industries seine beiden Werke in Großbritannien in Ince und Billingham geschlossen, wobei letzteres aufgrund von finanzieller Unterstützung der britischen Regierung den Betrieb wieder aufnehmen soll, auch um die Schlacht- und Lebensmittelindustrie mit CO2 zu versorgen.

Kurz darauf gab einer weltgrößten Stickstoffdüngerhersteller, nämlich Yara International bekannt, dass man rund 40 Prozent der europäischen Ammoniakproduktionskapazität stilllegen will – wegen der explodierenden Gaspreise die eine rentabele Produktion unmöglich machen. Nun soll Ware aus anderen Werken importiert werden. Billig wird das sicher auch nicht.

Auch Litauens auf den Export ausgerichteter Stickstoffdüngerhersteller Achema hat Pläne zur Wiederinbetriebnahme seiner Ammoniakanlage Ende August abgesagt, nachdem diese turnusmäßig gewartet worden war. Die hohen Produktionskosten führten außerdem auch zu einer teilweisen Einstellung der Ammoniakproduktion im OCI-Sticktoffdünger-Werk Geleen in den Niederlanden.

Das Management des größten spanischen Düngerherstellers Fertiberia  - mit 75 Prozent Marktanteil - will nach Ankündigung der Firmenleitung, die Dünger-Produktion am Standort Palos de la Frontera (Spanien) zum 1. Oktober einstellen. Die Fabrik in Puertollano befindet sich derzeit ähnlich wie Achema Litauen in einer geplanten Stilllegung wegen laufender Instandhaltungsarbeiten.

Der österreichische Chemiekonzern und  Düngemittelhersteller Borealis AG hat ebenfalls angekündigt, seine Produktion zu reduzieren und die Situation standortübergreifend weiter zu analysieren. Borealis gehört in Europa zu den Marktführern in der Petrochemie.

Doch nicht nur Europa ist betroffen:  Auch in der Ukraine wird die Produktion von Stickstoffdünger und Harnstoff gedrosselt.  Analysten berichten, dass der Hersteller OPZ am 18. September die Entscheidung getroffen hat, eine Ammoniakleitung und zwei Harnstoffleitungen stillzulegen. Bei fast allen Herstellern wurden keine Termine für die Wiederaufnahme der Produktion genannt und auch kein ein Zeitplan oder gar keine Prognose abgegeben. Ähnlich wie Stilllegung der Werke von CF Industries In England haben die Produktionskürzungen nicht nur Folgen für die Düngerpreise und das Düngerangebot sondern a

uch für das Angebot an Kohlendioxid (CO2), denn die Ammoniakproduktion ein wichtiger Prozess für die Herstellung von CO2. Ein Mangel an Co2 hat unmittelbare Folgen für die Arbeit der Schlacht- und Lebensmittelindustrie  in Europa.

Energiepreiskrise weitet sich aus

erdgaspreise.

Anhaltend hohe Erdgaspreise sind Auslöser der aktuellen Krise. Viele Analysten glauben dass die hohen Preise noch einige Zeit dauern könnten. Dabei treiben die hohen Gaspreise auch die übrigen Energiepreise auf immer neue Rekordstände – dabei geht es vor allem um fossile Energieträger wie Kohle die ebenfalls auf Höchststand sind, aber auch um explodierende Preise für Strom, Diesel, Benzin und Heizöl.

Mittlerweile kommen auch aus Asien und China Meldungen über extremen Energiemangel und Rekordpreise bei Erdgas und Kohle. Vor allem in China dürfte das den die Produktion und den Export von Stickstoffdünger und Phosphordünger extrem beeinflussen – das heißt konkret ausbremsen, mit Folgen für die Versorgung am Weltmarkt.

Europa befindet sich mittlerweile in einem extremen Engpass bei der Energieversorgung, da eine Kombination aus erschöpften Erdgasreserven und rückläufiger bzw. begrenzter Versorgung mit erneuerbarer Windenergie – die Versorgung gefährdenden. Einige Analysten warnen deshalb vor Stromabschaltungen und Blackouts in Europa.

Der Wiederaufbau der europäischen Gasreserven vor den kälteren Wintermonaten bleibt indessen schwierig. Eine Ursache sind extrem knappe globale Flüssiggas-Lieferungen. Denn eine für die Jahreszeit ungewöhnliche Kälteperiode heizt die Nachfrage in Asien an. Vor diesem Hintergrund steigen die Gas- und Strompreise täglich weiter. Analysten berichten, dass die Erdgaspreise seit Januar um 250 Prozent nach oben gegangen sind und allein im August um 70 % zugelegt haben.

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