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Düngermarkt

Corona-Krise: Düngerpreise brechen gewaltig ein

Dünger
am Montag, 04.05.2020 - 14:13 (Jetzt kommentieren)

Weltweit fallen die Düngerpreise. Noch ist der Absturz bei den Bauern aber nicht angekommen.

Harnstoffpreise Welt

Der Absturz der Energie- und Rohstoffpreise hat auch massive Auswirkungen auf den globalen Düngermarkt. Die Preise für Harnstoff und andere Stickstoffdünger sind Anfang Mai regelrecht abgestürzt und es geht in den nächsten Monaten wohl noch weiter nach unten. Doch auch das Problem der unterbrochenen Lieferketten ist wohl noch lang nicht aus der Welt: „Wir wissen, dass die Produktion vieler Makronährstoffe und auch der Wirkstoffe für Ag-Inputs (Agrarchemie) stark auf China konzentriert ist. Was also weiter in China passiert, wird auf mittlere Sicht mit Sicherheit tiefgreifende Auswirkungen haben ", sagt Samuel Taylor, Vizepräsident für Farm Input Analysis bei der Robobank.

Schaut man einmal auf den Terminmarkt in den USA, so befinden sich die dort für die nächsten Monate erwarteten Preise auf lange nicht gekannten Tiefstständen: Im April, zum Beginn der Aussaat, kostete Harnstoff jedenfalls noch 260 USD je Tonne. Für den Mai rauschten die Kurse dann bis auf 214 USD nach unten. Für die Auslieferung von Juli bis August liegen die Kurse dann nur noch bei 192 USD je Tonne. Und auch für den Rest des Jahres bewegen sich die Kontraktpreise für Harnstoff auf ähnlich niedrigem Niveau.

Analysten berichten allerdings auch, dass nicht nur der Absturz der Energiepreise für den Preisverfall verantwortlich ist, sondern auch die große Verunsicherung der Käufer und Händler über die weitere globale Wirtschaftsentwicklung. Die Folge ist: Alle Termineinkäufe von Dünger und von anderen wichtigen Rohstoffen werden von den Einkäufern erst einmal zurückgestellt, um abzuwarten, wie sich Märkte und die Preise weiterentwickeln.

Ein großer Düngerhändler beschreibt die Lage folgendermaßen: "Die Hauptfrage ist, wenn die Preise noch weiter fallen, dann werden die Leute irgendwann denken, dass es jetzt billig genug ist und sie werden auf den Markt zurückkommen, um Dünger zu kaufen.“ Doch wann es soweit ist, weiß derzeit niemand.Deshalb wird weiter abgewartet.

Und wichtig auch ist auch: Den Anfang muss ein großer Akteur machen, um die anderen mitzuziehen. Kleinere Händler können das finanzielle Risiko hoher Verluste beim Einkauf und bei der Lagerung einfach nicht tragen". Viele Düngerhändler in den USA und auch in Europa haben außerdem noch deutlich teurer einkaufte Ware im Lager liegen und machen bereits damit riesige Buchverluste. 

Händler haben natürlich auch Probleme mit den unterbrochenen Lieferketten, die während der globalen Pandemie auf dem Düngemittelmarkt eben so wirken, wie bei anderen Produkten.

Preise fallen in allen Regionen, China exportiert wieder

Dünger

Zuletzt sind die die Harnstoff- und Stickstoffpreise an allen wichtigen Exportregionen gesunken. An den baltischen Ostseehäfen und am Schwarzen Meer wurden zuletzt nur noch 200 USD je Tonne (FOB) verlangt - das ist der niedrigste Stand seit langem. Die Preise am Arabischen Golf stehen ebenfalls stark unter Druck, da sich zuletzt die Abnahme größere Lieferungen verzögert hat. Die Fob-Preise lagen dort bei 220 USD je Tonne - dem niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

Die Ankündigung einer bereits seit langem erwarteten indischen Ausschreibung konnte die Stimmung nicht wirklich verbessern, nachdem die indische staatliche Einkaufsgesellschaft (MMTC) strengere Auflagen angekündigt hatte, die die Zahlungen an Verkäufer erheblich verzögern könnten. MMTC will am 7. Mai eine Einfuhrausschreibung für eine nicht spezifizierte Menge Harnstoff abschließen, die bis zum 15. Juni verschifft werden soll.

Eine höhere Verfügbarkeit aus China hat die Harnstoffpreise im ersten Quartal zusätzlich unter Druck gesetzt. China exportierte von Januar bis Februar mehr als 500.000 Tonnen, obwohl es vom Coronavirus betroffen war. Die meisten Harnstoffhersteller in China befinden sich allerdings außerhalb von Wuhan, dem Epizentrum des Virus. Indien hat die chinesischen Harnstoffexporte zuletzt dominiert. Allerdings haben die umfassenden indischen Quarantäne-Maßnahmen den indischen Markt zuletzt immer unberechenbarer gemacht.

China exportierte im vorigen Jahr (2019) fast 5 Mio. t Harnstoff, von denen immerhin 2,4 Mio. t oder 48 Prozent nach Indien gingen.

Preise in Europa werden noch nachgeben

Mineraldünger

Die Preise in Europa geraten ebenfalls unter Druck, berichten Händler, nicht nur weil das verfügbare Angebot reichlich ist, sondern auch weil die Nachfrage eingebrochen ist. Das hat offenbar sowohl mit Corona als auch mit dem Wetter zu tun. Sehr trockenes Wetter in weiten Teilen Nordwesteuropas hatte die Nachfrage aus der Landwirtschaft spürbar gedämpft, obwohl jetzt Regen die Situation wieder etwas verbessert hat.

Während des ersten Quartals gab es in Europa indessen auch coronabedingt keinen Mangel an Harnstoff. Da Düngemittel für die Landwirtschaft als unverzichtbar angesehen werden, konnte die Produkte offenbar relativ problemlos in ganz Europa transportiert werden. Mittlerweile haben Sperrungen und Störungen der Lieferketten aber doch zu regionalen Problemen geführt, berichten einige Händler. Ende des Quartals gab es dann sogar einige Panikkäufe.

Im ersten Quartal konnten sich die Preise für Harnstoff, KAS und andere Stickstoffdünger am europäischen Binnenmarkt meist behaupten oder sie legten - wegen der anziehenden Nachfrage zur Frühjahrsbestellung – zeitweise sogar etwas zu. Doch im Mai sieht die Sache schon anders aus. Alle globalen Indikatoren zeigen nun steil nach unten. Doch es gibt ein Problem: Hersteller und Händler versuchen dem massiven Druck vom Weltmarkt offenbar nicht so schnell nachzugegeben. Der Grund dürfte sein: Die Ware in ihren Lägern wurde zu deutlich höheren Preisen hergestellt oder eingekauft als am Weltmarkt derzeit angezeigt wird. Und außerdem weiss niemand so recht, wo der Absturz der Weltmarktpreise endet – auch deshalb ist man derzeit vorsichtig.

An den deutschen Ostseehäfen wurde Harnstoff Ende April für 286 Euro je Tonne angeboten. Kalkammonsalpeter (KAS) kostete 194 Euro je Tonne und damit etwa 5 Euro weniger als zum Monatsbeginn. Insbesondere bei Harnstoff dürfte also noch viel Luft nach unten sein.

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