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Düngermarkt und Energiekrise

In Deutschland wird der Dünger knapp – Und wer hilft den Bauern?

Dünger.
am Mittwoch, 28.09.2022 - 11:49 (11 Kommentare)

In Deutschland wird der Dünger knapp. Das hat massive Folgen für die Agrarproduktion und für die Versorgung der Bevölkerung.

Die deutschen Bauern haben 2022 deutlich weniger Dünger eingesetzt. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen ist Mineraldünger wegen der hohen Herstellungskosten (Gaspreise) extrem teuer. Viele Werke drosseln die Produktion oder schließen ihre Fabriken in Europa. Auf diese Weise werden die Produktion und das Angebot massiv gedrosselt.

Hinzu kommen zusätzliche Auflagen beim Einsatz von Mineraldünger und Pflanzenschutz im Rahmen des europäischen Green Deal. Die Folgen könnten nicht nur eine Mangelversorgung mit Dünger sein – sondern schlimmer: Der fehlende Dünger führt zu geringeren Erträgen und einem Rückgang der Produktion.

Damit wird nicht nur die Versorgung in Deutschland und Europa gefährdet, sondern auch die globale Nahrungsmittelkrise weiter angeheizt. Das gleiche gilt im Übrigen auch für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die ebenfalls zur Ertragssicherung enorm wichtig sind.

Aber die Politik setzt derzeit andere Prioritäten. Wahrscheinlich wacht man erst auf, wenn die Folgen bei der Versorgung der Bevölkerung spürbar sind. Die von den großen Düngerherstellern angekündigten Ammoniakimporte, kommen wahrscheinlich aus Ländern, wo die Produktion unter weniger strengen Umweltauflagen und vor allem erheblich günstiger erfolgt.

Das könnte im Übrigen auch ein Szenario für andere Industrien sein. Oder sie produzieren gleich anderswo. Nur die Landwirte können nicht weg. Sie müssen weiter in Deutschland auf ihren Betrieben produzieren.

Dünger-Industrie schlägt Alarm – weitere Werksschließungen

Der Industrieverband Agar hat ebenfalls nachdrücklich auf die Folgen der aktuellen Energiekrise aufmerksam gemacht. Der Leiter Pflanzenernährung und Biostimulanzien im Industrieverband Agrar e. V. (IVA), Sven Hartmann sagte: „Die deutsche und europäische Düngemittel-Industrie steht angesichts der rekordhohen Energie- und insbesondere Gaspreise vor einer existenzbedrohenden Herausforderung – mit absehbaren negativen Folgen für die gesamte Gesellschaft.

Als besonders energieintensive Branche, die Erdgas nicht nur als Energieträger, sondern auch als wichtigen Rohstoff einsetzt, ist sie den Kostensteigerungen und dem Wettbewerbsdruck durch Importe aus energiebegünstigten Regionen besonders stark ausgesetzt. Die jüngsten Zahlen belegen, dass die Nachfrage über alle Nährstoffe hinweg vor allem aufgrund der hohen Preise massiv eingebrochen ist", sagt Hartmann.

In der vorigen Woche hatte der größte europäische Stickstoffdünger-Hersteller Yara angekündigt, sein Werk in Belgien, nahe der französischen Grenze, zu schließen. Das würde die Versorgung am europäischen Markt – vor allen in Frankreich - um mehrere 100.000 Tonnen Dünger und Ammoniak reduzieren.

Zuvor hatten bereits andere große Hersteller wie Piesteritz und BASF ihre Produktion drastisch reduziert.

Bauern kaufen viel weniger Dünger - teuer und knapp

Nach den Daten des Statistischen Bundesamt (Destatis) ging der Absatz von Düngemitteln in Deutschland im 2. Quartal 2022 stark zurück. In den Absatzzahlen sind sowohl in Deutschland produzierte als auch importierte Düngemittel enthalten. Bei Stickstoff-Dünger wurden insgesamt 238.000 Tonnen Stickstoff abgesetzt – 18,5 % weniger als im Vorjahresquartal.

Gleichzeitig halbierte sich der Inlandsabsatz von Phosphat-Dünger. Der Absatz von Kali-Dünger nahm ebenfalls um etwa die Hälfte ab. Ursache des Absatzrückgangs ist auch nach Einschätzung der Statistiker, dass die Herstellung der meisten Düngemittel sehr energieintensiv ist. Erdgas wird bei der Herstellung von Dünger sowohl als Rohstoff wie auch als Energiequelle eingesetzt. Deshalb haben die hohen Gaspreise sich verstärkt in den Preisen für Düngemittel niedergeschlagen.

Auch der Außenhandel mit Düngemitteln ging zuletzt zurück, sagen die Statistiker: Von Januar bis Juli 2022 wurden 2,1 Millionen Tonnen Düngemittel nach Deutschland importiert. Das waren 11,0 % weniger als im Vorjahreszeitraum (2,4 Millionen Tonnen). Der Export von nahm im selben Zeitraum um 3,9 % ab auf 4,6 Millionen Tonnen ab.

Doch das ist alles nur eine Momentaufnahme. Wie die Werkschließungen und Produktionsdrosselungen zeigen, verschärft sich die Angebotsverknappung weiter. Und das hat enorme Auswirkungen auf die Preise von Dünger und von Nahrungsmitteln – und auch auf die Produktion von Getreide und anderen Agrarprodukten.

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