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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Düngerkrise und Düngerpreise 2021/22

Dünger kaufen für 2022: Was können Landwirte machen?

Stickstoffdünger.
am Mittwoch, 10.11.2021 - 12:23 (2 Kommentare)

Die Düngerpreise sind auf Rekordstand. Trotzdem gibt es nichts zu kaufen. Was können Landwirte tun? Strategien und ihre Folge

Harnstoffpreise.

Landwirte müssen derzeit schwierige betriebswirtschaftliche Entscheidungen treffen. Die Einkaufspreise für Dünger und andere Betriebsmitte explodieren. Trotzdem gibt es nichts zu kaufen. Gleichzeitig steigen die Kosten für die landwirtschaftliche Produktion in schwindelerregende Höhen. Denn nicht nur für Dünger müssen Bauern weltweit Rekordpreise zahlen, sondern auch für Pflanzenschutzmittel, Diesel, Strom sowie für Maschinen und Ausrüstungen. Deshalb ist guter Rat teuer oder anders gesagt: Wie kann man auf diese schwere Krise reagieren?  

Viele Landwirte sehen die Entwicklung am Düngermarkt jedenfalls mit großen Sorgen. Wie sollen sie ausreichend Dünger für die Ernte 2022 einkaufen  – und das zu akzeptablen Preisen. Beides scheint derzeit unmöglich. Aktuell sind die Preise für Stickstoffdünger im Vergleich zum Vorjahr dreimal so hoch oder noch höher. Und die Terminmärkte für die wichtigsten Düngerarten in den USA und im Nahen Osten zeigen für das Frühjahr 2022 mindestens ähnlich hohe Preise an. Also keinerlei Aussicht auf eine Entspannung.

Derzeit kostet Harnstoff an den wichtigsten Import/Export-Häfen am US-Golf für den November 780 USD je Tonne. Für den Monat Dezember werden bereits 820 USD je Tonne verlangt und für Januar bis März 2020 steigt der Harnstoffpreis dann noch weiter: auf 840 USD je Tonne!

Noch höhere Preise muss man an anderen wichtigen Exporthäfen wie in Ägypten zahlen. Dort werden für den November 910 USD je Tonne gefordert und für das Frühjahr sind es dann knapp 900 USD.

Diese Zahlen zeigen für Landwirte auf jeden Fall eins: Derzeit ist am Düngermarkt keine Entspannung der Lage zu erkennen – zumindest nicht bis zum Frühjahr 2022.

Wer soll die knappen Dünger bekommen?

KAS-Preise.

Manch Landwirt wird sich freuen, der seinen Bedarf in Anbetracht der steigenden Preise schon früh im Jahr gekauft und eingelagert hat (das gleiche gilt übrigens für Pflanzenschutz). Die anderen müssen versuchen ihren Bedarf wenigsten teilweise zu decken.

Fakt ist die Düngerkrise wird erheblichen Einfluss auf die Anbauplanung im Frühjahr aber vor allem die Erträge bei Wintergetreide und allen anderen Kulturen haben. Und eine gute Einkaufsstrategie zu entwickeln ist angesichts des fortgesetzten Mangels wichtig. Nur abwarten hilft nicht!

Der Chef des großen US-Herstellers CF Industries Tony Will sagte Analysten in einer Telefonkonferenz. „Wer soll die knappen Tonnen bekommen, die es da draußen gibt? Es wird eine Menge ungedeckter Nachfrage geben, die aufgestaut werden wird. Wir glauben daher, dass die Erträge im nächsten Jahr auf globaler Basis sinken werden. Nicht wegen eine schwachen Nachfrage, sondern nur, weil nicht genügend Dünger verfügbar ist."

Ursache hierfür ist aber nicht nur die geringere Produktzion der großen Hersteller sondern auch mit der großen Unsicherheit, mit der auch die Lieferanten und Händler in Bezug auf die weitere Preisentwicklung und vor allem hinsichtlich der Verfügbarkeit von Dünger und Pflanzenschutz konfrontiert sind.

China und Russland verhängen Exportstopps

Phosphordünger.

Und die Versorgungslage spitzt sich immer weiter zu: So hat China bis auf weiteres Düngemittelexporte verboten oder kontrolliert sie extrem streng – doch die Chinesen sind ein enorm wichtiger Exporteur von Harnstoff und Phosphor in die ganze Welt. Hinzu kommt: Russland, ein anderer großer Exporteur, will den Export von Stickstoffdüngemitteln mindestens für die nächsten sechs Monate reduzieren, um einen weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise am russischen Binnenmarkt zu bremsen, sagte der russische Premierminister vorige Woche.

Gleichzeitig bleibt der Preis für Erdgas – das zur Herstellung von Stickstoffdünger erforderlich ist – weiterhin extrem hoch. Und der Winter steht erst noch bevor. Viele große europäische und deutsche Dünger-Hersteller wie etwa Yara, die SFK Piesteritz oder BASF haben ihre Produktion deshalb drastisch gekürzt.

Erdgas macht etwa 80 % der Kosten für die Produktion von Stickstoffdünger aus und die Preise sind laut der Industriegruppe Fertilizers Europe vier- bis fünfmal höher als normal. Aus ihrer Sicht „lohnt die Produktion bzw. der Verkauf nicht“, denn trotz der rekordhohen Düngerpreise werden die Produktionskosten nicht gedeckt. Auch die massiven Logistik- und Lieferkettenprobleme haben dazu beigetragen, die Düngemittelpreise in die Höhe zu treiben.

Weniger düngen und andere Anbaupläne?

Mittlerweile sind die Preise für Stickstoffdünger, einem der wichtigsten Düngemittel zur Steigerung der Erträge bei Weizen, Mais, Reis, Raps und anderen Pflanzen, auf Rekordständen. Natürlich ist eine Erhöhung der Düngemittelpreise auf das dreifache des Vorjahrespreises eine frustrierende Sache – und belastet die Budgets der Landwirte gewaltig.

„Bauern werden die höheren Kosten für Düngemittel in Form einer geringeren Pflanzenproduktion und der daraus resultierenden höheren Lebensmittelpreise an die Verbraucher weitergeben“, glaubt Alexis Maxwell, Analyst bei Green Markets, einem Unternehmen von Bloomberg.

In den USA könnten hohe Düngemittelpreise beispielsweise eine kleinere Maisernte bedeuten. Das gelbe Getreide braucht nämlich mehr Stickstoffdünger als andere Getreidearten, sodass Landwirte versuchen könnten, durch die Umstellung auf Sojabohnen oder Sommerweizen, die Kosten zu senken, sagte Maxwell.

Berater und Analysten empfehlen deshalb die Anbaupläne (wo das möglich ist)  zu überprüfen und neu zu entscheiden wo Stickstoff (N), Phosphor (P) oder Kalium (K) eingesetzt werden. Mais braucht beispielsweise unbedingt N, um richtig zu wachsen, aber es besteht die Möglichkeit, P&K etwas zu reduzieren.

„Das billigere Zeug ist schon lange weg“

Kalipreise.

Betriebsleiter sollten Bodenproben nehmen, und sich noch einmal mit ihren Düngeplänen beschäftigen, um zu sehen, was für das kommende Erntejahr wichtig ist. Die andere Option sind mögliche Veränderungen beim Anbau. Wobei das Wintergetreide und der Raps für die nächste Saison schon im Boden sind. Hier sind die Würfel also schon gefallen.  

In den USA sieht die Sache jedoch anders aus. Die große Frage ist dort: Werden Sojabohnen, Sommerweizen und andere Kulturen aufgrund der Düngemittelpreise mehr Fläche auf Kosten von Mais gewinnen? Dan Cekander, ein Soja- und Maisbauer der vierten Generation aus Zentral-Illinois, berichtete gegenüber Bloomberg, er habe noch nie so hohe Düngemittelpreise gesehen.

Mitte Oktober hatte er überlegt Stickstoffdünger für 880 US-Dollar pro Tonne  zu kaufen - das war 75 % über den 504 US-Dollar pro Tonne, die er letztes Jahr bezahlt hatte. Er düngt aber meist erst im Frühjahr, also beschloss er, sich mit dem Kauf zurückzuhalten. Nur zwei Wochen später schoss der Preis auf 1.320 Dollar nach oben, sagte er. „Das billigere Zeug ist jetzt weg", erzählt Cekander frustriert, der deshalb nun seine üblichen Pflanzpläne ändert.

Auch in Europa dürfte der Maisanbau leiden – jedoch auch die Erträge bei Wintergetreide. Betriebsleiter müssen sich jetzt die Zeit nehmen, ihre Kosten für 2022 zu analysieren und bei der Fruchtfolge zu berücksichtigen. Jetzt ist jedenfalls der Zeitpunkt, um die Strategien für 2022 zu entwickeln und verschiedene Szenarien zu durchdenken, und die finanziellen Auswirkungen der Düngerkrise zu überschlagen.

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