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Düngerpreise

Dünger: Kein Absatz, aber hohe Preise?

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am Freitag, 07.12.2018 - 13:45

Der Absatz von Stickstoffdüngern befindet sich freien Fall.

Bereits in der vorigen Saison haben die Landwirte so wenig stickstoffhaltige Dünger gekauft wie nie zuvor. Im neuen Wirtschaftsjahr brechen die verkauften Mengen weiter ein. Handel und Industrie dürften also auf ziemlich großen Beständen sitzen. Auch die Landwirte haben wegen des geringen Verbrauchs oft noch gut gefüllte Läger, glauben Händler.

Dennoch sind die Preise seit dem Frühjahr kräftig gestiegen. Kalkammonsalpter kostete im November so viel wie zuletzt vor drei Jahren. Die Harnstoffpreise befanden sich auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren und der Flüssigdünger Ammoniumnitrat-Harnstofflösung (AHL) notiert auf einem Dreijahreshoch.

Wie passen jedoch eine schrumpfende Nachfrage und steigende Preise zusammen? Und wie geht es mit den Preisen weiter?

Düngeverordnung und Dürresommer

Stickstoff Absatz

Die Ursachen für die stark rückläufigen Absatzmengen sind ebenso vielschichtig wie für die gestiegenen Preise. An erster Stelle drücken natürlich die Auflagen und Restriktionen der Düngeverordnung auf die Nachfrage der Landwirte. Sie schränken die Einsatzmöglichkeiten und Ausbringungsmengen erheblich ein. Bereits in der vorigen Saison haben die Landwirte deshalb 10 Prozent weniger Stickstoff gekauft.

Aber nicht nur die strengen und komplexen Düngevorschriften lassen die gehandelten Mengen auf einen neuen Tiefpunkt sinken Auch die extreme Dürre und die Folgen für die Ausbringung und Wirkmöglichkeiten von Stickstoff drosselten Verbrauch und Nachfrage. Das unterstreicht ganz besonders der Absatzeinbruch im dritten Quartal 2018. Eigentlich hätten die Landwirte nach der Ernte ihren Bedarf für das nächste Frühjahr decken müssen.

Die verkauften Stickstoffmengen waren zum Beginn der neuen Saison jedenfalls noch einmal ein Viertel kleiner als im Jahr zuvor. Neben den dürrebedingt kleineren Einkaufsmengen, fehlten vielen Landwirten nach der Missernte 2018 auch die finanziellen Mittel um Dünger zu kaufen. Die Dürrehilfen sind bis Anfang Dezember noch nicht ausbezahlt und das überhaupt vorhandene Geld wird eher für andere Dinge und Aufgaben benötigt.

Teures Erdgas treibt die Preise

KAS preise

Aber nicht nur die Nachfrage ist eingebrochen. Zusätzlich erschweren die sehr niedrigen Pegelstände auf den großen Flüssen den Transport von Mineraldünger von den Häfen und Fabriken zu den Händlern und Landwirten. Wenn überhaupt können wegen des Niedrigwassers nur sehr kleine Mengen transportiert werden. Das sorgt für sehr hohe Frachtkosten und verteuert die transportierten Düngemittel.

Dabei müsste auf allen Handelsstufen eigentlich genügend Ware vorhanden sein, denn die gehandelten Mengen sind schon seit Monaten sehr klein. Der stockende Absatz am Binnenmarkt sorgt jedoch auch dafür, dass weniger Ware vom Weltmarkt nach Deutschland fließt. Dort sind die Preise für Harnstoff und Ammonium seit Mai um etwa 40 Prozent auf den höchsten Stand seit knapp 4 Jahren gestiegen.

Auslöser für die Preisrallye bei Stickstoffdüngern waren die in Europa und weltweit sehr kräftig gestiegenen Preise für Erdgas. Dieses ist der wichtigste Kostenfaktor bei der Herstellung von Harnstoff und KAS in modernen Düngerfabriken. Europäisches Erdgas hatte sich von April bis September um 65 Prozent verteuert und die Düngerpreise damit kräftig nach oben getrieben. Ähnliche Entwicklungen gab es auch in den USA und im arabischen Raum.

Seit Oktober fallen die Gaspreise jedoch in Europa und international wieder kräftig. Dies dürfte sich in den nächsten Monaten auch in den Düngerpreisen niederschlagen. An den Spotmärkten sind die Düngerpreise zuletzt jedenfalls nicht weiter gestiegen. Bei Harnstoff ging es sogar leicht nach unten. Am Weltmarkt bewegen sich die Preisforderungen derzeit eher zu Seite und auch für die nächsten Monate ist keine größere Bewegung zu erkennen.

China und Iran fehlen als Exporteure

Harnstoffpreise Weltmarkt

Ein weiterer Grund für die gestiegen Weltmarktpreise ist der fast komplette Rückzug des bisherigen TOP-Exporteurs China von den Exportmärkten. Im Reich der Mitte sorgen schärfere Umweltauflagen für die Schließung alter auf Kohlebasis arbeitender Fabriken. Die noch produzierte Ware wird fast ausschließlich am chinesischen Binnenmarkt verbraucht und fehlt am Weltmarkt, berichtete der europäische Düngerhersteller Yara in seinem Quartalsbericht.

Für eine zusätzliche Verknappung des globalen Angebots sorgten die US-Sanktionen gegen den Iran und gegen die mit dem Land handelnden Staaten. Damit fiel jedoch einer der zuletzt günstigsten und größten Anbieter von Harnstoff am Weltmarkt  als Lieferant aus. Anderseits dürften die hohen Preise der letzten Wochen die Produktion im Mittleren Osten, am Schwarzen Meer und in USA kräftig angekurbelt haben.

Außerdem sorgen die wieder fallenden Erdgaspreise für eine spürbare Kostenentlastung. Damit dürfte die Preisspitze im November wohl erreicht worden sein. Für die nächsten Monate sieht deshalb zumindest nach gleichbleibenden, eher sogar nach etwa schwächeren Weltmarkpreisen aus. Das gleiche dürfte auch für den europäischen Markt gelten.

Weitere Informationen zur Entwicklung am Düngermarkt finden Sie in der kommenden Ausgabe von agrarheute.

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