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Energiepreise und Düngerkosten

Düngerindustrie schließt Fabriken: Dünger wird Mangelware

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am Dienstag, 21.09.2021 - 08:00 (1 Kommentar)

Der Düngerhersteller Yara legt 40 Prozent seiner Produktion still. Der Grund: Die extrem hohen Gaspreise. Andere große Hersteller gehen ähnlich vor. Das hat Auswirkungen auf die Versorgung mit Mineraldünger. Ein weiteres Problem: Wegen Gasmangels drohen im Winter europaweit Stromausfälle und Blackouts.

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Der norwegische Düngerhersteller Yara drosselt seine europäische Ammoniakproduktion aufgrund des explosionsartigen Anstiegs der Erdgaspreise, teilte das Unternehmen am vorigen Freitag mit.

Zwei Tage zuvor hatte bereits der US-Düngerhersteller CF Industries Holdings mitgeteilt, den Betrieb von zwei britischen Werken einzustellen. Begründent wurde das ebenfalls mit den explodierenden Kosten.

„Einschließlich laufender Wartung von Fabriken wird Yara zunächst rund 40 % (!!) seiner europäischen Ammoniakproduktionskapazität drosseln“, sagte das in Oslo ansässige Unternehmen.

Der zweitgrößte Ammoniakproduzent der Welt Yara hat eine europäische Produktionskapazität von 4,9 Millionen Tonnen pro Jahr. Davon sollen rund 2 Millionen Tonnen stillgelegt werden, sagte ein Unternehmenssprecher.

Europäische Hersteller müssen Ammoniak für die Nitratdüngemittelanlagen nun möglicherweise aus anderen Regionen der Welt importieren, in denen die Gaspreise noch niedriger sind, aber die drastischen Produktionskürzungen werden trotzdem große Auswirkungen auf Angebot und Preise haben.

An den deutschen Importhäfen kostet der wichtigste deutsche Stickstoffdünger KAS mittlerweile etwa 300 Euro je Tonnen – da sind 120 Euro mehr als vor einem Jahr. Der Flüssigdünger AHL wird sogar für mehr als 300 Euro je Tonne angeboten – ein Aufschlag von 130 Euro zum vorigen Jahr.

Ergaspreise verdreifacht – Knappheit verursacht viele Probleme

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Die Spotmarktpreise für Erdgas am wichtigsten europäischen Handelsplatz für diesen Energieträger, in Amsterdam, haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Das treibt auch die übrigen Energie- und die Strompreise mit in die Höhe. Der Grund: Die Winterheizsaison rückt immer näher und die Gasspeicher sind europaweit unterdurchschnittlich gefüllt. Yara werde die Situation weiterhin beobachten und ist bestrebt, seine Kunden zu beliefern, aber die Produktion bei Bedarf (weiter) einzuschränken, hieß es in der Mitteilung.

Der norwegische Öl- und Gaskonzern Equinor teilte vorigen Mittwoch mit, er erwarte, dass die Fundamentaldaten, die die hohen Gaspreise in Europa antreiben, während der Herbst- und Wintersaison bestehen bleiben. "Die hohen Gaspreise werden durch die Inflation der Rohstoffpreise und die Engpässe in der Lieferkette verursacht, aber hauptsächlich werden die Preise von den grundlegenden Fundamentaldaten eines knappen Angebots und einer hohen Nachfrage getrieben", sagte Ulrica Fearn, CFO von Equinor.

Normalerweise würden die Gasspeicher in Deutschland und anderen europäischen Ländern nach dem ungewöhnlich langen und kalten Winter längst wieder aufgefüllt sein. Dies ist jedoch nicht geschehen. Europas wichtigster Gaslieferant Russland lieferte weniger als in den Vorjahren. Auch das Fördervolumen der überwiegend in der Nordsee gelegenen Gasfelder Europas ist durch Corona-bedingte Ausfälle eingeschränkt.

Gleichzeitig sorgt die anziehende Weltwirtschaft, insbesondere in Asien, dafür, dass die Nachfrage nach per Schiff geliefertem Erdgas massiv gestiegen ist und nur vergleichsweise wenige Tanker ihren Weg nach Europa fanden.

Yara: 40 % der Kapazitäten werden stillgelegt

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Ammoniak wird zur Herstellung von Ammoniumnitrat verwendet, einem der am häufigsten verwendeten Düngemittel auf der Grundlage von Erdgas und Stickstoff. Angesichts der extrem gestiegenen Gaspreisen versuchen die Produzenten, die Kosten möglichst schnell genug an ihre Kunden weiterzugeben. Yaras Produktion von 4,9 Millionen Tonnen Ammoniak in Europa soll vor allem in den Niederlanden, Italien, Großbritannien und Frankreich um etwa 2 Millionen Tonnen zu reduziert werden.

Außerdem wird die Produktionskapazität wurde durch geplante Instandhaltungsarbeiten an den Werken in Brunsbüttel, Deutschland und Porsgrun, Norwegen, weiter reduziert. Das Unternehmen sagte, es werde einen Teil des benötigten Ammoniaks jetzt auch von außerhalb Europas beziehen. Die Dauer der Kürzung hängt von der weiteren Preisentwicklung der beiden Hauptkomponenten von Ammoniak: nämlich Erdgas und Stickstoff ab, sagte ein Sprecher.

Steigende Gaspreise haben zu einer Reihe von Belastungen in anderen Märkten und Industrien geführt, darunter eine Verknappung von Kohlendioxid, nachdem etliche Düngemittelfabriken geschlossen werden mussten. Kohlendioxid wird verwendet, um Tiere vor der Schlachtung zu betäuben und die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verlängern. Der Düngerhersteller CF Industries ist beispielsweise einer der größten CO2-Lieferanten im Vereinigten Königreich. Die BBC berichtete, dass die Regierung staatlich unterstützte Kredite in Betracht zieht, um Unternehmen über Wasser zu halten.

Stromausfälle und Blackout drohen

Explodierende Energiepreise zwingen die ersten Unternehmen in Europa, energieintensive Fabriken zu schließen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnt in einem aktuellen Bericht vor möglichen großflächigen Stromausfällen in Europa im kommenden Winter. Sorgen machen den Energieexperten der Bank vor allem die fast leeren Gasspeicher, bei denen gleichzeitig nur spärliche Vorräte eintreffen.

Sollte der kommende Winter so kalt werden wie der vorherige, droht Europa eine akute Energiekrise, heißt es. Regierungen könnten gezwungen werden, die Schließung bestimmter Industrien anzuordnen. „Es könnte sehr hässlich werden, wenn wir nicht schnell handeln, um jeden Zentimeter der Speicher zu füllen“, zitiert „Bloomberg“ den Chef des italienischen Versorgers Snam. Italien hat die staatlich regulierten Gaspreise bereits massiv erhöht und vor dem Winter weitere Preiserhöhungen angekündigt.

Auch wenn große Stromausfälle vermieden werden, droht Europas Wirtschaft eine Kostensteigerungsspirale, die die Erholung nach der Corona-Krise bremsen und die Verbraucherpreise weiter anheizen wird. Neben Gas und anderen Energieträgern fehlen den Unternehmen auch andere Rohstoffe und Zwischenprodukte wie Mikrochips. Die Inflation in Deutschland ist bereits auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren geklettert.

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