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Gaspreise und Düngermarkt

Düngerindustrie will Staatshilfe – Düngermarkt kollabiert

duengerfabrik.
am Montag, 29.08.2022 - 19:03 (10 Kommentare)

Der Verband der europäischen Düngerhersteller fordert Hilfe von der Europäischen Kommission. Danach sind bereits 70 Prozent der Produktion zurückgefahren worden. Ursache ist der dramatische Anstieg der Gaspreise in Europa. Der Dünger-Markt kollabiert.

„Eine schnelle Reaktion der politischen Entscheidungsträger auf EU- und nationaler Ebene ist erforderlich, um Energie- und Düngemittelkrisen abzuwenden und die langfristige Ernährungssicherheit Europas zu gewährleisten,“ heißt es in einer aktuellen Mitteilung auf Twitter. Die explodierenden Gaspreise haben zu einer Kürzung oder Schließung der meisten europäischen Düngemittel-Fabriken geführt.

Mit den Kosten für Erdgas, die in Europa 8 bis 10mal höher sind als in den USA und noch höher im Vergleich zu anderen Zentren der Düngemittelindustrie, können die europäischen Produzenten nicht auf dem nationalen und globalen Markt zu konkurrieren.

Eine dringende und schnelle Lösung der Krise durch die EU ist erforderlich, um die Düngemittelproduktion aufrecht zu erhalten, heißt es in einem Schreiben der europäischen Düngerindustrie (Fertilizers Europe).

Dies wäre der Schlüssel zur Sicherung einer strategischen Autonomie der Düngemittelproduktion in  Europa und zur Gewährleistung der langfristigen Ernährungssicherheit in der EU, betont der Verband.

Rund 90 % der Kosten macht der Gaspreis aus

Die europäische Düngemittelindustrie steht vor einer beispiellosen Krise mit einem Anstieg der Gaspreise um über 1000 % gegenüber den Niveaus von vor einem Jahr. "Die europäische Düngemittelindustrie befindet sich in einer beispiellosen Krise, weil der europäische Gasmarkt kaputt ist," sagte Jacob Hansen, Generaldirektor bei Fertilizers Europe.

Die rekordhohe Erdgaspreise, die 90 % der variablen Produktionskosten der Düngerindustrie ausmachen, mache es für europäische Hersteller im Prinzip unmöglich, zu konkurrieren.

"Als Ergebnis sind bereits über 70 % der europäischen Produktion runtergefahren oder stillgelegt. Wenn sich die Situation fortsetzt, befürchten wir, dass es auch noch die verbleibenden Produzenten treffen wird“, sagte Hansen weiter.

Ernährungssicherheit akut gefährdet – kein Dünger mehr

Fertilizers Europe fordert deshalb die europäischen Institutionen und die EU-Mitgliedstaaten nachdrücklich dazu auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, die Energie- und Düngemittelkrise abzumildern. Jacob Hansen sagt dazu: „Die aktuelle Krise verlangt nach einem schnellen und entschlossenen Handeln."

Gemeint sind Maßnahmen der EU und auch von nationalen politischen Entscheidungsträgern sowohl für den Energie- als auch für den Düngemittelmarkt. Die Entwicklung am Gasmarkt muss berücksichtigt werden, um die Herausforderungen anzugehen und die heimische Industrie zu unterstützen und das Vertrauen und die Funktionsfähigkeit des Marktes wiederherzustellen, heißt es weiter.

Die politischen Entscheidungsträger müssen deshalb ernsthaft über Krisenmanagement-Maßnahmen bei Düngemittel nachdenken, um langfristige Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit der EU zu minimieren“, sagt Hansen.

Verlagerung ins Ausland droht

Hansen fügte hinzu: „Die Abkehr von der Abhängigkeit von russischem Energie- und Rohstofflieferungen kann nicht durch die Schließung von Werken und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins außereuropäische Ausland erreicht werden.

Eine dringende Korrektur der aktuellen Gaspolitik ist nach Hansens Einschätzung erforderlich, um diese sehr ernste Krise zu bewältigen.

Europa braucht eine starke heimische Düngemittelindustrie, um weiterhin Lebensmittel zu produzieren und langfristig eine Wasserstoffwirtschaft unter Verwendung von grünem Ammoniak zu entwickeln, der von der Dünger-Industrie geliefert wird

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