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Düngermarkt und Düngerpreise

Düngermarkt: Zwischen allen Stühlen

Dünger ausbringen
am Freitag, 20.09.2019 - 05:05 (Jetzt kommentieren)

Dünger kaufen ist ein Problem. Es entscheidet nicht der Bedarf der Pflanze oder der Preis, sondern die Politik.

Ackerbauern stecken in einer Zwangslage. Beim Düngereinsatz müssen zwischen immer engeren politischen Vorgaben und ackerbaulichen Notwendigkeiten lavieren. Ökonomisch kommt dabei nicht unbedingt etwas Gutes heraus. Vor allem wenn die Vorgaben wie im Falle der nochmals veränderten Düngeverordnung übereilt und quasi „mit der Brechstange“ durchgesetzt werden.

Planungssicherheit und politische Verlässlichkeit sehen anders aus. „Die Verschärfung der bisherigen Vorgaben von 2017 ist fachlich mit nichts zu begründen, sie schadet der Pflanze und hilft dem Grundwasser nicht“, sagt dazu Volker Hahn, Landwirt und Vorsitzender des Landvolks Hannover. Mit Gewalt würde „ein Strukturbruch“ erzeugt. Der Spielraum, den der einzelne Landwirt hat, ist jedoch gering.

Die neuen Vorgaben beeinflussen sowohl die nachgefragte Menge als auch den Termin der Ausbringung und die Düngerart. Trotzdem hat die Düngeverordnung kurzfristig wenig Einfluss auf die Preise: Diese werden nicht in Deutschland sondern am Weltmarkt gemacht. Die Treiber sind beinahe ausschließlich globale Faktoren. Diese wirken jedoch auf den heimischen Markt zurück.

Umweltpolitik gewinnt an Einfluss

düngersteuer

Ende Juni hat sich die Internationale Vereinigung der Mineraldüngerindustrie (ifa) in Montreal, Kanada, getroffen. Dort hat der Chefanalyst Patrick Heffer einen Ausblick zum globalen Düngermarkt gegeben. Dabei hat der Analyst zuerst auf die wichtigsten globalen Einflussgrößen geschaut: Nämlich auf die schwache globale Konjunktur und die Folgen des Handelskrieges zwischen China und den USA.

Beide Aspekte drücken derzeit den Absatz von Agrarprodukten und die Preise. Hinzu kommt nach Heffers Meinung die hohe Verunsicherung an den globalen Finanz- und Kreditmärkten. Der Analyst nennt auch die globale Umweltpolitik als zunehmend wichtigeren Faktor für den Düngerhandel und die Preisbildung.

Im Juni hat die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) den ersten Verhaltenskodex für den nachhaltigen Einsatz und das Management von Düngemitteln verabschiedet. In diesem Zusammenhang verweist Heffer auch auf die Auswirkungen der neuen europäischen Düngeverordnung. 

Produktionskosten stark gefallen

dünger

Unmittelbar auf die Düngerpreise wirken zwei Faktoren: Das sind zum einen die Energiepreise als wichtigster Kostenfaktor. Und zum anderen die Getreidepreise als maßgeblich für die Nachfrage. Die Energiepreise stehen am Weltmarkt massiv unter Druck. Erdgas war nach den Daten der Weltbank im September ein Drittel billiger als vor einem Jahr - Rohöl kostet ein Viertel weniger.

Das heißt: Die Produktionskosten insbesondere für Stickstoffdünger sind kräftig gefallen. Auf der anderen Seite geht jedoch die Nachfrage aus der Landwirtschaft zurück. Die Weltbank meldet 5 bis 15 Prozent niedrigere Getreide- und Ölsaatenpreise als ein Jahr zuvor. Nicht zuletzt beeinflusst der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und die mögliche Halbierung des chinesischen Schweinebestandes den Welthandel und die Preise für Tierfutter.

In den USA und in Europa hat die extreme Witterung der jüngeren Vergangenheit den Bedarf und die Einsatzmöglichkeiten zusätzlich gedrosselt. Analyst Heffer hat für das Wirtschaftsjahr 2018/19 einen kräftigen Rückgang der globalen Düngernachfrage ermittelt. Das betrifft alle Düngerarten.

Für das neue Wirtschaftsjahr rechnet der Experte aber mit einer Erholung der Nachfrage. Die Impulse sollen ganz besonders aus den USA und auch aus Südost-Asien kommen. Das scheint angesichts der geschilderten Rahmenbedingungen aber alles anders als sicher. Für Europa erwartet Heffner einen Rückgang der Nachfrage bei Stickstoff und einen steigenden Bedarf bei Phosphor und Kali.

Stickstoffeinsatz bricht ein

In Deutschland waren die Folgen der veränderten Düngeverordnung schon im vorigen Jahr massiv zu spüren. Also vor der Verschärfung der Bestimmungen. Aber das hat bei der Festlegung der neuen Regeln keine Rolle gespielt. Wie Ulrich Foth vom Industrieverband Agrar (IVA) im Frühjahr mitteilte, haben Landwirte bereits im Wirtschaftsjahr 2017/18 etwa 10 Prozent weniger Stickstoff eingesetzt.

Aber das war erst der Anfang: In der zurückliegenden Saison haben deutsche Ackerbauern nochmals 20 Prozent weniger Stickstoff gekauft. Aber offenbar zu spät. Kritiker aus der Umweltbewegung monieren, dass ein Großteil der Reduzierung eine Folge der extremen Dürre war und keine bewusste Drosselung des Einsatzes. Dennoch dürfte dies ein historisches Tief beim Stickstoffeinsatz gewesen sein.

Die nachgebesserte Verordnung schreibt nun für die so genannten roten Gebiete ab 2020 eine Düngung von 20 Prozent unter Bedarf fest. Betroffen sein könnten bis zu 40 Prozent der Ackerfläche. Die Folge wäre: Erträge und Düngerbedarf werden kräftig sinken. Auch sonst sind die Handlungsoptionen für Ackerbauern erheblich eingeschränkt.

Keine großen Preis-Sprünge

stickstoff

Eines ist klar: Die vielen Einflüsse machen eine Preisprognose für das neue Wirtschaftsjahr schwierig. Die Kursentwicklung der letzten Monate bestätigt dies. So sind die Spotmarktpreise für Stickstoffdünger mit den Energiekosten bis Mai gefallen. Danach mussten Landwirte wieder mehr Geld ausgeben, obwohl sich an den Eckdaten kaum etwas verändert hat.

Ein Händler Süddeutschland sagt dazu: Die Industrie hat versucht die Preise in kleinen Schritten zu erhöhen. Doch der Preisanstieg blieb - außer bei Harnstoff - begrenzt. Ein Grund hierfür ist auch die anhaltend schwache Nachfrage aus der Landwirtschaft. Diese dürfte speziell bei Harnstoff noch weiter abnehmen – denn dieser Stickstoffdünger muss ab 1. Februar 2020 innerhalb von vier Stunden nach der Ausbringung im Boden eingearbeitet sein. Das limitiert natürlich den Einsatz.

An den globalen Düngerpreisen dürfte sich in den nächsten Monaten aber nicht viel ändern, sagt John Baffes, Marktanalyst bei der Weltbank. Er geht davon aus, dass sich die Preise für Stickstoff im Jahresverlauf seitwärts bewegen. Für Phosphordünger zeigt der Daumen sogar nach unten. Lediglich Kali könnte sich nach Ansicht von Baffes im laufenden Jahr weiter verteuern.

Veränderungen am Weltmarkt

Die Preissprünge bei Harnstoff erklärt der Weltbank-Analyst mit den sehr großen Einkaufs-Tendern Indiens. Diese fegen den Markt kurzfristig leer und treiben den Preis weltweit nach oben. Doch dieses Phänomen wird es wohl nicht mehr allzu lange geben: Patrick Heffner von der Ifa beobachtet nämlich ein gewaltigen Ausbau der indischen Kapazitäten.

Das Resultat wird sein, dass sich in spätestens in fünf Jahren einer der derzeit größten Importeure selbst versorgen kann. Nach Heffners Einschätzung würde damit sowohl der Rückgang der chinesischen Produktion als auch das Exportverbot des Iran neutralisiert.

Mittelfristig wird aber noch ein anderes Phänomen die Entwicklung der Düngerpreise beeinflussen: Wie in Deutschland und Europa werden auch weltweit Umweltauflagen und Preise für CO2-Emissionen zu einem Anstieg der Produktionskosten führen. Und das trotz fallender Gaspreise. Das Ergebnis wird wohl auch eine deutliche Veränderung der globalen Marktstrukturen sein.

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