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Düngermarkt und Düngerpreise

Düngerpreise abgestürzt – Absatz eingebrochen

dünger
am Montag, 06.01.2020 - 13:14 (Jetzt kommentieren)

In Deutschland ging es mit den N-Düngerpreisen im zweiten Halbjahr 2019 steil nach unten.

Harnstoff Weltmarkt

Dafür gab es zwei Ursachen: Zum einen den sehr kräftigen Preisrutsch am Weltmarkt ab Juli und zum anderen die weiter schrumpfende Nachfrage am deutschen Markt für Stickstoffdünger.

In den ersten Wochen des neuen Jahres sieht es nicht nach einer grundlegenden Veränderung der Marktverhältnisse aus – auch wenn Analysten für das Gesamtjahr 2020 bisher von etwas höheren Stickstoffpreisen ausgehen.

Begründet wird dies mit einem Anstieg der zuvor stark gefallenen Energiepreise (Kosten) und zum anderen mit einem etwas ausgeglichneren Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Weltmarkt.

Sicher ist dies aber keineswegs – wie eine Marktübersicht der Rabobank zeigt.

Landwirte kaufen noch weniger

Harnstoff Deutschland

Händler in Deutschland berichteten in den letzten Wochen des Jahres über eine anhaltend schwache Nachfrage aus der Landwirtschaft. Ganz besonders niedrig waren die Verkaufsmengen offenbar im Norden und Nordwesten. Ursache ist die große Verunsicherung bei Landwirten deren Flächen sich im Bereich der "roten Gebiete" befinden.

Aber auch in den übrigen Regionen drückt die neue Düngeverordung die Absatzmengen weiter kräftig nach unten. Die letzte offizielle Statistik bestätigt den rückläufigen Verkauf von Stickstoff-Dünger an die Landwirtschaft eindrucksvoll. So wurden im dritten Quartal des Jahres 2019 nochmals 7 Prozent weniger Stickstoffdünger an die Landwirte verkauft als im Jahr zuvor.

Im gesamten Wirtschaftsjahr 2018/19 betrug der Rückgang der verkauften Stickstoffmenge reichlich 10 Prozent. Ob der Markt zum zum Saisonstart bei steigender Nachfrage in Bewegung kommt ist ebenfalls nicht sicher. Die Läger im Handel und auch in der Industrie dürften wegen des extrem schwachen Absatzes der letzten Monate jedenfalls noch gut gefüllt sein.

Absturz der Stickstoffpreise

Urea Weltmarkt

Die Preise an den deutschen Ostseehäfen für Kalkammonsalpter liegen zum Beginn des neuen Jahres bei knapp 200 Euro je Tonne. Damit ist KAS derzeit gut 10 Euro billiger als Mitte des vorigen Jahres und zudem fast 30 Euro günstiger als vor 12 Monaten. Am Weltmarkt ist der Preiseabschlag für Ammonium sogar noch größer. Dort kostet die Ware an den Verladehäfen am Schwarzen Meer zuletzt knapp ein Drittel weniger als  im vorigen Jahr.

Für Harnstoff werden an den deutschen Ostseehäfen zum Beginn des neuen Jahres knapp 270 Euro je Tonne verlangt. Gegenüber den Preisen vom Sommer 2019 ist das ein Absturz um rund 55 Euro je Tonne und die Kurse vom Januar 2019 werden um etwa 30 Euro je Tonne unterboten. Für den flüssigen Stickstoffdünger Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung – kurz AHL – liegen die Preisforderungen an den Ostseehäfen aktuell bei 182 Euro je Tonne und damit 50 Euro je Tonne unter den Preisen vom Vorjahr.

Ähnlich verlief die Preisentwicklung am Weltmarkt: Nimmt man einmal die Harnstoffpreise am Schwarzen Meer als Indikator – diese liegen derzeit bei 218 USD je Tonne – ergibt sich zur Jahresmitte 2019 ein Preisabschlag von etwa 50 USD je onne und gegenüber dem Januar 2019 siund die Preise derzeit 40 USD je Tonne niedriger.

Analysten: Nachfrage in Europa schrumpft weiter

Stickstoffdünger

Die Düngemittelpreise sind im Jahr 2019 aufgrund des reichlichen Angebots und der mangelnden Nachfrage in wichtigen Märkten erheblich gesunken“, bestätigt Matheus Almeida, Senior Analyst bei der Robaobank. Almeida erwartet für 2020 jedoch Belebung der globalen Nachfrage. Gleichzeitig kommt es zu Angebotsbeschränkungen in Folge von Umweltreformen, sowie deutlich höheren staatlichen Auflagen und ungünstigen Wetterbedingungen. Das dürfte die globalen Preise stützen, glaubt der Rabobank Analyst.

In China hat werden die Düngemittelpreise 2020 aber auf niedrigem Niveau bleiben. Massive Reformen im Düngemittelsektor und der Druck der Umweltschutzpolitik haben die Branche erheblich beeinflusst. In den USA hat die sehr späte Ernte die Nachfrage nach Düngemitteln erheblich gedrückt. Deshalb geht man davon aus, dass die Nachfrage 2020 wieder steigt. Dennoch deuten die Fundamentaldaten bis ins zweite Quartal 2020 auf eine schwache Preisdynamik hin, sagt Almeida.

In der Europäischen Union haben Umweltauflagen die Nachfrage gedrückt und erfordern kleinere Mengen hocheffizienter Produkte, sagt der Analyst. Die Nachfrage nach Düngemitteln an den wichtigsten EU-Märkten wird deshalb weiter sinken – nicht nur in Deutschland. Derzeit sind die Düngemittelhersteller mit rekordtiefen Preisen, schwacher Nachfrage und möglichen Kostensteigerungen aus der CO2-Bepreisung konfrontiert. 

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