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Düngermarkt und Düngerpreise

Düngerpreise – Ausblick 2021: Welche Einkaufs-Strategie ist richtig?

Dünger am Feld
am Mittwoch, 16.12.2020 - 13:20 (1 Kommentar)

So billig wie in diesem Jahr war Dünger schon lange nicht mehr. Der Grund: Der Absturz der Energiepreise infolge der coronabedingten Wirtschaftskrise.

Seit dem Herbst sind die Düngerpreise dann wieder gestiegen. Auslöser waren auch diesmal die steigenden Energiepreise. Hinzu kommt jedoch eine anziehende Nachfrage aus der Landwirtschaft - denn auch die Getreidepreise haben weltweit kräftig zugelegt.

Und dazu kommt ein sehr hoher Bedarf der großen Importeure – wie etwa Indien und Brasilien. Ihr Einkaufsverhalten beinflusst die Düngerpreise spürbar.

Wichtig für die Preise in Deutschland und Europa sind auch die Wechselkurse Euro/Dollar. Denn: Ein großer Teil der Mineraldünger wird am Weltmarkt in Dollar gekauft. Und der Euro hat gegenüber dem Dollar rund 8 Prozent an Wert gewonnen - Das hat den Dünger-Einkauf im Prinzip um den gleichen Betrag verbilligt.

Aber wie geht es nun im neuen Jahr weiter mit den Düngerpreisen – in Deutschland und am Weltmarkt? Worauf müssen sich Landwirte einstellen?

Fakt ist: Die entscheidenden Preisimpulse bei allen Mineraldüngerarten kommen vom Weltmarkt – und deshalb ist es wichtig zu verstehen, warum bestimmte Dinge geschehen und was die Analysten für die nächsten Monate erwarten.  Danach sollten Landwirte auch ihre Einkaufsstrategie ausrichten.

Düngerpreise könnten wieder fallen – nach dem Frühjahr

Entwicklung des Harnstoffpreises 2017 bis 2020

"Wir gehen davon aus, dass die Preise für Harnstoff und auch für Phospor kurzfristig – also bis zum Beginn des zweiten Quartals 2021 – weiterhin von der Nachfrage getragen werden. Sobald die saisonale Nachfrage aus der nördlichen Hemisphäre jedoch nachlässt, werden die Märkte wieder einem starken Angebotsdruck ausgesetzt sein", sagte Matheus Almeida, Senior Analyst für Farm Inputs bei der Rabobank.

Das heißt konkret: Die Preise könnten nach den Einkäufen zur Frühjahresbestellung in Europa und den USA wieder nachgeben. Die International Fertilizer Association (IFA), das ist der internationale Verband der Düngerindustrie, erwartet jedenfalls einen Zuwachs von 9 Millionen Tonnen bei der Harnstoff-Produktions-Kapazität – Das ist eine Steigerung von 4,5 Prozent und liegt deutlich über dem prognostizierten Nachfragewachstum von etwa 1 Prozent, sagt Almeida.

Fast die Hälfte dieser neuen Kapazität wird voraussichtlich in Indien entstehen, was die indischen Aktivitäten auf dem Weltmarkt verringern dürfte. Indien war im laufenden Jahr der weltweit größte Harnstoffeinkäufer und Preistreiber.

„Und für den Kalimarkt gehen wir davon aus, dass die großen Importeure, wie China und Indien, ihre Lagerbestände  auffüllen werden, und dass die die anhaltende Nachfrage aus den USA und Brasilien dafür sorgen wird, dass der Handel auf einem hohem Niveau stabil bleibt“, sagt Almeida.

Anderseits dürften die derzeit sehr niedrigen Kali-Preise geplante Investitionen bremsen und die Inbetriebnahme neuer Anlagen verzögern. Dennoch ist zu erwarten, dass die Kalipreise wegen der dennoch erfolgten Kapaziätsausweitung und wegen des 2021 weiter wachsenden Angebotsüberhangs nur wenig steigen bzw. relativ stabil bleiben.

Düngerpreise sind aus verschiedenen Gründen wieder gestiegen

Preise für Kalkammonsalpeter an deutschen Importhäfen

Nach Aussagen der Rabobank sind die Preise im gesamten globalen Düngemittelkomplex in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf Zehnjahrestiefs gefallen und haben sich dann allmählich wieder etwas erholt. Der Grund für den Preisanstieg: Die verbesserte Nachfrage in mehreren wichtigen Regionen.

Den stärksten Einfluss auf Nachfrage und Preise hatten im zweiten Halbjahr 2020 Brasilien und Indien, zwei der drei größten Dünger-Importeure der Welt. In Brasilien sorgen hohe Getreide- und Sojapreise für starke Margen bei den Landwirten und für eine sehr stark Nachfrage. „In diesem Jahr erwarten wir, dass die Nachfrage nach Düngemitteln in Brasilien das fünfte Jahr in Folge steigen wird. Die Importe seit Jahresbeginn sind im Jahresvergleich um 8 Prozent höher, dass ist ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber 2015“, sagte Rabobank-Analyst Almeida.

In Indien trugen eine starke Kharif-Saison (Sommergetreide) und auch die Reformen der lokalen Gebietskörperschaften zu einem Anstieg der lokalen Einkäufe bei Düngern bei - die indische Regierung meldete im ersten Halbjahr einen Anstieg der Düngemittelverkäufe um 15 Prozent im Jahresvergleich.

Auch in anderen Regionen hat die Nachfrage zugenommen. In Australien erwarten die Rabobank-Analysten einen drastischenAnstieg der Wintergetreide-Produktion um 63 Prozent im Jahresvergleich, was bereits zu einem Anstieg des Stickstoffabsatzes um 26 Prozent im ersten Halbjahr 2020 geführt hat.

Höhere Getreidepreise kurbeln Nachfrage an

Dünger ausbringen mit einem Traktor

Trotz der weltweit schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, die durch die COVID-19-Pandemie verursacht wurde, hat sich der Wirtschaftseinbruch bei den Agrarrohstoffen nur in begrenztem Umfang ausgewirkt, sagt die Analystin Alexis Maxwell vom Marktforschungsunternehmen GreenMarkets.

Fast alle Agrarrohstoffe erholten sich ab dem zweiten Quartal 2020 und befinden sich nun etwa auf einem Preisniveau von 2019 – oder wie bei Getreide und Ölsaaten auch darüber. Dieser zusätzliche Cashflow war sehr wichtig für die Herbstdünger-Entscheidungen der Landwirte.

Viele Landwirte werden ihre Ausgaben für den Einkauf von Dünger und anderen Agrar-Chemikalien im Jahr 2021 erhöhen, sagte Maxwell. Durch einen Anstieg der globalen Getreidepreise um fast 30 Prozent sind die Nährstoffe für die Ernte erschwinglicher geworden.

Die Düngemittelpreise waren zwar bereits 2018 günstig, sagte Maxwell. Doch die Erschwinglichkeit von Nährstoffen ergibt sich aus den Erntepreise für Getreide und den globalen Düngemittelpreisen.

"Günstigere Nährstoffe für die Ernte und bessere Getreidepreise lassen höhere Ausgaben für landwirtschaftliche Chemikalien im Jahr 2021 erwarten", sagte Maxwell.

Niedrige Kosten treiben Stickstoff-Produktion an

Entwicklung der Harnstoffpreise in Deutschland mit Preiseinbruch Mitte 2020

Die globalen Preise für Stickstoffdünger liegen seit Jahresbeginn unter dem Durchschnitt des Vorjahres. Die Gründe: Sehr Niedrigere Erdgaspreise, COVID-19-Lockdowns in vielen Ländern, industrielle Lockdowns bei den Herstellern und Händlern, die sich negativ auf die Stickstoff- und Harnstoffnachfrage auswirken, und auch das weltweite Überangebot an Stickstoffdünger, haben zusammen zu diesen niedrigeren Preisen beigetragen, sagt Alexis Maxwell.

Die globalen Erdgaspreise werden sich im Jahr 2021 teilweise erholen, fügte sie hinzu. Die Erwartungen an deutlich höhere Gaspreise sollten jedoch gebremst werden, da die Angebotsschwemme an Gas – vor allem in den USA – anhält, sagte sie. Die Inputkosten für die Stickstoffproduzenten dürften auch 2021 aufgrund der Halbierung des Ölpreises und relativ niedriger Erdgaspreise niedrig bleiben.

Längerfristig dürfte diese Situation die Produktion von Stickstoff steigern, die zuletzt sogar etwas zurückgegangen ist. Ein gutes Beispiel ist hier die Ukraine, die in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Tonnen Harnstoff exportieren wird. Dies ist eine Steigerung von ca. 1 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Auch Rumänien wird nach einigen Jahren mit fast keiner Produktion wieder die zuvor zu teure Harnstoffproduktion aufnehmen, sagte Maxwell.

„Nächstes Jahr erwarten wir, dass in kostengünstigeren Regionen wie Afrika und Indien mit zusätzlich und 4 Millionen Tonnen Harnstoffkapazität online gehen. Daher werden auch die chinesischen Preise und Exporte weniger Einfluss auf Preisbildung haben, wenn alle geplanten Anlagen im Jahr 2021 online gehen“ sage die Analystin.

Indien baut die eigene Produktion massiv aus

dap-preise.

Maxwell sagte auch, dass der Kapazität der Hersteller im Jahr 2020 aufgrund der Pandemie nicht viel Neues hinzugefügt wurde. Neuzugänge, die für 2020 geplant waren, wurden auf 2021 verschoben. In Nigeria und Indien sollten zwei neue Anlagen die Kapazität jedes Landes um weitere 1,3 Millionen Tonnen erhöhen. Beide Projekte haben sich verzögert und könnten im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden, sagte sie. Zusätzliche Kapazitäten werden bsi 2022 in anderen indischen Werken sowie in Russland entstehen.

Das Angebotswachstum verlangsamt sich nach Einschätzung der Analystin dann 2023 und 2024 auf ein Niveau, das unter dem Wachstum der Harnstoffnachfrage liegen könnte. Die Ausweitung der Produktion wird jedoch in Indien in den nächsten drei bis fünf Jahren am stärksten sein, da das Land Selbstversorgung anstrebt, sagte Maxwell. Ganz oben auf der Prioritätenliste Indiens für Düngemittel steht die Eröffnung von sieben Harnstoffproduktionsbetrieben. Diese neuen Projekte werden voraussichtlich 8,8 Millionen Tonnen Harnstoffkapazität in Indien hinzufügen.

„Die neue Produktion zielt darauf ab, die Abhängigkeit von Harnstoffimporten in Indien zu verringern. Im vergangenen Jahr lag der Wert der Importe bei über 3 Milliarden US-Dollar und wird dieses Jahr voraussichtlich dieses Niveau überschreiten“, sagte Maxwell. Indien benötigt jährlich zwischen 9 Millionen und 11 Millionen Harnstoff.

Deshalb wird erwartet das Indien trotz der höheren Inlandsproduktion in den kommenden Jahren ein Stickstoffimporteur bleibt, sagte sie.

CO2-Steuer und höhere Gaspreise machen Dünger teurer

Dünger in einem Lager

Nach Einschätzung von Marco Fleischmann, der beim Düngemittelhersteller Yara den Vertrieb in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Ländern betreut, werden die Preise für stickstoffhaltige Düngemittel in den nächsten Monaten eher steigen als sinken. Fleischmann empfahl den Ackerbauern beim digitalen Yara-Forum, sich schon für die ersten beiden Stickstoffgaben im Frühjahr mit Ware einzudecken.

Dünger für die dritte Stickstoffgabe sollte erst später gekauft werden, um das Preisrisiko zu streuen, so der Experte. Fleischmann begründete seine Erwartung steigender Preise für stickstoffhaltigen Dünger vor allem mit dem Argument, dass für die kommenden Monate unter dem Strich mit einem Nachfrageüberhang zu rechnen sei. Grundsätzlich steige der Bedarf im Frühjahr.

Die Nachfrage in Deutschland dürfte sich im laufenden Wirtschaftsjahr zwar stabil entwickeln, aber die Bestände der europäischen Produzenten bewegten sich auf einem niedrigen Niveau, sagt der Yara-Experte. Der „Puffer“ zur Abfederung unerwarteter Ereignisse sei also niedrig. Außerdem habe die EU-27 noch Nachholbedarf bei den Importen an Stickstoffdüngern.

Hinzu kommt: Auch die Gaspreise sind zuletzt wieder gestiegen, was die Düngemittelproduktion verteuere. In dieselbe Richtung wirke die geplante CO2-Steuer.

Informieren Sie sich im Marktbereich auf agrarheute über die aktuellen Erzeugerpreise von Düngemitteln von beispielsweise Kalidünger, Phosphordünger und Stickstoffdünger.

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