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Ukraine-Krieg und Düngerpreise

Düngerpreise bleiben 2022 extrem hoch - Mangel und Missernten erwartet

Mineraldünger.
am Mittwoch, 09.03.2022 - 11:12 (Jetzt kommentieren)

Die Düngerpreise steigen weltweit erneut steil an. Der Grund: Der Krieg am Schwarzen Meer und die schlimmen Folgen.

Harnstoffpreise.

Russlands Invasion in der Ukraine jagt die Düngemittelpreise am Weltmarkt erneut nach oben. Und das in einer Zeit, in der auf der Nordhalbkugel mit dem Anbau wichtiger Feldfrüchte begonnen wird, die für die globale Versorgung von entscheidender Bedeutung sind. Gleichzeitig ist Russland der weltweit größte Exporteur von Düngemitteln.

Aber seit dem Krieg mit der Ukraine ist die Schifffahrt im Schwarzen Meer unterbrochen und die Preise für Erdgas, einem wichtigen Bestandteil der Düngemittelherstellung, sind nach Kriegsausbruch an den europäischen Spotmärkten auf neue Rekordwerte geklettert. Am 07. März kostete die MWH am wichtigsten europäischen Handelsplatz für Erdgas, am Natural Gas EU Dutch TTF, 219 Euro und damit dreimal so viel wie vor Kriegsbeginn (71 Euro je MWH).

Westliche Sanktionen gegen Russland, auch im internationalen Zahlungsverkehr, dürften die Exporte von Gas, Öl, Getreide und auch Mineraldünger weiter einschränken. Denn die Finanzierung solcher Geschäfte ist nahezu unmöglich und die Risikoprämien wegen befürchteter Zahlungs- und Lieferausfälle im Handel mit Russland sind extrem hoch.

Die Folge: Die Preise für Harnstoffdünger sind am Terminmarkt in den USA seit Beginn der Invasion am 24. Februar bis zum 08. März um 46 Prozent bzw. 255 USD je Tonne auf 805 USD je Tonne gestiegen. An den ägyptischen Exporthäfen gingen die Harnstoffpreise im gleichen Zeitraum um 370 USD bzw. 64 Prozent auf 950 USD nach oben und im Mittleren Osten verteuerte sich Harnstoff um 317 USD je Tonne auf 872,50 USD.

Ähnlich stark war der Preisanstieg bei Diammoniumphosphat oder DAP. Hier gingen die Preise am US-Terminmarkt in Nola um 210 USD auf 910 USD je Tonne nach oben.

Die Düngerpreise werden weiter sehr hoch bleiben

Phosphordünger.

Roland Fumasi, Senior RaboResearch Analyst, sagte gegenüber dem AgNet West Network aus Kalifornien, dass es mehrere Faktoren gibt, die die zukünftigen Preise für Düngemittel bestimmen werden.

„Vor diesem anhaltenden Konflikt erwartteen wir, dass China später in diesem Jahr wieder auf den Exportmarkt kommen würde, insbesondere für Harnstoff und Phosphate. Das würde helfen, die Preise etwas zu lockern“, sagte Fumasi. „Die andere Sache, die man im Auge behalten sollte, ist, dass es auf dem afrikanischen Kontinent eine gewisse Kapazitätserweiterung geben wird, die wir auch in Betracht ziehen, von der wir dachten, dass sie der globalen Versorgungssituation helfen könnte.“

Rund 40 Prozent der weltweiten Kaliexporte stammen aus Russland und Weißrussland. Russland ist zudem auch einer der größten Lieferanten von Ammoniak, das laut Fumasi aufgrund der mit der Produktion verbundenen Infrastruktur die empfindlichste Lieferkette hat. Vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine wurde prognostiziert, dass die Düngerpreise aufgrund anderer Faktoren auf dem Weltmarkt bis Ende 2022 sinken würden.

„Wir könnten später in diesem Jahr sehen, dass die Düngemittelpreise vielleicht etwas besser werden, aber das wird vom Konflikt in der Schwarzmeerregion abhängen; wie weit es geht, wie lange es dauert. Es ist also noch etwas früh, das zu sagen“, sagte Fumasi gegenüber AgNet West Network. Der Russland-Ukraine-Konflikt hat das Potenzial, die Düngemittelpreise lange sehr hoch zu halten, teilweise aufgrund von Unterbrechungen im Transport von Erdgas, einem kritischen Bestandteil der Düngemittelproduktion.

Auch die Logistik wurde wegen des Krieges gründlich gestört, denn er verhinderte, dass Düngemittel aus der Schwarzmeerregion kommen. „Es gibt Schiffe, die bereits zerstört wurden. Die Versicherungskosten, um ein Schiff in diese Region zu bringen, sind im Moment so astronomisch, dass die meisten Leute einfach sagen: „Nein, wir werden nicht hinfahren.“

Düstere Aussichten: Nächste Ernte ist ebenfalls gefährdet

duneger.

Eine längere Unterbrechung der globalen Versorgung mit Stickstoff, Kali und Phosphor könnte die Getreideproduktion in vielen Teilen der Welt sowohl für das Wirtschaftsjahr 2021/22 als auch für 2022/23 erheblich beeinträchtigen. Und das zu einer Zeit, in der die Lebensmittelpreise bereits auf Rekordhöhen sind und weltweit Hungerkrisen drohen.

Am Schwarzen Meer kommen noch andere Gefahren hinzu: So dürften Schäden an der Infrastruktur und massive Logistikprobleme bestehen. Das schränkt die Möglichkeit der Landwirte drastisch ein, während des Krieges (und auch danach) überhaupt Weizen, Sonnenblumen oder Mais zu produzieren und zu exportieren. Die Düngemittelpreise haben sich in den letzten 18 Monaten bereits mehr als verdoppelt.

Aber nicht nur am Schwarzen Meer, in Europa und den USA gibt es Probleme: In Brasilien, einem der weltgrößten Maisexporteure, geht es um die Versorgung der zweiten großen Maisernte (Safarina). Doch Brasilien ist beim Import von Stickstoffdünger, der auf vielen Feldern benötigt wird, nachdem der Mais aufgegangen ist, sehr stark auf Russland angewiesen. Auch hier dürfte eine unzureichende Versorgung zu erheblichen Ernteausfällen führen und zu einem deutlich kleineren Angebot am Weltmarkt.

Kaliexporte aus Weißrussland, einem russischen Verbündeten, wurden ebenfalls unterbrochen, und die westlichen Sanktionen gegen das Land sollen in den kommenden Wochen ausgeweitet werden. Kali ist ein Schlüsselnährstoff für wichtige Nutzpflanzen.

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