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Düngermarkt und Düngerpreise

Düngerpreise fallen auf breiter Front. Jetzt kaufen!

Dünger
am Mittwoch, 17.06.2020 - 11:37 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Mineraldünger sind in Deutschland im Juni auf mehrjährige Tiefstände abgestürzt.

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Damit folgen die heimischen Düngerpreise – wie erwartet – etwas zeitversetzt der Entwicklung am Weltmarkt. Dort ging es bereits im Mai steil nach unten. Der Preissturz betrifft sowohl Stickstoffdünger, als auch Phosphor und Kali. Bei den Stickstoffdüngern ­– Kalkammonsalpeter, Harnstoff und Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung ­– ist der Absturz am stärksten.

Die Hauptursache für Einbruch der Düngerpreise ist der historische Verfall der Energiepreise – und damit der Herstellungskosten – als Folge der coronabedingten globalen Wirtschaftskrise. In Europa und auch in den USA sind die Erdgaspreise der mit Abstand wichtigste Kostenfaktor bei der Herstellung von Stickstoffdüngern.

Und für Europa meldet die Weltbank im April und Mai historisch niedrige Erdgaspreise. Ähnlich niedrige europäische Gaspreise hat es nach den Daten der Weltbank zuletzt in den 70er Jahren gegeben – also vor etwa 45 Jahren. Der Crash der Erdgaspreise schlägt nun natürlich etwas zeitversetzt auf die Herstellungskosten durch.

Hinzu kommt aber auch eine zurückhaltendere Nachfrage aus der Landwirtschaft in Zeiten der Coronakrise. Denn auch die Preise für viele landwirtschaftliche Produkte – unter anderem auch für Mais und Sojabohnen – sind zuletzt sehr stark gefallen. Das hat natürlich auch (negative) Auswirkungen auf die Kauf-Bereitschaft der Landwirte.

Es ist Zeit Dünger zu kaufen - billiger wirds nicht

Dünger einfüllen

Nun ist es aber an der Zeit, sich mit Dünger einzudecken – denn viel weiter nach unten, wird es mit den Preisen nicht mehr gehen. Im Gegenteil: Die kräftige Erholung der globalen Rohöl- und Energiepreise im Mai und die deutliche Drosselung der weltweiten Energie- und Düngerproduktion hat bereits zu einem Anstieg der Angebotspreise der großen Exporteure für die kommenden Monate geführt.

Natürlich ist das Niveau im langfristigen Vergleich damit noch immer sehr niedrig – jedoch zeigt die Preiserwartung an den globalen Märkten wieder nach oben. Vorausgegangen war dem Preiscrash zunächst ein Zwischenhoch der Düngerpreise im April. Verantwortlich für diese Zwischenhoch war die Frühjahrsbestellung auf der Nordhalbkugel (USA, Russland, Europa) und Befürchtungen, dass die Lieferketten wegen der Coronakrise bei Dünger und Agrarchemie nicht mehr intakt sind – und auch das Arbeitskräfte in den Fabriken fehlen könnten, so dass die die Ware knapp wird.

Davon hat sci zumindet bei Dünger aber nichts bestätigt – und die Düngerpreise gingen weltweit auf Talfahrt. „Die Landwirte bekommen den Dünger, den sie benötigen, und die Preise sind auf einem sehr niedrigen Niveau“, sagt Rick McLellan, Vice President des großen US-Düngerherstellers Mosaic.

Stickstoffpreise auf Mehrjahrestiefs gefallen

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Der wichtigste global gehandelte Stickstoff-Dünger ist Harnstoff. Hier lagen die Preise an den Verladehäfen am Schwarzen Meer und am US-Golf im Mai bei rund 200 USD je Tonne. Das waren 35 USD weniger als im April und rund 50 USD je Tonne weniger als vor einem Jahr. Für Juni liegen die Preiseangebote nur noch knapp über der 190 USD-Marke – danach geht es mit den Preisen jedoch wieder schrittweise nach oben – bis zum Jahresende wieder auf 215 USD je Tonne.

An den deutschen Ostseehäfen lagen die Spotmarktpreise für granulierten Harnstoff im April noch bei knapp 290 Euro je Tonne – bis Mai ging es dann auf 275 Euro je Tonne nach unten und im Juni stürzten die Angebotspreise an den Verladehäfen bis auf 230 Euro je Tonne ab. Das waren die niedrigsten Harnstoffpreise seit rund 4 Jahren.

Ähnlich verlief die Entwicklung beim für deutsche Bauern wichtigsten Stickstoffdünger: Kalkammonsalpeter (KAS). Hier wurden an den deutschen Importhäfen im April noch Spotpreise von  gut 200 Euro je Tonne verlangt. Bis Mai wurden die Preisforderungen dann auf knapp 190 Euro je Tonne zurückgenommen – und bis Juni crashten die Preise dann regelrecht auf 170 Euro je Tonne. Das sind die niedrigsten KAS-Preise seit dem Sommer 2016.

Ähnlich stark verbilligte sich der wichtigste Flüssigdünger AHL – von 180 Euro je Tonne im April – bis auf 150 Euro im Juni. „Das Angebot wurde auch durch die zunehmende Effizienz der Landwirte, die Düngemittel einsetzen, gesteigert. Bauern holen jetzt viel mehr aus weniger heraus als vor 20 Jahren", sagt der Düngerexperte McLellan. In Deutschland kommt zudem die neue Düngeverordnung hinzu, die den Einsatz von N-Düngern zusätzlich kräftig dämpft.

Phosphor so billig wie lange nicht mehr

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Ähnlich starke Preiskorrekturen verzeichnet der Markt auch bei Phosphor und Kalidünger. Beim wichtigsten globalen Phosphordünger - Diammonphosphat (DAP) gaben die Preise am Weltmarkt im Mai um rund 20 USD auf 263 USD je Tonne nach. Gleichzeitig kostet DAP damit etwa 55 USD weniger als im vorigen Jahr. Auch hier sieht es ab Juli wieder nach etwas höheren Preisforderungen der Exporteure bzw. Hersteller aus.

Doch Fakt ist auch: Die Versorgung mit Phosphat wird auch durch neue Technologien angekurbelt. „Von 2010 bis 2019 stieg die weltweite Phosphatproduktion um 11 Millionen Tonnen pro Jahr von 60 Millionen auf 71 Tonnen pro Jahr“, sagt Mosaic-Manger McLellan.

In Deutschland sind die Spotmarktpreise für den wichtigsten Phosphordünger an den Importhäfen von Mai bis Juni um rund 35 Euro auf zuletzt 305 Euro je Tonne gefallen. Das sind die niedrigsten deutschen DAP-Preise seit etlichen Jahren. Da es für Landwirte schwierig ist, sich zukünftige P- und K-Preise abzusichern, bieten die derzeit sehr niedrigen Preise eine sehr gute Gelegenheit, sich einzudecken. "Niedrige Preise werden nicht für immer bleiben, genau wie hohe Preise", sagt McLellan.

Kalipreise gehen auf Tauchstation

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Auch bei Kalidünger verlief die Preisentwicklung für die Landwirte erfreulich. Am Weltmarkt gingen die Preise von April bis Mai um etwa 30 USD auf 215 USD je Tonne zurück - den niedrigsten Stand sei einem Jahr. Diesem Preisverfall konnten sich auch die deutschen Kali-Preise nicht entziehen.

An den deutschen Importhäfen gingen die Preisforderungen für die dort verladene Ware von etwa 260 Euro je Tonne – auf gerade einmal 230 Euro je Tonne zurück. Das sind die niedrigsten Preise für Kornkali seit 4 Jahren.

Auch hier wirkt sich neben der Coronakrise die wachsende globale Produktion aus: Die weltweite Kaliproduktion (K) stieg von 2010 bis 2019 jährlich um 12 Millionen Tonnen von 52 Millionen auf 64 Millionen Tonnen. Zwei große Projekte - eines in Saskatchewan und eines in Russland - haben das Angebot kräftig erhöht und die K-Preise zusätzlich gedrückt.

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