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Düngermarkt und Düngerpreise 2021

Düngerpreise im Höhenrausch: Kommission verweigert Bauern Hilfe

Düngen mit Mineraldünger.
am Dienstag, 26.10.2021 - 10:31 (5 Kommentare)

Die Düngerpreise steigen weiter steil an. Trotzdem gibt es kaum etwas zu kaufen. Die Kommission will den Landwirten nicht helfen.

Kalkammonsalpeter.

Die Landwirte in der Europäischen Union können trotz der drastisch gestiegenen Düngemittelpreise zum aktuellen Zeitpunkt nicht auf Entlastungsmaßnahmen Brüssels hoffen. Aus Kommissionskreisen hieß es am vergangenen Freitag lediglich, dass die Behörde die Marktsituation in den einzelnen Sektoren genau verfolge, berichtet der Branchendienst Agra-Europe (AgE). Aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise hat sich die Produktion von Stickstoffdüngern derart verteuert, dass die meisten europäischen Hersteller die Produktion kräftig runtergefahren haben.

Viele Landwirte berichten, dass sie trotz der exorbitanten Preise an den Spotmärkten bzw. ohne vertragliche Vereinbarungen mit dem Händler überhaupt keinen Dünger mehr zu kaufen bekommen. Und auch dann sind Lieferkonditionen und Preise sehr schwer auszuhandeln. Zur Ankündigung des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, bei weiter steigenden Betriebsmittelpreisen, den polnischen Bauern Beihilfen zahlen zu wollen, erklärte eine Kommissionssprecherin, dass jeder EU-Mitgliedstaat das Recht habe, Sonderhilfen zu leisten. Das betreffende Mitgliedsland müsse sich allerdings diese von der die Kommission genehmigen lassen.

Doch die Situation könnte sich verschärfen und sich negativ auf die Getreide-Produktion im nächsten Jahr auswirken, mal ganz abgesehen von den Kosten, die die Landwirten beim Einkauf auch kleinerer Mengen Mineraldünger vor dem Hintergrund der auch sonst schon explodierenden Produktionskosten entstehen. So zeichnen sich derzeit etwa auch bei Pflanzenschutzmitteln zunehmende Versorgungsengpässe, Lieferkettenprobelme und steil ansteigende Preise ab.

„Die Produktion von Düngemitteln ist in Europa so unwirtschaftlich geworden, dass die derzeit eingeschränkte Produktion dauerhaft eingestellt werden könnte, wenn die EU nicht schnell Maßnahmen ergreift, um den Anstieg der Erdgaspreise zu stoppen“, sagte die Handelsgruppe Fertilizers Europe vorige Woche.

Düngerfabriken weiter mit reduzierter Produktion – Unruhen?

Harnstoffpreise.

Der skandinavische Düngemittelkonzern Yara hat am vorigen Mittwoch bestätigt, dass rund 40 Prozent seiner europäischen Ammoniakproduktionskapazität – das sind etwa 1,9 Mio. Tonnen/Jahr – aufgrund des Anstiegs der Erdgaspreise runtergefahren bleiben. Auch die Anlagen des größten spanischen Düngerherstellers Fertiberia, in Palos de la Frontera, die Ammoniak und Harnstoff produzieren, sollen aufgrund der hohen Erdgaspreise für einen weiteren Monat geschlossen bleiben, teilte der spanische Düngemittelhersteller vorige Woche mit.

Erdgas ist der wichtigste Rohstoff für die Produktion von Stickstoffdüngern wie Harnstoff und Ammoniumnitrat, auf den die Landwirte angewiesen sind, um ausreichend hohe Erträge zu erwirtschaften.

„Der Anstieg der Energiepreise ist der Hauptgrund für den Anstieg der Düngemittelpreise und kann sich auch auf die Lebensmittelpreise auswirken. Das ist natürlich ein sehr großes Risiko“, sagte EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski auf einer der EU-Ratssitzung. Die EU-Agrarminister diskutierten über ein von der polnischen Regierung in Umlauf gebrachtes Dokument, in dem befürchtet wird, dass die Düngemittelkrise „soziale Unruhen“ in der Europäischen Union auslösen könnte, wenn die politischen Entscheidungsträger die steigenden Erdgaspreise nicht stoppen.

In Polen haben Landwirte bereits eine Anlage des Düngemittelunternehmens Anwil blockiert, um zu protestieren, dass die Regierung den Export von Düngemitteln zulässt, während die Preise für die eigenen Bauern in Polen unbezahlbar sind.

China bremst die Exporte und heizt die Rallye an

Diammoniumphosphat (DAP).

Chinas Allgemeine Zollverwaltung hat bekanntgegeben, mit Wirkung vom 15. Oktober 2021 Exportkontrollen für Düngemittelprodukte einzuführen und die Zollüberwachung für 29 Düngemittelprodukte zu verschärfen. Die verstärkte Überprüfung kommt daher, dass die Düngemittelkosten auch in China auf neue Rekordmarken gestiegen sind, angetrieben durch die Energiekrisen in Europa und China, wo Erdgas und Kohle (China) die Grundlage für die Produktion von Stickstoffdünger sind.

Der Kostenanstieg bei Dünger kommt zu einem Zeitpunkt, wo die weltweiten Lebensmittelpreise bereits ein 10-Jahreshoch erreicht haben. Viele Regierungen befürchten deshalb einen weiteren scharfen Anstieg der globalen und lokalen Nahrungsmittelpreise. Chinas Maßnahmen zur Reduzierung der Düngemittelexporte werden sich jedoch auf der ganzen Welt bemerkbar machen, glauben Analysten. Das Reich der Mitte ist nämlich einer der wichtigsten Lieferanten von Harnstoff, Sulfat und auch Phosphat (DAP)für die globalen Märkte.

Über die spezifischen Auswirkungen der Energiekrise in China berichtete der Wirtschaftsdienst Bloomberg: „In den letzten Wochen mussten neben Düngerfabriken auch zahlreiche andere landwirtschaftliche Betriebe geschlossen werden oder ihre Leistung reduzieren, um Strom und Energie zu sparen. Aus Indien – einem größten Produzenten und Importeure von Dünger ist indessen zu hören, dass die Regierung die Subventionen für Düngemittel auf Phosphorbasis zunächst einmal nicht erhöhen will. Vielmehr hat man die die Hersteller angewiesen, die Preise nicht nach oben zu setzen.

Düngerpreise: Jenseits von Gut und Böse

kalipreise.

In der vierten Oktoberwoche lagen die nominellen Preise für den wichtigsten Stickstoffdünger der deutschen Landwirte, nämlich Kalkammonsalpeter, an den deutschen Importhäfen bei knapp 565 Euro je Tonne. Damit kostet KAS die Bauern nochmals 15 Euro mehr als in der Vorwoche rund 165 Euro mehr als zum Beginn des Monats. Außerdem sind die KAS-Preise dreimal so hoch (!!) wie vor einem Jahr - wenn man als Landwirt überhaupt Ware bekommt.

Der wichtigste Flüssigdünger Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) wurde zuletzt ebenfalls mit knapp 565 Euro notiert. Das ist ebenfalls ein aufschlag von etwa 15 Euro zur Vorwoche. Gleichzeitig kostet AHL damit knapp 250 Euro mehr als zum Beginn des Monats Oktober und 3,5mal so viel wie vor Jahresfrist. Für Harnstoff werden an den deutschen Importhäfen und Großhandelsplätzen zuletzt von den Abnehmern 810 Euro je Tonne verlangt. Das sind unveränderte Preise zur Vorwoche und ein Aufschlag von 210 Euro zum Monatsbeginn.

Auch für die übrigen wichtigen Mineraldünger steigen die Preise in schwindelerregende Höhen. So kostet Diammoniumphosphat (DAP) zueltzt knapp 685 Euro je Tonne und damit 15 Euro mehr als in der Vorwoche und 65 Euro mehr als Anfang Oktober. Im Vergleich zum vorigen Jahr sind die DAP-Preise etwa doppelt so hoch. Für Kornkali müssen Einkäufer im Großhandel derzeit etwa 360 Euro je Tonne auf den Tisch blättern. Das sind zwar unveränderte Preise zur Vorwoche jedoch ein Aufschlag von 40 Euro zu Preisen von Anfang Oktober. Im Vergleich zum vorigen Jahr sind die Kalipreise rund 60 Prozent höher.

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