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Düngermarkt und Düngerpreise 2021

Düngerpreise: Darum müssen die Bauern Rekordpreise zahlen

Düngerstreuer.
am Donnerstag, 09.09.2021 - 11:56 (1 Kommentar)

Manchmal kommt alles Schlimme zusammen. Die Düngerpreise waren schon extrem hoch als Hurrikan Ida einige der weltweit größten Produktionsanlagen an der Golfküste zerstörte und anhaltende Stromausfälle die Reparaturen verzögern.

Kalkammonsalpeter

Manchmal kommt alles Schlimme zusammen.Die Düngerpreise waren schon extrem hoch als Hurrikan Ida einige der weltweit größten Produktionsanlagen an der Golfküste zerstörte und anhaltende Stromausfälle die Reparaturen verzögern. Hinzu kommt das China, einer der größten Harnstoff- und Phosphorexporteure, im August seine Ausfuhren plötzlich „aussetzte“.

Die Folge ist eine weitere Preisexplosion bei Düngemitteln am Weltmarkt und an den großen Importhäfen in Deutschland und Europa.

Kaum ein Landwirt kann sich erinnern, wann er zuletzt so viel Geld für Mineraldünger ausgeben musste. Sowohl bei Stickstoffdünger als auch Phosphor und Kali muss man bis zum bisherigen absoluten Preishoch 2012 zurückgehen, um ähnlich hohe Preise zu finden.

An der US-Golfküste schossen die Spotmarktpreise für Harnstoff auf ein zehnjähriges Hoch von derzeit rund 500 USD je Tonne. Das ist mehr als doppelt so viel wie im vorigen Jahr zum gleichen Termin.

Laut einem Bericht des US-Herstellers CF Industries Holdings Inc. in Donaldsonville, Louisiana, hat Hurrikan Ida die weltgrößte Stickstoffproduktionsanlage beschädigt. Der riesige Komplex verfügt über 19 Anlagen, darunter sechs Ammoniak- und fünf Harnstoffanlagen, die stickstoffbasierte Produkte für landwirtschaftliche und industrielle Märkte herstellen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete diese Woche: „Aufgrund dieser Umstände bleiben die Produktion und den Versand von Produkten aus dem Stickstoffkomplex CF Donaldsonville weiter beeinträchtigt.“

Dünger bleibt teuer und knapp - Sturmschäden und Stromausfall

AHL-Preise.

Unter Exporteuren und Importeuren schürte der Ausfalle der riesigen Produktionsanlage die Angst vor länger anhaltenden Produktionsaufällen, in einer Zeit, in der der Weltmarkt ohnehin extrem knapp versorgt ist. Der Rohstoffanalyst Ben Isaacson, sagte seinen Kunden, dass die Preise für Stickstoffdünger an der Golfküste aufgrund der „Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Neustart des CF-Werks in Donaldsonville“ kräftig steigen. Er fügte hinzu, es gebe Berichte, dass andere umliegende Anlagen wegen Strommangel und möglichen Sturmschäden ebenfalls ausfallen könnten.

Vor den Sturmschäden durch Ida gab es bereits eine kräftig steigende Nachfrage nach Düngemitteln aus den USA selbst und vom Weltmarkt, da die steigenden Getreidepreise es den Landwirten ermöglichten, den Einsatz von Nährstoffen zu erhöhen, die für die hohe Erträge Voraussetzung sind. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Rabobank wurde erklärt, dass Landwirte den Anbau in der neuen Saison ausweiten und mehr Dünger auf die Felder bringen, um ihre Erträge zu steigern.

Die Bank sagte jedoch auch, das die exorbitant hohen Preise den Kauf von Düngemitteln drosseln werden. Laut Rabobank waren die weltweiten Harnstoffpreise bereits vor Ida um 60 bis 70 Prozent gestiegen und Diammoniumphosphat (DAP) hatte sich 75 Prozent verteuert. Die Analysten sagten, der Preis sei aus einer ganzen Reihe von Gründen „in die Höhe geschossen“, darunter ein sehr knappes Angebot, eine  starke Nachfrage aus der Landwirtschaft und „andauernde Störungen des Versands“, wobei die hohe Seefracht bis zu 10 Prozent zu den Kosten der Landwirte beiträgt.

Die Rabobank prognostiziert, dass die Düngemittelpreise zumindest für den Rest des Jahres auf hohem Niveau bleiben werden.

Alle Prognosen hinfällig - China setzt Exporte aus

Phosphordünger.

Der Wirtschaftsanalyst David Hanlon beobachtet indessen, dass die Landwirte sich zunehmend bei Kauf von Dünger zurückhalten. „Große Landwirtschaftskunden, die Anfang Januar oder früher Dünger eingelagert haben, stehen viel besser da als diejenigen, die sich jetzt darum bemühen, etwas zu kaufen, weil das Produkt einfach nicht in der Pipeline ist“, sagte Hanlon gegenüber Medien.

Er sagte weiter, dass viele Analysten jetzt ihre Prognosen für die Düngemittelpreise revidieren, wobei viele davon ausgehen, dass die Preise auch noch im Jahr 2022 hoch bleiben werden.

Zusätzlich verschärft wurde die Knappheit durch China.Dort hat die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) die wichtigsten Düngemittelunternehmen Chinas angewiesen, die Exporte vorübergehend auszusetzen, um die Versorgung auf dem Inlandsmarkt sicherzustellen. Hintergrund ist offenbar, dass die hohen Preise dazu geführt haben, dass chinesische Düngermittelfirmen ihre Produktion horten und auf noch höhere Preise spekulieren. 

Die Düngemittelpreise in China, einem großen Verbraucher und Produzenten, haben in diesem Jahr aufgrund einer stärkeren Nachfrage aus Übersee, einer geringeren Produktion im Inland und hoher Energiekosten, neue Rekordmarken erreicht. Der Agraranalyst der Rabobank, Wes Lefroy, sagte aber, dass es bisher kein formelles Verbot von Düngemittelexporten gegeben habe. „Es geht vielmehr darum, dass ich die lokalen Düngeunternehmen sich auf den lokalen Markt zu konzentrieren sollen“, sagte er.

Dennoch gibt es sehr große Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit von Exporten in Zukunft.

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