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Düngerpreise jagen Kosten nach oben: Lohnt der Getreideanbau noch?

Dünger streuen.
am Dienstag, 21.12.2021 - 14:59 (Jetzt kommentieren)

Die hohen Düngerpreise erhöhen die Kosten im Ackerbau dramatisch. Beim Weizen verdreifachen sich die Düngerkosten und die Gesamtkosten steigen um 21 %.

Kalkammonsalpeter.

Die Düngerpreise sind Europa unverändert hoch. Dabei ist die weltweite Nachfrage in den letzten Wochen angesichts des historischen Preisanstiegs auf ein absolutes Minimum geschrumpft. Dabei hat der Rückgang der Gaspreise seit Ende November dazu geführt, dass die Produktionskosten der Hersteller sinken.

So hat etwa der größte europäische Hersteller Yara bestimmte Produktionslinien in Europa wieder hochgefahren. Mittlerweile sind Gaspreise jedoch wieder kräftig gestiegen und könnten die Produktionsausweitung erneut bremsen. Grundsätzlich bleibt der Markt also extrem angespannt.

Das hat Folgen auf die Planungen der Landwirte sowohl für den Düngereinkauf, als auch für den Düngereinsatz und die Fruchtfolgen für die nächste Saison. Fakt ist: Die hohen Düngerpreise erhöhen die Produktionskosten im Ackerbau dramatisch und sind nur bei sehr hohen Getreidepreisen umsetzbar.

Produktionskosten im Ackerbau steigen steil an

Die Verflechtung des Düngemittelmarktes mit dem Getreidemarkt stand im Mittelpunkt einer in Frankreich von der Mediengruppe Argus organisierten Konferenzreihe.  Dort sprach Isaure Perrot, Analyst bei der international tätigen Agrarberatung Agritel, über die Auswirkungen der Preisexplosion bei Stickstoffdünger auf die Kosten im Getreideanbau.

Die Produktionskosten der Landwirte werden in allen wichtigen Getreideanbaugebieten durch das historische hohe Düngemittelpreisniveau beeinflusst. Für französischen Weizen liefert Isaure Perrot folgende Schätzung: Die Produktionskosten würden während der gesamten Kampagne 2022/23 im Vergleich zu 2021/22 um 21 Prozent steigen.

Der Grund sind die sehr hohen Kosten der Stickstoffdüngung. Diese würden nach den Untersuchungen Perrot bei Weizen von 20,3 Euro je Tonne in der letzten Saison auf 57,4 Euro je Tonne Weizen in der nächsten Saison steigen. Das ist fast eine Verdreifachung der Düngerkosten.

Verkaufspreise für Getreide müssten ebenfalls steigen

Düngerstreuer.

In der Ukraine werden die Gesamtproduktionskosten für Weizen hingegen nur um 9 Prozent zulegen. „Dieser Unterschied zu Frankreich hängt mit dem Unterschied zwischen den landwirtschaftlichen Modellen zusammen. In Westeuropa produzieren die Bauern intensiver, das heißt sie setzen je Flächeneinheit mehr Stickstoffdünger ein“, erklärt der Agritel-Analyst.

Beim Maisanbau dürften die höhere Düngemittelpreise die Produktionskosten in der Ukraine um 19 Prozent und in den USA um 14,5 Prozent in die Höhe schnellen lassen. Dieser Anstieg der Produktionskosten hat auch die Benchmarks für Getreideverkaufspreise durcheinander gebracht, ab denen sich ein Verkauf für die Landwirte lohnt.

Isaure Perrot sagt: „Für einen französischen Weizen-Produzenten lag ein vernünftiger Verkaufspreis bisher bei 220 bis 230 USD je Tonne bzw. 194 bis 203 Euro je Tonne. Mit den hohen Düngerpreisen müssten die Weizenpreise jedoch auf 260 bis 270 USD je Tonne oder 230 bis 239 Euro je Tonnen steigen“. Das scheint derzeit eher unwahrscheinlich zu sein.

Auswirkungen auf Fruchtfolgen und Getreidequalität

ahl-preise.

Für den Analysten von Agritel hat der Anstieg der Düngemittelpreise auch einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung der Fruchtfolgen 2022  und die Getreide-Qualität.

Agritel erwartet einen Rückgang in der französischen Anbauflächen bei Weizen und Mais, die sehr stickstoffintensiv sind, zugunsten weniger anspruchsvoller Kulturen, wie etwa Sommer-Gerste, Sonnenblumen, Erbsen und Sojabohnen. Die hohen Kosten der Stickstoffdüngung führen auch dazu, dass einige Landwirte weniger düngen, was sich wahrscheinlich auf die Erträge und Getreidequalität (mehr Futtergetreide) auswirkt.

Auf der Grundlage von Daten von Arvalis sagte Isaure Perrot: „Angenommen, Weizen benötigt einen Input von 180 Stickstoffeinheiten pro Hektar, dann führt eine Reduzierung dieses Inputs um 30 Einheiten zu einem Ertragsverlust von 5 Prozent. Eine Reduzierung um 100 Einheiten führt zu einem Ertragsverlust von 24 Prozent.“

Die Unsicherheit über Preise und Verfügbarkeit von Düngemitteln könnte die Wahl zukünftiger Fruchtfolgen, insbesondere im Frühjahr, erheblich beeinflussen, ist auch Benoît Piedtrement überzeugt, Landwirt und Präsident des Fachrats für Feldfrüchte bei FranceAgriMer.

Mit Material von terre-net.fr, agritel

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