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Düngermarkt und Düngerpreise

Düngerpreise vor neuer Preisexplosion – Markt komplett aus den Fugen

mineraldünger.
am Donnerstag, 25.08.2022 - 13:26 (1 Kommentar)

Die Gaspreise jagen die Düngerpreise nach oben. Auch am Weltmarkt. Am Terminmarkt in den USA hat sich Harnstoff diese Woche – mit den Gaspreisen – um 100 USD je Tonne verteuert. Die übrigen wichtigen Handelsplätze folgen. Gleichzeitig stellen immer mehr große Düngerhersteller die Produktion ein - aus Kostengründen, heißt es.

düngerpreise.

Der wichtigste internationale Indikatorpreis für Strickstoffdünger, der Preis für Harnstoff am US-Golf, ist in wenigen Tagen um 100 USD auf knapp 660 USD je Tonne nach oben geschossen. Auslöser sind der gewaltige Preissprung und die neuen Rekordpreise bei Erdgas in Europa. Hinzu kommen die angekündigten Betriebsstillegungen und Produktionskürzungen vieler großer europäischer und internationaler Hersteller wie Yara, BASF oder der SKW Stickstoffwerke Piesteritz.

Wie schnell die Düngerpreise vor Ort und an den europäischen Importhäfen dem Preisanstieg an den internationalen Märkten folgen, ist nicht sicher. Jedoch sind die Düngerpreise auch hierzulande zuletzt immer weiter nach oben gegangen, während die Getreidepreise unter Druck standen.

Das heißt: Zwischen Kosten und Erlösen öffnet sich für die Ackerbauern eine immer größere Schere. Hinzu kommt: Der extrem schwache Euro verteuert die in Dollar abgerechneten Importe von Dünger zusätzlich. Alles keine guten Nachrichten.

Diese Woche hat polnische Grupa Azoty, ein weiterer großer europäischer Düngemittelhersteller, die Produktion von Stickstoffdünger, wegen der steigenden Energiekosten, eingestellt und ist damit das jüngste Opfer der europäischen Gaskrise.

Gaspreise auf neuem Rekordstand

Der Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft ist wegen der rekordhohen Düngerpreise jedoch rückläufig, was schlimme Auswirkungen auf die globale Ernährungssicherheit hat. Laut der International Fertilizer Association, könnte der Einsatz von Düngemitteln in der nächsten Saison um bis zu 7 Prozent zurückgehen, was der größte Rückgang seit der Finanzkrise 2008 wäre.

„Ich sehe nicht, wie irgendjemand weiterhin in Europa produzieren kann, außer denen, die ihre Energiekosten lange im Voraus abgesichert haben“, sagte Chris Lawson, Leiter der Düngemittelabteilung beim Analystenhauses CRU, gegenüber Bloomberg. „Wir gehen davon aus, dass die Ammoniakpreise weiter steigen werden.“

Erschwerend kommt hinzu, dass Europa üblicherweise einen Großteil seiner Düngemittel aus Russland importiert. Deshalb nehmen die europäischen Einkäufe bei den ohnehin sehr knappen Düngemitteln aus anderen Ländern (außer Russland) zu, wodurch die Preise noch weiter nach oben getrieben werden.

Und auch die Gaspreise steigen weiter steil an. Am heutigen Donnerstagmittag (24.08.22) kostete Erdgas am wichtigsten europäischen Handelsplatz, der Natural Gas EU Dutch TTF, rund 310 Euro je MWh!!! und damit fast viermal so viel wie im Juni - und außerdem so viel wie noch nie zuvor.

Düngerpreise folgen Gaspreise nach oben

Der europäische Düngemittelmarkt hat auf die steigenden Gaspreise ebenfalls mit einem weiteren Anstieg der Preise für Harnstoff, Ammoniumnitrat, Kalkammonsalpter (KAS) und anderer wichtiger Stickstoffdünger reagiert. Angesicht der steil ansteigenden Gaspreise, dürfte es jedoch weiter deutlich nach oben gehen.

An den deutschen Importhäfen wurden zum Beginn dieser Woche für Kalkammonsalpeter (KAS) knapp 820 Euro je Tonne verlangt. Das waren bereits über 100 Euro je Tonne mehr als im Juli. Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) kostet rund 655 Euro – das waren knapp 50 Euro mehr als vor vier Wochen. Die Preise für Harnstoff lagen bei 875 Euro je Tonne. Die steil ansteigenden Weltmarktpreise dürften jedoch bei allen Düngerarten schnell für weitere Aufschläge sorgen.

Für Kornkali mussten deutsche Landwirte zuletzt knapp 645 Euro je Tonne auf den Tisch blättern. Das waren 25 Euro mehr als im Juli. Für den wichtigsten Phosphatdünger, Diammoniumphosphat (DAP), wurden knapp 1.050 Euro je Tonne verlangt. Das ist ein Preisaufschlag von rund 50 Euro gegenüber den Preisen von vier Wochen.

Vom wichtigsten französischen Importhafen und Handelsplatz, Rouen, wurden ebenfalls steigende Spotmarktpreise gemeldet. Für den wichtigsten Stickstoff-Dünger der französischen Landwirte, Ammoniumnitrate 27 %, stiegen die Preise zuletzt um 55 Euro je Tonne auf 755 Euro je Tonne. Für den Flüssigdünger Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (franz. Solution Azotée) lagen die Preise bei 609 Euro je Tonne. Harnstoff kostete in Frankreich zuletzt 805 Euro je Tonne und damit 70 Euro mehr als im Juli.

Kommentar

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