Düngerpreise: Die Ruhe vor dem Sturm? – Der Krieg und die Folgen
Die Düngerpreise waren zuletzt relativ stabil. Trotz des Krieges in der Ukraine. Jedenfalls auf dem Papier. Doch das kann sich rasch ändern.
Wie sich der Krieg zwischen Russland und der Ukraine auf Preise und Versorgung mit Düngemittel mittelfristig auswirken wird, ist noch relativ unklar. Gut sieht es jedenfalls für die weitere Preisentwicklung nicht aus. In Europa haben sich die Preise an den Importhäfen jedoch zunächst einmal stabilisiert. Lediglich für Kalidünger sind die Preise zuletzt weiter gestiegen. Für die wichtigsten Stickstoffdünger wie Kalkammonsalpeter (KAS) und flüssige Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) blieben die Spotmarktpreise relativ stabil – ebenso wie für den wichtigsten Phosphordünger Diammoniumphosphat (DAP).
Und für Harnstoff sind die Spotmarktpreise in Europa sogar weiter zurückgegangen.Trotz der nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine wieder steigenden Gaspreise. Doch das wird leider nicht das letzte Wort sein. Je nachdem, wie lange die russische Invasion andauert, und wie sich die Sanktionen auswirken, werden die Düngerpreise den neuen Entwicklungen folgen. Wahrscheinlich wird es nach oben gehen. Für stärkere Preisrückgänge scheint vor Beginn der Frühjahrsbestellung ohnehin wenig Spielraum zu sein – weder in Europa noch in den USA. Aus China wird diese Woche zudem ebenfalls über steigende Dünger-Preise berichtet – allerdings vor allem bei Kalidünger.
Das Probelem ist: Russland ist einer der weltweit wichtigsten Lieferanten von Düngemitteln und verwandten Rohstoffen wie Schwefel. Die Russen waren im vergangenen Jahr der größte Exporteur von Harnstoff, NPK-Mehrnährstoff-Düngern (Stickstoff, Phosphor und Kalium), Ammoniak, HAN-Düngern (Stickstofflösungen) und von Ammoniumnitrat. Außerdem sind sie der weltweit drittgrößte Kaliexporteur und bei Phosphaten lag man auf Rang vier ebenso wie bei Schwefel. Diese Lücken sind durch alternative Lieferanten eigentlich nicht zu stopfen.
Russland und Weißrussland: 40 % des globalen Kalihandels
Zu den Hauptabsatzmärkten für russische Düngemittel und verwandte Rohstoffe gehören Brasilien - aber auch die Europäische Union und die USA. Indirekt wirken sich die Lieferstopps und Sanktionen eines so großen Dünger-Exporteuers jedoch auf den gesamten weltweiten Düngerhandel und die Preise aus. Kurzfristig wirkt sich der Ausfall Russlands – in Verbindung mit den Sanktionen gegen Weißrussland – wohl vor allem auf den Kalimarkt und die Kalipreise aus. Das lässt sich jedenfalls jetzt schon beobachten.
Russland und Weißrussland liefern zusammen rund 40 Prozent der weltweiten Kali-Exporte. Zu den Hauptabnehmern gehören China, Brasilien und Indien. In China ist der Kalipreis nach Ausbruch des Krieges deshalb um 30 Prozent gestiegen, berichtet die chinesische Zeitung Global Times. „Es gibt eine starke Korrelation zwischen dem heimischen Preis für Kalidüngemittel und dem internationalen Markt, angesichts der Tatsache, dass etwa 50 Prozent von Chinas Kalibebedarf importiert werden muss“, sagt ein chinesischer Marktanalyst.
China importiert jährlich rund 7 Millionen Tonnen Kali, davon entfällt ein relativ hoher Anteil auf Russland. Im Jahr 2021 kauften die Chinesen etwa 2,25 Millionen Tonnen russischen Kalidünger, was etwa 30 Prozent der Gesamtimporte entspricht.
China hat schon in Kanada gekauft – zu hohen Preisen
Der Preis für ostchinesisches Kaliumchlorid war bis zum 20. Februar auf 3.600 Yuan (570,6 USD) pro Tonne gestiegen, berichtet die Global Times. Das war der höchste Preis seit 10 Jahren und das Doppelte des Preises von Anfang 2021.
Nach Angaben der China Fertilizer Industry Association hatte ein chinesisches Verhandlungsteam für den Import von Kalidüngemitteln, das aus mehreren großen Düngemittelunternehmen wie Sinochem und dem in Kanada ansässigen Kaliunternehmen Canpotex bestand, kürzlich eine Einigung über einen Importvertrag für Kalidüngemittel für 2022 erzielt. Der Vertragspreis wurde mit 590 US-Dollar pro Tonne CFR (Kosten und Fracht) festgelegt und erreichte damit ein Fünfjahreshoch. Im Jahresvergleich war das ein Anstieg um 139 Prozent.
In Bezug auf die beiden anderen wichtigen Düngemittel bzw. Nährstoffe – Stickstoff und Phosphat – dürfte China als großer Exporteur hingegen relativ autark sein. Die chinesischen Inlandspreise für Stickstoff und Phosphordünger sind sogar etwa 30 Prozent niedriger als auf dem internationalen Markt, berichten chinesische Analysten. Allerdings hatte das Land auch massive Exportbeschränkungen und verschärfte Ausfuhrkontrollen für eine Reihe wichtiger Mineraldünger verhängt.
Auch bei Kalidünger hat China viel getan, um seine Selbstversorgung zu erhöhen. Im vorigen Jahr erreichte die gesamte Inlandsproduktion 8,6 Millionen Tonnen. Damit wurde die Abhängigkeit vom internationalen Markt von zuvor 90 Prozent auf 50 Prozent reduziert, sagte Wang Jianjiao, ein Marktanalyst, am Montag gegenüber der Global Times.
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