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Düngerabsatz

Käuferstreik bei Mineraldünger

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am Dienstag, 30.10.2018 - 15:47

Der Verkauf von Mineraldüngern an die Landwirtschaft ist drastisch eingebrochen.

Auf einen historischen Tiefstand gingen die Absatzmengen von Stickstoff im vorigen Wirtschaftsjahr zurück. Bei Phosphor schrumpften die Verkäufe auf den niedrigsten Wert seit 10 Jahren und bei Kali gab es ein 6-Jahrestief. Kalk orderten die deutschen Landwirte im vorigen Wirtschaftsjahr hingegen so viel wie nie zuvor.

Die Ursachen für den dramatischen Absatzeinbruch bei den wichtigsten Mineraldüngern liegen auf der Hand. Neben den unmittelbaren Folgen der extremen Dürre wirken auch die Auflagen der neuen Düngeverordnung. Hinzu kommen die sich seit dem Frühjahr verstärkenden Transportprobleme wegen des Niedrigwassers auf den großen Flüssen.

In Verbindung mit der bis zur Herbstbestellung andauernden Trockenheit dürfte dies im neuen Wirtschaftsjahr die verkauften Düngermengen weiter drücken. Außerdem hat sich im Ergebnis der sehr schlechten Ernte die Liquidität vieler Landwirte dramatisch verschlechtert und es ist einfach kein Geld für den Düngerkauf da.

So wenig Stickstoff wie noch nie

N Dünger

Der Verkauf von Stickstoffdüngern an die Landwirtschaft ist besonders deutlich eingebrochen. Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr schrumpfte die Verkaufsmenge aller stickstoffhaltigen Dünger um 10 Prozent auf knapp 1,5 Mio. t Stickstoff (N). Dies ist nach den Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) die bislang kleinste an die Landwirtschaft verkaufte Stickstoffmenge.

Seit 2014/15 beträgt der Absatzrückgang sogar knapp ein Fünftel. Pro Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche sinkt die eingesetzte Menge Stickstoff damit erstmals überhaupt unter 90 kg.

Am stärksten von allen Stickstoffdüngern schrumpfte der Absatz von Harnstoff. Hier meldet Destatis einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 28 Prozent auf einen ähnlich niedrigen Wert wie 2008/09. Beim wichtigsten deutschen Stickstoffdünger Kalkammonsalpeter (KAS) ging die Verkaufsmenge dagegen nur relativ moderat um 5 Prozent zurück. Dennoch wäre dies die kleinste bislang von deutschen Landwirten gekaufte Menge KAS.

Einen sehr kräftigen Einbruch von 15 Prozent wurde auch bei Ammonnitrat-Harnstoff-Lösung gemeldet. Auch bei diesem Flüssigdünger wäre dies die kleinste bislang verkaufte Menge.

P-Düngerabsatz auf 10-Jahrestief

P Dünger

Auf  den kleinsten Wert seit 10 Jahren brach der Verkauf phosphathaltiger Düngemittel ein. Im Vergleich zum vorigen Wirtschaftsjahr schrumpfte die Verkaufsmenge immerhin um 10 Prozent auf nur noch 209.000 t P2O5. Noch weniger P-Dünger haben die deutschen Landwirte bislang nur 2008/09 gekauft.

Dabei ging der Absatz des in Deutschland wichtigsten Phosphordüngers Diammonium-Phosphat (NP-Dünger) im Vergleich zum schwachen Vorjahr nur noch um 4 Prozent zurück. Gegenüber 2015/16 hat die Verkaufsmenge jedoch um ein Drittel abgenommen.

Bei allen übrigen P-Düngern sind die Verkaufsmengen zweistellig geschrumpft. Am stärksten war der Rückgang bei Superphosphat und bei den Mehrnährstoff-N-P-K-Düngern. Pro Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche schrumpfte die eingesetzte Menge Phosphordünger von 13,9 kg auf 12,5 kg.

Rückgang auch bei Kali

Kalidünger

Die kleineste Verkaufsmenge seit 10 Jahren meldete Destatis für Kalidünger. Hier schrumpft der Absatz gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 9 Prozent auf 391.000 t K2O.

Am besten lief der Verkauf im Kalisegment beim wichtigsten Kalidünger Kaliumchlorid. Hier ging der Verkauf nur um 4 Prozent zurück.

Deutlich stärker ausgeprägt war das Minus mit 15 Prozent bis 48 Prozent bei den Mehrnährstoffdüngern. Pro Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche schrumpfte die eingesetzte Menge Kalidünger von 25,8 kg auf 23,5 kg.

Kalkabsatz auf Rekordstand

Kalk

Eine Ausnahme bildet die Absatzentwicklung bei Düngerkalk. Hier kauften die deutschen Landwirte 10 Prozent mehr als im vorigen Jahr. Mit diesem Zuwachs erreichte die Absatzmenge mit knapp 2,9 Mio. t CaO sogar einen neuen Rekordwert.

Wichtigster Einzeldünger in diesem Segment ist sogenannter kohlensaurer Kalk (einschließlich Magnesiumkalk). Pro Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche nahm die eingesetzte Menge Kalkdünger von 157 kg auf 172 kg je ha zu.