Login
Düngerpreise

N-Dünger zu teuer: Landwirte kaufen nicht

Harnstoff3.jpg
Thumbnail
Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
30.08.2018

Die Preise für Stickstoffdünger sind in Deutschland kräftig gestiegen.

Auch am Weltmarkt hat sich Stickstoffdünger zuletzt deutlich verteuert. Und die Preisforderungen für den September haben sich an den wichtigsten internationalen Handelsplätzen nochmals kräftig erhöht.

Hersteller und Importeure dürften den nach oben gerichteten Vorgaben vom Weltmarkt wohl weiter folgen. Ob sich diese hohen Preise vor dem Hintergrund der sehr schwachen Nachfrage aus der Landwirtschaft jedoch durchsetzen lassen, ist noch offen.

Schwache Nachfrage aus der Landwirtschaft

Die Nachfrage aus der Landwirtschaft war in den letzten beiden Monaten ausgesprochen schwach. Händler berichteten, dass es sowohl für den Sofortbedarf als auch für die Voreinlagerung zuletzt kaum Käufer gab.

Die wegen der extremen Dürre überwiegend katastrophale Getreideernte brachte vielen Landwirten keine ausreichenden Erlöse für den unmittelbaren und auch längerfristigen Einkauf von Dünger und anderen Betriebsmitteln.

Ein beträchtlicher Teil der verfügbaren Erlöse muss zudem für den Einkauf von Futtermitteln für die sehr knapp versorgten Tierbestände aufgewendet werden sowie für den Einkauf von Saatgut.

Teilweise muss das geerntete Getreide auch an die eigenen Tierbestände verfüttert werden, kommt also gar nicht auf den Markt und bringt damit auch keine Erlöse. Etwas finanzielle Entlastung für die Landwirtschaft dürften die Direktzahlungen bringen. Je nach Marktlage könnte der Düngereinkauf dann etwas an Fahrt gewinnen.

Steigende Kosten für Transport und Energie

Bis Mitte September soll die extreme Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands offenbar anhalten. Das heißt nicht nur, dass die anstehende Rapsaussaat sich immer weiter verzögert, sondern dass ohne Regen auch kein Mineraldünger ausgebracht werden kann.

Dass die Ware trotz der schwachen Nachfrage regional dennoch knapp ist, hat ebenfalls mit dem Wetter zu tun. Die Trockenheit der letzten Wochen hat viele Flüsse fast ausgetrocknet oder unschiffbar gemacht. Wo ein Transport möglich ist, werden hohe Kleinwasserzuschläge erhoben, die die transportierten Düngemittel kräftig verteuern.

Hinzu kommt, dass sich seit Juli die Preise für Erdgas in Europa um rund 20 % verteuert haben. Ursache ist die ebenfalls hitzebedingte Ausweitung des Energieverbrauchs von Klimaanlagen. Erdgas ist jedoch in Europa und Nordamerika der mit Abstand wichtigste Kostenfaktor bei der Herstellung von Harnstoff und Ammonium. 

Harnstoff weiter verteuert

Harnstoffpreise

Die Preisforderungen für granulierten Harnstoff lagen Ende August an den deutschen Importhäfen bei 268 Euro/t. Damit sind die Kurse seit Anfang Juli um etwa 16 Euro auf den höchsten Stand seit Herbst 2017 geklettert.

Ursachen für den Preisanstieg waren neben den höheren Kosten am Binnenmarkt auch die höheren Kurse am Weltmarkt. Dabei zeigt die Preistendenz an den globalen Handelsplätzen für den September weiter nach oben. Für die folgenden Monate bis zum Ende des Jahres 2018 gehen die Preisforderungen dann leicht zurück.

Eine Ursache für den globalen Preisanstieg ist das knappe Angebot am chinesischen Binnenmarkt (sehr hohe Produktionskosten) und die entsprechend hohen chinesischen Preise.

Andere Anbieter wie die Ukraine haben Produktion ebenfalls gedrosselt. Die US-Sanktionen gegen den Iran sorgen zudem für den Ausfall eines weiteren wichtigen Anbieters. Gleichzeitig war die Nachfrage aus Indien und aus Brasilien relativ rege.

KAS kostet mehr, AHL unverändert

KAS Preise

Die Spotmarktpreise für Kalkammonsalpeter (KAS) lagen an den deutschen Importhäfen Ende August bei 211 Euro/t. Das waren 17 Euro mehr als Anfang Juli. Ähnlich hohe KAS-Preise mussten zuletzt zum Beginn des Jahres 2018 gezahlt werden. 

Die Forderungen für Ammonium-Harnstoff-Lösung (AHL) lagen an den deutschen Importhäfen Ende August bei 158 Euro. Das waren eben so hohe Kurse wie im Juli und Juni.

Auch interessant