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Düngermarkt und Düngerpreise

Preisexplosion bei Mineraldünger – wer soll das bezahlen?

Sack mit Mineraldünger - weiße Kügelchen
am Mittwoch, 17.02.2021 - 14:11 (1 Kommentar)

Landwirte, die ihren Dünger schon gekauft haben, dürften heilfroh sein. Denn: Die Einkaufspreise für Mineraldünger schießen durch die Decke.

Steiler Anstieg der Harnstoffpreise in Deutschland seit November 2020

So viel Geld mussten Ackerbauern für die wichtigsten Düngerarten schon lange nicht mehr ausgeben. Dabei sind die Preise schon im vorigen Jahr kontinuierlich gestiegen – doch jetzt kommt noch einiges hinzu, was diese außergewöhnliche Preisrallye anheizt.

Bis vor kurzem gingen die meisten Analysten – etwa von der Rabobank oder von der Weltbank – für das Jahr 2021 von moderat steigenden Düngerpreisen aus. Dieselbe Erwartung hatten die Analysten für Entwicklung der Energiepreise. Diese sind nämlich der wichtigste Kostenfaktor bei der Herstellung von Mineraldünger. Und das dürfte der erste ausschlaggebende Faktor für den steilen Anstieg der Düngerpreise sein.

Nun kommt es jedenfalls komplett anders als von den Analysten erwartet: Seit November hat sich Rohöl als wichtigster Indikator für die globale Wirtschaftsentwicklung nämlich um 70 Prozent verteuert. Gleichzeitig sind die Preise für Erdgas in Europa – der größte Kostenblock bei der Herstellung von Stickstoffdünger – um 65 Prozent gestiegen. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Düngerpreise.

Hinzu kommen noch einige zusätzliche (kurzfristige) Faktoren, die die Düngerpreise nach oben treiben: So verursachen arktische Temperaturen in den USA derzeit erhebliche logistische Probleme, da viele Flüsse, die den US-Golf mit dem Mittleren Westens verbinden, zufrieren. Auch in Europa und Russland hat das eisige Wetter der letzten Wochen die Versorgung mit Dünger und Agrarchemie merklich erschwert.

Hohe Getreidepreise – hohe Düngernachfrage

Verlauf der Erdgaspreise in Westeuropa von 2015 bis 2021

Und es gibt noch einen anderen Aspekt der Düngerpreise treibt: Das sind die weltweit hohen Getreidepreise und die deshalb in vielen Ländern kräftig anziehende Nachfrage aus der Landwirtschaft. Der Düngereinkauf für Frühjahrsbestellung und für die nächste Ernte gibt der Nachfrage noch einmal einen besonders starken Schub.

Eine Befragung des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hat gezeigt, dass die nordamerikanischen Farmer den Anbau vor allem von Mais – aber auch von Soja und Sommerweizen ­– überraschend stark ausweiten wollen. Das lässt sich unmittelbar an den Düngerpreisen ablesen, die sowohl am nordamerikanischen Kassamarkt als auch an den Exporthäfen in kurzer Zeit auf Mehrjahreshochs gestiegen sind.

Ähnliche Nachrichten kommen aus Südamerika, vom Schwarzen Meer und auch aus China. Fakt ist: Bis zu nächsten Ernte wird noch einige Zeit vergehen – doch sollte das Getreide-Angebot so stark wachsen wie prognostiziert wird, werden die Getreidepreise lange nicht mehr so hoch sein wie in diesem Jahr – bei gleichzeitig sehr hohen Kosten für Anbau und Produktion.

Unklar ist jedoch wie sich die Energiepreise und damit die Produktionskosten – auch für Dünger – weiter entwickeln. Den Ausschlag dürfte hier der weitere Verlauf der Corona-Pandemie und damit das Wachstum der Weltwirtschaft geben. Sollte die Krise länger dauen als derzeit erwartet und die Wirtschaft weiter schwächeln, dann könnten zumindest die Energiepreise schnell wieder abstürzen – und damit auch die Kosten. Doch das ist derzeit reine Spekulation.

Deutschland: Preise für Stickstoffdünger im Höhenrausch

Kalkammonsalpeter verteuert sich dramatisch am deutschen Importhafen

In Deutschland ging es im Februar jedenfalls mit den Düngerpreise steil nach oben – meist auf Mehrjahreshochs. Dabei dürften Anstieg der Energiepreise wohl den größten Anteil des Kostenanstiegs ausmachen. Hinzu kommt natürlich die neue CO2-Steuer, die die Produktion ebenfalls kräftig verteuert und natürlich auch die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung.

Hinzu kommt in den letzten Wochen das sehr kalte Wetter – das ähnlich wie die arktische Kältewelle in den USA die Logistik stört, denn Flüsse und Exporthäfen frieren zu oder sind nicht mehr verbunden.

Der wichtigste Stickstoffdünger in Deutschland ist Kalkammonsalpeter (KAS). Hier sind die Spotmarktpreise an den deutschen Importhäfen Mitte Februar auf  knapp 230 Euro je Tonne gestiegen. Das sind etwa 20 Euro mehr als im Januar und 35 Euro mehr als im Dezember. Im langfristigen Vergleich waren die Preise zuletzt Ende 2018 ähnlich hoch.

Noch steiler gingen die Preise für Harnstoff nach oben. Hier notierte man am Spotmarkt Preise von 370 Euro je Tonne. Das sind fast 90 Euro mehr als im Januar und zugleich die höchsten Preise seit vielen Jahren.

Phosphordünger sehr knapp und sehr teuer - Chinas Schuld?

Verlauf der Preise für Phosphordünger in Deutschland mit Preisanstieg Ende 2020

Für Phosphordünger waren die Preise schon im Jahresverlauf sehr kräftig gestiegen. Hier spielt offenbar die wegen der dortigen Corona-Maßnahmen wegbrechenden Exporte aus China und die dadurch zeitweise unterbrochenen Lieferketten eine große Rolle für die Verknappung am Weltmarkt. COVID-19 war also ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung der Phosphatpreise, da der Spitzenproduzent China im ersten Quartal 2020 überproportional betroffen war.

Chinesische Corona-Maßnahmen führten weltweit zu Versorgungsproblemen und trieben die Preise ab April letztendlich in die Höhe. „Die meisten großen Phosphatproduzenten in China, haben ihren Sitz  nämlich in Hubei, wo die Pandemie zum ersten Mal ausbrach und die Werke Ende des ersten Quartals geschlossen wurden“, sagt eine Analystin von ICIS Fertilizers.

Doch das Angebot hat sich im Jahresverlauf nicht wirklich verbessert, denn die meisten anderen großen Phosphatproduzenten wie Marokko, Saudi-Arabien oder Russland, konnten ihre Produktion nicht so schnell ausweiten. Und nun kommen die Energiepreisrallye und die anziehende Nachfrage vor der Frühjahrsbestellung noch hinzu.

In Deutschland sind die Preise für den wichtigsten Phosphordünger Diammoniumphosphat (DAP) Mitte Februar auf 452 Euro je Tonne nach oben geschossen. Das sind gut 50 Euro mehr als im Januar und die höchsten Preise seit Dezember 2018.

Etwas weniger steil ist der Preisanstieg bei Kalidünger – hier werden Mitte Februar knapp 240 Euro verlang und damit etwa 10 Euro mehr als zum Jahreswechsel. –

Insgesamt bleibt aber die Feststellung, das die Düngerpreise durchweg auf Mehrjahreshochs gestiegen sind. In Verbindung mit dem Kostenanstieg für Energie und ein ganze Reihe anderer Produktionsmittel frisst diese Kostenexplosion die erfreulich guten Erlöse für Getreide und Raps wohl wieder auf.

Den aktuellen Marktpreis für Phosphordünger können Sie auf agrarheute einsehen.

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