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Düngermarkt und Düngerpreise

Düngerpreise sind jetzt hoch genug – Yara fährt Düngerwerke hoch

Ammoniumdünger
am Donnerstag, 16.12.2021 - 13:45 (Jetzt kommentieren)

Yara kündigt an, seine Düngerwerke wieder hochzufahren. Die Produktion sei wieder profitabel, heißt es. Weltweit streiten Analysten über die Folgen der hohen Düngerpreise auf Angebot und Nachfrage – und über die weitere Preisentwicklung.

Dünger

Ein Großteil der europäischen Ammoniakproduktion des größten europäischen Stickstoffdünger-Herstellers Yara geht nach eigenen Angaben wieder in Betrieb. „Der Preis für Stickstoffdüngemittel ist auf ein Niveau gestiegen, bei dem es für uns rentabel ist, die Produktion zu starten. Und darüber hinaus ist auch der globale Ammoniakpreis sehr stark gestiegen", sagte ein Yara-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Preise für Stickstoffdünger und andere Mineraldünger hatten zuletzt in Europa, den USA, aber auch in China und Russland neue Rekordmarken erreicht – die deutlich über den bisherigen Allzeithochs lagen. Das Unternehmen sagte in einer Erklärung, dass es zwar bestrebt sei, die Kunden weiterhin zu beliefern, es jedoch nicht ausschließen könne, die Ammoniakproduktion bei Bedarf erneut zu drosseln.

Zahlreiche andere große Düngerhersteller wie das US-Unternehmen CF Industries Holdings, BASF oder die Stickstoffwerke Piesteritz haben die Produktion ebenfalls deutlich runtergefahren. Das norwegische Düngemittelunternehmen Yara hat den Großteil seiner europäischen Ammoniakproduktion nun wieder in Betrieb genommen, nachdem die Preise für Fertigdünger gestiegen sind.

Sind die hohen Erdgaspreise die Ursache für die Preisexplosion?

Düngersäcke

In der vorigen Woche hatten Farmer in den USA in einem Schreiben an das Justizministerium die Behörden aufgefordert, die hohen Düngerpreise zu untersuchen. Nach Einschätzung der Landwirte spielen die hohen Erdgaspreise nämlich nur eine begrenzte Rolle bei den Düngerpreisen. Vielmehr vermutet man fehlenden Wettbewerb aufgrund der hohen Marktkonzentration in der Branche als eine entscheidende Ursache für die Preisexplosion.

Nach Einschätzung von Yara und anderen Herstellern haben hingegen die rekordhohen Erdgaspreise und Logistikprobleme zu dem Preisanstieg geführt, der nach dieser Lesart eine rentable Düngerproduktion unmöglich machte. Yara (und andere Hersteller) haben die Ammoniakproduktion deshalb ab September in zahlreichen Werken in Europa gedrosselt oder komplett eingestellt.

Einschließlich geplanter Wartungsarbeiten und ungeplanter Ausfälle betrug die europäische Ammoniakproduktion von Yara nur noch noch 30 Prozent der normalen Kapazität von September bis November, sagt der größte europäische Stickstoff-Düngerhersteller in einer Mitteilung.

Das Unternehmen versuchte nach eigenen Angaben die unrentable Ammoniakproduktion in Europa durch die Beschaffung aus Werken außerhalb Europas und aus dem weltweiten Ammoniakhandels- und Versandnetzwerk von Yara zu ersetzen. Der Konzern kann weltweit 8,5 Millionen Tonnen Ammoniak pro Jahr produzieren, davon 4,9 Millionen Tonnen in Europa.

Nach Angaben von Analysten sind die europäischen Gasgroßhandelspreise in diesem Jahr zeitweise um bis zu 700 % gestiegen. Am Dienstag lag der europäische Benchmark-Preis für Erdgas um 570 % höher als zu Beginn des Jahres 2021.

Die Folgen für Düngerangebot und -nachfrage

Mineraldünger

Trotz der weltweit rekordhohen Düngemittelpreise im Jahr 2021 dürfte die weltweite Nachfrage nach Stickstoffdüngemitteln im Jahr 2022 steigen, glauben Analysten. Nach dieser Lesart wäre ein Einbruch der Nachfrage nicht in Sicht. Das zeigen verschiedene Untersuchungen. Allerdings weiß niemand so wirklich, wie sich das Einkaufsverhalten der Landwirte aufgrund der exorbitant hohen Düngerpreise und der auch sonst gerade explodierenden Produktionskosten verändert. Vieles wird wohl davon abhängen, in welche Richtung sich die Getreidepreise die nächsten Monaten und nach der neuen Ernte bewegen.

Möglicherweise könnten die hohen Düngerpreise mittelfristig auch zu einer starken Ausweitung des Angebots bzw. der Produktion führen – und zu einem scharfen Rückgang der Düngerpreise – wie nach dem letzten Preisrekord. Alles scheint derzeit möglich. Aber das dürfte noch etwas dauern. Nach Einschätzung der Organisation der internationalen Düngerhersteller IFA wird sich die Wachstumsrate der gesamten Düngernachfrage im Wirtschaftsjahr 2021/22 voraussichtlich verlangsamen.

Chris Lawson, Leiter der Düngemittelabteilung des Londoner Beratungsunternehmens CRU, sagte gegenüber dem Agrarportal DTN, dass der Nachfragerückgang durch höhere Stickstoffpreise überbewertet wurde. Lawson meint, Stickstoff sei ein ziemlich unelastisches Produkt. Obwohl es Probleme mit dem Angebot gebe, die zu deutlich höheren Preisen führen, würden die Landwirte immer noch den wichtigsten Nährstoff kaufen und anwenden.

„Es gibt verschiedene Sichtweisen auf die Zerstörung der Nachfrage“, betont jedoch auch Lawson. "Was passieren könnte, ist, dass Landwirte in einigen Regionen der Welt (etwa in den USA) ihren Stickstoff bekommen, aber Landwirte in anderen Teilen der Welt könnten sehr knapp versorgt werden.“

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg der Stickstoffpreise sind auch nach Einschätzung der meisten Analysten die sehr hohen Erdgaspreise, insbesondere in Europa. Die Erdgaspreise sind weltweit gestiegen, da die Länder ihre Volkswirtschaften wieder öffnen und die COVID-19-Beschränkungen aufheben.

Düngerpreise fallen erst im zweiten Halbjahr 2022

Auch der US-Hersteller CF Industries hatte im September die Produktion in zwei britischen Stickstoffanlagen wegen des explodierenden Erdgaspreises eingestellt. Ein Werk wurde eine Woche später wiedereröffnet, das andere im Oktober.

Während einige Landwirte und auch Analysten davon ausgehen, dass Düngerhersteller die Produktion einschränken, um den Preis zu erhöhen, ist Lawson überzeugt, dass die Hersteller von Stickstoffdüngemitteln so viel Produkt wie möglich produzieren. Viele Hersteller verzögern sogar die Wartung ihrer Anlagen, um weiterhin die dringend benötigten Tonnen Stickstoff zu produzieren, fügte er hinzu. Um von den extrem hohen Preisen zu profitieren - muss man hinzufügen - wie jetzt der europäische Hersteller Yara.

Wenn die Produktion auf Hochtouren läuft, wird das Angebot irgendwann die Nachfrage einholen und die Düngerpreise werden wieder fallen. Lawson glaubt, dass dies in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 zu sehen sein wird.

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