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In Europa wird der Zucker knapp

Zuckerrüben werden mit einer Lademaus verladen
am Freitag, 15.01.2021 - 11:19 (Jetzt kommentieren)

Nach einer schlechten Zuckerrübenernte im vergangenen Herbst wird Zucker in Europa knapp. Trotzdem sind die Zuckerpreise noch zu niedrig für eine nachhaltige Erholung in der Branche.

Dr. Hermann Schmitz

Mit nur 16,3 Mio. t wird die Produktion von Zucker einschließlich Isoglukose in der Europäischen Union plus Großbritannien im laufenden Wirtschaftsjahr voraussichtlich fast 10 Prozent kleiner ausfallen als im Vorjahr. Rechnet man die britische Erzeugung heraus, werden in der EU 2020/21 sogar nur 15,4 Mio. t Weißzuckeräquivalent produziert, fast 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus Zahlen der Europäischen Kommission und Berechnungen des Zuckerherstellers Pfeifer & Langen hervor.

Dr. Hermann Josef Schmitz, Leiter Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen, erwartet, dass die Zuckerindustrie womöglich schon ab Ende August nicht mehr in der Lage sein wird, die Ernährungsindustrie aus der vergangenen Rübenernte zu bedienen. Die Lücke bis zur neuen Ernte werden dann voraussichtlich Importe füllen.

Werksschließungen wirken sich aus

Schmitz führt die schwache europäische Ernte auf mehrere Ursachen zurück: Angesichts der schlechten Zuckerpreise haben die Landwirte den Rübenanbau zur Ernte 2020 EU-weit um 2,3 Prozent eingeschränkt. Vor allem die Erzeuger in Frankreich und Deutschland bauten weniger Zuckerrüben an, was auch mit der Schließung von fünf Werken in den beiden Haupterzeugerländern zusammenhängt.

In Polen, wo die Zuckerrübe durch gekoppelte Beihilfen gestützt wird, wurde der Anbau nach Schätzungen von Pfeifer & Langen hingegen um 10.000 Hektar ausgeweitet.

Katastrophale Rübenernte in Frankreich

Doch für die kleinere EU-Zuckerproduktion gibt es noch weitere Ursachen: In Frankreich, dem größten Erzeugerland, wurde eine geradezu katastrophale Ernte eingefahren. Ein extremer Befall mit dem Vergilbungsvirus sowie Trockenheit führten dort zur schlechtesten Ernte seit 20 Jahren. Schmitz bezifferte den Einbruch auf etwa 25 Prozent.

In Polen beeinträchtigte ebenfalls die Witterung die Ergebnisse; hinzu kamen Probleme mit der Cercospora-Blattfleckenkrankheit. Auch in Deutschland litten die Rüben regional erheblich unter dem Vergilbungsvirus und der Trockenheit im Frühjahr und Sommer. Die Ernte fiel laut Schmitz aber besser aus als zunächst erwartet.

Die Preise tendieren seit März 2020 seitwärts

Weisszuckerpreis in der Europäischen Union

Die Zuckerpreise haben sich in der EU voriges Jahr von der extrem niedrigen Talsohle in 2019 gelöst. Seit März 2020 verhindert nach Einschätzung von Pfeifer & Langen aber vor allem die Unsicherheit wegen der Corona-Pandemie eine weitere Preiserholung. Die Ernährungsindustrie ordert weniger Zucker als üblich.

Der von der EU-Kommission für Oktober 2020 genannte Durchschnittspreis blieb mit etwa 381 Euro/t Weißzucker weiter unter dem Referenzpreisniveau.

Für einen nachhaltig erfolgreichen Zuckerrübenanbau ist das nach Darstellung von Schmitz zu wenig. Eine weitere Preiserholung sei für eine wirtschaftliche Erzeugung unabdingbar.

Positive Aussichten für die Anbauplanung 2021

Zur Rübenernte 2021 erwartet Pfeifer & Langen in Europa einen stabilen Zuckerrübenanbau. Die Aussichten für die Anbauplanung beurteilt das Unternehmen positiv. Schmitz begrüßte ausdrücklich, dass in Deutschland für neonikotinoide Saatgutbeizen regional begrenzte Notfallzulassungen erteilt worden seien. Pfeifer & Langen werde die Auswirkungen auf die Virussituation und die Einhaltung der Auflagen sehr genau beobachten, unterstrich Schmitz.

Er ist überzeugt, dass auch 2022 Notfallzulassungen notwendig sein werden. Resistente Rübensorten mit gutem Ertragsniveau erwartet er erst in drei bis fünf Jahren im Anbau.

Eher positive Auswirkungen sieht Schmitz durch die Düngeverordnung für den Rübenanbau: Die Auflagen zur Reduzierung der Stickstoffdüngung in roten Gebieten stützen die Rübe in der Fruchtfolge, weil sie den organischen Stickstoff in tieferen Bodenschichten nutzen kann.

Mit Maus und Roder auf die Felder: Rübenernte 2020

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