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Extreme Dürre bedroht Landwirtschaft im Südwesten der USA

Rinder in der Mojave-Wüste in Kalifornien
am Dienstag, 25.05.2021 - 15:15 (Jetzt kommentieren)

Der Südwesten der USA wird von einer extremen Dürre heimgesucht. Die Landwirtschaft ist in Gefahr. Rufe nach einer Modernisierung der Wasserinfrastruktur werden laut.

Von der Dürre betroffen sind vor allem die Westküstenstaaten Kalifornien und Oregon. Aber auch die angrenzenden Bundesstaaten Nevada, Arizona, Utah und New Mexico weisen für die vergangenen Monate erhebliche Niederschlagsdefizite auf.

Das US-Landwirtschaftsministerium stuft in seinem letzten Dürrebericht mit Stand Mitte Mai rund 38 Prozent des Südwestens der USA als „extrem trocken“ und weitere 41 Prozent als „außergewöhnlich trocken“ ein. Das sind die beiden höchsten Dürrekategorien des regelmäßigen Monitorings. Vor einem Jahr um diese Zeit waren nur 1,7 Prozent des Südwestens so trocken.

Dauerkulturen sind von der Austrocknung bedroht

USDA Dürremonitor

Shelby Hagenauer vom US-Bauernverband Farm Bureau erwartet Einbußen bei Ackerkulturen, Futterpflanzen und Dauerkulturen. Dort, wo überhaupt noch eine Bewässerung möglich ist, werden die Farmer sich nach Einschätzung von Hagenauer darauf beschränken müssen, wertvolle Zitrus- und Nussbaumbestände vor dem Vertrocknen zu retten. An eine Bewässerung mit dem Ziel der Ertragsoptimierung ist nicht zu denken.

Die Dürre im Südwesten ist für die USA, aber auch den Export von erheblicher Bedeutung. Westlich der kontinentalen Wasserscheide sind etwa 80 Prozent der US-Produktion von Obst und Gemüse sowie von Nüssen angesiedelt. Aber auch die Rinderhaltung spielt dort eine große Rolle. Kalifornien ist der Bundesstaat der USA mit der am Abstand größten Milcherzeugung.

Die Grundwasservorräte sind stark dezimiert

Das USDA berichtet, dass überdurchschnittlich hohe Temperaturen in den vergangenen zwei Monaten im Westen zu einer schnellen Schneeschmelze führten. Wegen des ausgetrockneten Oberbodens erreichte das Schmelzwasser die Flüsse, Seen und Stauseen aber nicht. Der Pegel des Lake Tahoe an der Grenze von Kalifornien zu Nevada ist zurzeit etwa 80 cm niedriger als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr. Aufnahmen der NASA zeigen stark dezimierte Grundwasservorräte. Die Vegetation leidet massiv.

Tierhalter müssen die Fütterung einschränken, Rinder abschaffen oder Futter zukaufen. Da viele natürliche Tränken ausgetrocknet sind, müssen einige Farmer Trinkwasser für ihre Tiere mit Tankwagen anliefern lassen. Nach Einschätzung des Farm Bureau erleben die Rinderhalter in den USA in diesem Jahr den schlechtesten Start in die Weidesaison seit 1995.

60 Prozent der USA sind derzeit zu trocken

Die Trockenheit hat auch Teile des Mittleren Westens erreicht, wo Mais und Soja für den Weltmarkt angebaut werden. Besonders betroffen ist North Dakota. Aber auch in Michigan fehlt es an Regen. Das USDA stuft 88 Prozent des Maisanbaus in North Dakota und 96 Prozent in Michigan als dürrebedroht ein. Dabei ist die Trockenheit in North Dakota allerdings deutlich ausgeprägter als in Michigan. Ähnlich ist die Situation bei Soja.

Rund 60 Prozent der USA sind in eine der fünf Dürrekategorien eingestuft. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren das nur 31 Prozent.

Die Wettervorhersage lässt für den Südwesten der USA vorerst keine Besserung erwarten. Nach Einschätzung von Shelby Hagenauer wird es aber ohnehin nicht ausreichen, auf Regen zu hoffen. „Ein großer Teil der föderalen Wasserinfrastruktur im Westen ist 50 bis 100 Jahre alt“, sagt Hagenauer. Sie müsse dringend modernisiert und ausgebaut werden, um die Farmen, Familien und Gemeinden im Westen weiter mit Wasser zu versorgen.

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