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Futtermittelsicherheit

Afrikanische Schweinepest: Gefahr der Verbreitung durch Futtermittel?

ASP-Warnschild
am Samstag, 07.11.2020 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Die Bundesregierung stuft das Risiko einer Verbreitung des ASP-Virus über Futtermittel zwar grundsätzlich als gering ein, sieht allerdings einige sensible Punkte und offene Fragen. Das geht aus der Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP im Bundestag hervor.

Zu einer möglichen Übertragung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) durch Futtermittel gibt es noch relativ wenige Untersuchungen. Wie Uwe Feiler, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministerin, in Beantwortung der Fragen der FDP erklärt, ist das Thema auch auf europäischer Ebene bedeutend. Im Auftrag der EU-Kommission untersuche die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit derzeit das Risiko einer Übertragung der Tierseuche durch Futtermittel.

Übertragung der ASP durch Futtermittel möglich

Laut der wenigen bestehenden Untersuchungen könne das ASP-Virus nicht nur durch unbehandelte Schweinefleischprodukte, sondern auch durch kontaminiertes Wasser, Getreide Ölsaaten sowie daraus hergestellten Futtermehlen und Grünfutter oder Stroh übertragen werden. Stark belastetes Futter könne sogar nach einem transatlantischen Transport noch Ansteckungen verursachen, die Halbwertszeit des Virus liege zwischen 9,6 und 14,2 Tagen.

Verdacht auf ASP-Übertragung bei frischem Grünfutter

Da in Lettland und Estland die meisten Ausbrüche bei Hausschweinen im Sommer aufgetreten seien, vermuten manche Wissenschaftler einen Zusammenhang mit der Verfütterung von frischem Grünfutter. Eine entsprechende Nutzung wurde deshalb verboten. Auch Stroh dürfe nur verwendet werden, wenn es mindestens für sechs Monate sicher gelagert werde – also so, dass Wildschweine damit nicht in Kontakt kommen können.

Trocknung oder Erhitzen können ASP-Virus inaktivieren

Feiler verweist darauf, dass Konsens auf europäischer Ebene sei, dass das Risiko für Kontamination mit dem ASP-Virus in Grünfutter und Heu als gering betrachtet wird. Allerdings müsse möglicherweise belastetes Material unbedingt vor einer Verfütterung behandelt oder gelagert werden. Genaue Empfehlungen gibt es hierzu aber nicht. Frisches Gras oder Getreide sollten für mindestens 30, Stroh für mindestens 90 Tage außerhalb der Reichweite von Wildschweinen gelagert werden. In einem Experiment reduzierte eine Trocknung von Getreide bei Raumtemperatur für mindestens zwei Stunden (ursprüngliche Feuchtigkeit von 11,5-14,2 %) die Viruslast bereits so stark, dass keine Ansteckung mehr möglich war.
Der Staatssekretär erklärt, dass noch unbekannt sei, wie genau verarbeitete Futtermittel dekontaminiert werden könnten. Sicher sei, dass eine Erhitzung auf über 70 Grad den Virus inaktiviere. Auch eine Pelletierung sei dafür wahrscheinlich ausreichend.

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