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Futterversorgung

Biobauern leiden unter Futtermangel

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
14.11.2018

Viele Biobauern haben Probleme ihre Tiere mit Futter zu versorgen. Schuld ist die extreme bis in den Herbst andauernde Dürre.

In mehreren Bundesländern erlauben die zuständigen Behörden deshalb auch konventionelles Futter einzusetzen. Ganz besonders vom Futtermangel betroffen sind offenbar die Erzeuger von Biomilch.

In diesem Bereich haben nach der Milchpreiskrise 2016 besonders viele Betriebe auf Bio umgestellt. Damit hat aber auch der Bedarf an ökologisch erzeugtem Raufutter kräftig zugenommen. Im September hatte der Futtermangel bereits zu einer erkennbaren Dämpfung des sehr dynamischen Wachstums der Milchanlieferung geführt.

Diese Entwicklung wird sich angesichts der angespannten Versorgunglage mit Raufutter wohl weiter fortsetzen. Die verdorrten Weiden und das vertrocknete Ackerfutter bereiten aber nicht nur den Bio-Milchbauern Sorgen. Auch Mutterkuhalter, Bullenmäster und Schafhalter haben mit dem Futtermangel zu kämpfen.

Zukauf von konventionellem Futter erlaubt

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Wegen der extremen Futterknappheit dürfen Biobauern in mehreren Bundesländern auf Antrag auch konventionelles Raufutter zukaufen. Dies geschieht aufgrund einer Ausnahmeregelung der EU in Katastrophenfällen.

Beispielsweise kann in Niedersachsen bis zum 30. Januar 2019 Raufutter aus konventioneller Erzeugung zugekauft werden. Dieses Raufutter muss aber bis zum 30. Mai 2019 verfüttert werden. Zuvor müssen die Betriebe jedoch nachweisen, dass sie wegen der Dürre unter Futterknappheit leiden.

Auch andere Bundesländer haben vor dem Hintergrund der knappen Futterversorgung entsprechende Ausnahmegenehmigungen erteilt. Die von konventionell gefütterten Kühen erzeugte Milch kann zudem übergangsweise weiter als Biomilch verkauft werden.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖWL) zeigt jedenfalls Verständnis für die “existenzielle Not” der Biobauern. BÖWL-Geschäftsführer Peter Röhrig sagte dazu, dass es sich trotz der übergangsweisen konventionellen Fütterung weiterhin um Biomilch handele.

Bioverbände wollen Tiere retten

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Die Bioverbände Demeter und Bioland sind bei der Handhabung der Ausnahmeregelungen etwas restriktiver. Sie akzeptieren lediglich den Zukauf von Gras/Grassilage und Heu, nicht aber von Silomais.

„Es gehe darum, die Betriebe und die Tiere zu retten“, sagte dazu Demeter-Sprecherin Antje Kölling. Das Gesetz sehe für Katastrophenfälle diese Möglichkeit vor. Außerdem hat man zusammen mit anderen Ökoverbänden wie Naturland und Bioland eine Futterbörse eingerichtet. "Wir versuchen alle möglichen Quellen für Biofutter auszuschöpfen", sagen die Bio-Verbände.

Dagegen besteht die Molkerei Arla auf der Fütterung mit ökologisch erzeugtem Futter. Ihre Lieferanten können die Milch von konventionell gefütterten Kühen also nicht als Bio-Milch vermarkten. Das bedeutet auch, dass die betroffenen Biolandwirte weniger Geld für die angelieferte Milch bekommen.

Dürre macht Flächenzuwachs zunichte

Ökogrünland

In den letzten Jahren haben viele Betriebe auf bio umgestellt. Ganz besonders stark war der Zuwachs bei der Milch, nach der Milchpreisekrise 2016. Die letzten Erhebungen zeigen deshalb auch einen kräftigen Zuwachs beim ökologisch bewirtschafteten Grünland und Ackerland.

Allerdings sind auch erheblich mehr Tiere mit dem verfügbaren Biofutter zu versorgen und die Erträge sind im Dürrejahr 2018 drastisch eingebrochen. Außerdem bringen die ökologisch bewirtschafteten Grünland- und Ackerfutterflächen nach der Umstellung in der Regel geringere Erträge als die vergleichbaren konventionellen Flächen. Je nach bisheriger Intensität der Bewirtschaftung kann der Futterertrag (auch ohne Dürre) um 30 bis 50 Prozent zurückgehen.

Allerdings haben die ökologisch bewirtschaften Grünlandflächen im vorigen Jahr sehr kräftig um 70.000 ha auf insgesamt 670.000 ha zugenommen. Das biologisch bewirtschaftete Ackerland (einschließlich Ackerfutter) wurde im gleichen Zeitraum um 50.000 ha auf  etwa 560.000 ha ausgeweitet.

Zu diesem kräftigen Flächenplus haben nach Einschätzung der AMI vor allem die neuen Bio-Milchviehbetriebe beigetragen. Sie haben ihre Ackerflächen zur eigenen Futterversorgung umgestellt. Trotzdem wird es schwer die Milchkühe ausreichend zu versorgen, wie die rückläufigen Anlieferungsmengen zeigen.

Weitere Informationen zur aktuellen Entwicklung am Bio-Milchmarkt finde Sie auch auch in der akteullen Ausgabe von agrarheute.

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Aktuelles Heft Dezember 2018

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