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Futterversorgung

Dürre drückt Silomaisernte in Europa

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
06.09.2018

Tierfutter ist nicht nur in Deutschland knapp und teuer. Auch in anderen europäischen Ländern hat die extreme Dürre den Aufwuchs und die Produktion der wichtigsten Futtermittel stark beeinträchtigt.

Dazu gehören neben den Wiesen und Weiden auch die daraus produzierte Grassilage sowie der für die Tierfütterung benötigte Silomais bzw. Grünmais. Hinzu kommen natürlich Heu und heimische Eiweißfuttermittel sowie Futtergetreide.

Den Zustand der Wiesen und Weiden beschrieb die EU-Kommission in ihrem letzten Monitoring-Bericht für die Länder Nord- und Mitteleuropas als den schlechtesten seit Beginn der Beobachtung im Jahr 1999.

Besonders betroffen waren neben Deutschland die skandinavischen Länder, der Beneluxraum, Teile des Baltikums, aber auch Tschechien, Irland und England sowie der Nordwesten Frankreichs. England und Irland meldeten sogar die schlimmste Trockenheit seit 40 Jahren.

Lediglich in Polen hat es ab Mitte Juli wieder geregnet. Der zunächst ebenfalls katastrophale Zustand der Wiesen und Weiden hat sich dort daraufhin wieder etwas verbessert. 

Grünmaiserträge brechen ein

Abgeerntetes Silomaisfeld

Aber nicht nur Wiesen und Weiden lieferten in den betroffenen Regionen wenig Raufutter. Auch der Aufwuchs von Grünmais/Silomais blieb in den meisten dieser Länder deutlich hinter den sonst üblichen Werten zurück.

Die EU-Kommission schätzte die Grünmaiserträge für die gesamte Europäische Union Ende August auf nur noch auf 37,7 t/ha. Das wären 15 % niedrigere Erträge als im guten Vorjahr und 10 % weniger als im langjährigen Mittel.

Besonders drastisch nach unten korrigierte die Kommission die Erträge in Deutschland. Hier wurden die Silomaiserträge im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 36,1 t/ha gesenkt. Ähnlich deutlich setzte die Kommission die erwarteten Erträge in den Niederlanden herab.

Zweistellige Ertragseinbußen werden zudem in Tschechien, Irland, Belgien und Frankreich erwartet. Polen könnte indessen fast den Durchschnittswert der Vorjahre erreichen.

Deutlich über dem langjährigen Mittel liegen die Erträge aufgrund ausreichender Regenfälle in Rumänien, Bulgarien, Ungarn und der Slowakei. In den genannten osteuropäischen Ländern rechnet man zudem mit einer sehr guten Körnermaisernte.

Körnermais als Grünmais geerntet

Grünmaisfläche

Im vorigen Jahr erreichte die europäische Grünmaisernte eine Größenordnung von knapp 270 Mio. t. Das war die bislang größte Produktionsmenge, denn die Anbaufläche war von 2011 bis 2016 um rund 460.000 ha auf etwa 6,25 Mio. ha angewachsen. Das ist etwa so viel wie die europäische Rapsfläche.

Die Anbaufläche von Körnermais mit etwa 8,4 Mio. ha wird jedoch um etwa 2,15 Mio. ha verfehlt. In diesem Jahr dürften in den besonders von Trockenheit betroffenen Ländern einige für die Produktion von Körnermais bestimmte Flächen zur Silomaisproduktion umgewidmet worden sein.

So hat der Deutsche Raiffeisenverband die erwarteten Ernteflächen von Körnermais „in den südlichen und westlichen Bundesländern zwischen 10 und 25 Prozent verringert und in den nördlichen und östlichen sogar um bis zu 85 Prozent“.

Kleinste Grünmaisernte seit 2011

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Die größten europäischen Produzenten von Grünmais in der EU sind die Länder mit den größten Rinderbeständen und im Fall Deutschlands auch die mit den meisten Biogasanlagen. Deshalb ist Deutschland mit deutlichem Abstand vor Frankreich der größte Silomaiserzeuger der EU.

Gut ein Drittel der europäischen Grünmaisernte werden auf deutschen Feldern erzeugt und knapp ein Viertel in Frankreich. Dahinter folgen dann Polen mit einem Produktionsanteil von etwa 9 %, Italien mit 5 % sowie Tschechien und die Niederlande mit jeweils 4 % der europäischen Grünmaisernte. Von den sechs wichtigsten Produzenten sind außer Polen und Italien alle von dem dürrebedingten Ertragseinbruch bei Grünmais betroffen.

Die Kommission hatte in diesem Jahr ursprünglich mit einer Ausweitung des europäischen Grünmaisanbaus um etwa 80.000 ha auf rund 6,25 Mio. ha gerechnet (wie 2016). Möglicherweise könnte die Erntefläche am Ende sogar noch etwas größer ausfallen.

Unterstellt man die zuletzt geschätzten Grünmaiserträge von 37,7 t/ha, ergibt sich eine Erntemenge von etwa 233 Mio. t. Das wäre im Vergleich zum vorigen Jahr ein Rückgang von 37 Mio. t bzw. 14 % und damit die kleinste Ernte seit 2011.

Beim Top-Produzenten Deutschland ergibt sich nach den derzeit vorliegenden Daten ein Produktionsrückgang von 22 % auf etwa 78 Mio. t. In Frankreich schrumpft die Produktion von Silomais um 16 % auf etwa 54 Mio. t.

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