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Futterversorgung

Dürre lässt Futterpreise explodieren

am Mittwoch, 18.07.2018 - 12:23 (Jetzt kommentieren)

Die Auswirkungen der Dürre auf die Versorgung der Tierbestände mit Futter werden immer dramatischer.

Besonders im Norden und im Osten Deutschlands hat die Trockenheit viele Wiesen und Weiden verdorren lassen. Die Ernte von Heu, Stroh und Futtergetreide fällt katastrophal aus. Auch die Produktion von Grassilage und Silomais für die Futterversorgung im Winter bricht ein.

Die Folge ist, dass die Futtermittel in den betroffenen Regionen extrem knapp und teuer sind. Aber auch wer bereit ist, hohe Preise zu zahlen, hat Probleme. Der Transport der Futtermittel aus weiter entfernten Regionen ist in der Regel unwirtschaftlich.

Damit sind viele Betriebe gezwungen, ihre Tiere früher zu schlachten, um den verbleibenden Bestand vielleicht noch einigermaßen zu versorgen. Aber bei diesen Tieren leidet dann die Leistung. Das noch verfügbare Futter hat nämlich meist eine schlechte Qualität.

Hilfen könnten zu spät kommen

Die Bundesländer haben als erste Reaktion die ökologischen Vorrangflächen für die Futterversorgung freigegeben, um die größte Not zu lindern. Aber das ist meist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Europäische Kommission hat nun die Erlaubnis erteilt, die Beihilfen aus der GAP früher als sonst an die Landwirte auszuzahlen. Aber auch diese Hilfe könnte für viele betroffene Landwirte zu spät kommen. Oftmals reicht das verfügbare Futter noch bis zum Herbst. Dann wäre eigentlich die Anschlussversorgung aus der neuen Ernte dran.

Aus den regionalen Bauernverbänden kommt deshalb die Forderung, den Notstand auszurufen. „Nur so hätten die Landwirte eine Chance, zusätzliches Geld vom Bund und der EU zu bekommen“, meint Sachsens Bauernpräsident Vogel.

Um einen flächendeckenden Notstand festzustellen, benötigen die Bundesländer jedoch die offiziellen Erntedaten des Landwirtschaftsministeriums. Diese Daten kommen aber erst im August. Sachsens Landwirtschaftsminister Schmidt hat den Landwirten bereits finanzielle Hilfe zugesichert. „Betriebe, die mehr als 30 Prozent ihrer Durchschnittsernte verlieren, sollen 80 Prozent des Ertragsausfalls ersetzt bekommen“.

Norddeutschland: Stroh teurer als Getreide

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Besonders hart von der Dürre und Futterknappheit betroffen sind der Osten und der Norden Deutschlands. So berichtete der Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Claus Heller, gegenüber den Lübecker Nachrichten: „Wir erwarten Ertragsminderungen von bis zu 50 Prozent. Einige Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht.“

Der Geschäftsführer der Kammer, Peter Levsen Johannsen, ergänzte: „Es fehlen Unmengen an Stroh, sowohl als Futter wie als Einstreu. Es gibt Regionen, in denen ist Stroh schon teurer als Getreide.“ Auch das Saatgut werde knapp. Diese Einschätzungen werden aus anderen Teilen Nord- und Ostdeutschlands bestätigt.

Vereinzelt wird über Strohpreise von 200 Euro/t und mehr berichtet. Das wären nicht nur doppelt so hohe Preise wie im Vorjahr, sondern auch deutlich mehr als das ebenfalls knappe und teure Futtergetreide kostet. Allerdings fließt die Futtergerste oft nicht in den Handel, sondern wird für die Versorgung der eigenen Tierbestände benötigt oder direkt an den Nachbarbetrieb verkauft. Bereits abgeschlossene Lieferverträge können oftmals nicht erfüllt werden.

Extremer Futtermangel im Osten

In vielen Regionen Ostdeutschlands nimmt die Dürre verheerende Ausmaße an. Ein Ende der Trockenheit ist trotz vereinzelter Regenfälle und Gewitter nicht in Sicht. Oftmals sind die Getreideerträge nur halb so hoch wie in normalen Jahren. Das Futter verdorrt auf den Feldern. Bei Futtergerste meldeten die verantwortlichen Landwirtschaftsämter nur Erträge von 35 bis 50 dt/ha bei sonst üblichen 70 bis 90 dt/ha. 

Ähnlich dramatisch sind die Auswirkungen auf den Wiesen und Weiden. Der zweite Aufwuchs ist oft direkt vertrocknet. Bei einer Feldbesichtigung in Sachsen-Anhalt berichtete der Landwirt Otto Ränsch der Landwirtschaftsministerin des Landes, Claudia Dalbert, er habe wegen der extremen Dürre dieses Jahr nur rund 700 kg/ha Heu ernten können. Normal sei mindestens das Vier- oder Fünffache.

Ränsch berichtete gegenüber dem MDR von einer "verheerenden Situation". In vier bis fünf Wochen seien die Futterflächen leer gefressen. Zwar helfe zunächst eine Notlösung, um die Futtersituation etwas zu verlängern, meint Ränsch, aber: "Dann wissen wir auch nicht weiter.“ Zudem sind Transporte für zugekauftes Futter deutlich zu teuer. Dalbert kündigte an, das Land werde prüfen, ob der "Notstand" ausgerufen werden könne.

Sehr hohe Preise auch für Futtergetreide

Gerstenernte

Noch lässt sich die extreme Futterknappheit im Norden und Osten nicht überall an den offiziell gemeldeten und erfassten Preisen für Heu und Stroh ablesen. Das liegt wohl auch daran, dass die Ernte noch in vollem Gange ist. Im Süden und Westen ist die Situation wegen der wiederholten Regenfälle ohnehin nicht so dramatisch wie im Norden und Osten. Dennoch sind Preise für Futtergetreide zuletzt deutschlandweit kräftig gestiegen.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) erwartet die kleinste deutsche Getreideernte seit mindestens zehn Jahren. Deshalb befinden sich die Preise für Futtergerste auf dem höchsten Stand seit etwa vier Jahren. Am wichtigsten norddeutschen Handelsplatz in Hamburg werden für Futtergerste aktuell 183 Euro/t geboten. Zur Anlieferung im September liegen die Angebotspreise sogar bei 187 Euro/t.

Futterweizen notiert man in Hamburg ähnlich teuer wie Gerste mit 183 Euro/t und für September mit 185 Euro. Das ist der höchste Preis seit gut drei Jahren. Sehr hohe Preise werden zudem auch für Futterhafer geboten. Mit rund 192 Euro/t handelt man den Hafer so teuer wie zuletzt vor vier Jahren.

Im Unterschied zu den nord- und ostdeutschen Bundesländern existiert im Süden beim Bayerischen Bauernverband eine Futterbörse, an der Landwirte Futter kaufen und verkaufen können. Dort liegen die Angebotspreise für Gersten- und Weizenstroh der aktuellen Ernte derzeit bei etwa 100 Euro/t. Das ist zwar deutlich weniger als im Norden und Osten genannt werden, jedoch ein Drittel mehr als im vorigen Jahr.

Live vom Feld: Ernte 2018

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