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Futterversorgung

Futtermangel bedroht Existenzen

am Freitag, 15.03.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Raufutter ist extrem knapp und teuer. Bis zur neuen Futterernte spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Die Versorgung die Tierbestände mit Raufutter ist weiterhin extrem angespannt. Das zeigen die Rekordpreise die für das überhaupt noch gehandelte Heu und die Grassilage geboten werden. Diese sind die letzten Monate auf immer neue Höchstwerte geklettert. Auch Raiffeisengenossenschaften und Bauernverbände bestätigen die extrem schlechte Versorgungslage auf den Betrieben.

Besonders betroffen sind die Tierhalter im Nordwesten, im Osten und im Norden Deutschlands. Im Süden ist die Versorgungslage offenbar besser. Um die Versorgungslücken zu stopfen und die Qualitätsmängel der Heu- und Grasernte aus dem Dürrejahr 2018 zu kompensieren, mussten viele Betriebe mehr Mischfutter und Futtergetreide zukaufen.

In Verbindung mit den sehr hohen Preisen für Futtergetreide hat dies die Futterkosten geradezu explodieren lassen. Zudem waren nach der miesen Ernte 2018 auch Stroh und andere alternative Futtermittel wie Rübenblatt, Trester, Melasse und Rübenschnitzel sehr knapp und ungewöhnlich teuer.

Futterpreise steigen von Woche zu Woche

Heupreise

Bis zum möglichen Weideaustrieb und dem ersten Schnitt werden jedoch noch einige Wochen vergehen. Die Probleme bei der Versorgung der Tierbestände mit Futtermitteln werden sich weiter verschärfen.

Bereits Ende Januar berichtete beispielsweise die Raiffeisengenossenschaft Lippe-Weser AG, dass die Vorräte an Heu wohl nicht bis Saisonende reichen werden. Die angebotenen Partien müssen rationiert oder für Stammkunden zurückgehalten werden. Die Preise steigen von Woche zu Woche und bei dem „limitiertem Angebot wird gekauft was da ist, auch wenn die Qualität zu wünschen übrig lässt.“ Und selbst für schwache Partien lassen sich höhere Preise als noch im Vormonat durchsetzen.

Ähnliche katastrophal ist die Raufutter-Versorgung im Osten. Nach Angaben des Landesbauernverbands Sachsen (SLB) sind die Heupreise in Sachsen um 100 Prozent gestiegen. Bei Stroh sieht es ähnlich aus. In allen Regionen Sachsens gebe es Probleme. Ein Zukauf sei trotz der hohen Preises kaum möglich. "Es gibt wenig beziehungsweise nichts", sagte SLB-Hauptgeschäftsführer Manfred Uhlemann.

Grünroggen als Notnagel

raufutter

Viele Betriebe stehen also mit dem Rücken zur Wand. Bis Ende 2018 ließen sich der extreme Futtermangel und  die sehr hohen Futterkosten bislang nicht an stark rückläufigen Rinderbeständen oder an deutlich sinkenden Milchleistungen ablesen. Zur Novemberzählung gab es in Deutschland knapp 2 Prozent weniger Kühe als im Mai. 

Das könnte sich vor dem Hintergrund der sich weiter zuspitzenden Versorgungslage jedoch noch ändern, glaubt der sächsische Bauernvertreter Manfred Uhlemann. Wenn nicht mehr genug Futter vorhanden sei, bleibe den Betrieben nur eine Möglichkeit: Sie müssten die Bestände reduzieren. Mit sichtbaren Auswirkungen auf die Bestände rechnen der SLB und andere Verbände erst im Laufe des Jahres 2019 – also zu Maizählung.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) verweist in seiner ersten Ernteschätzung für 2019 ebenfalls ausdrücklich auf die Futterknappheit in den Betrieben. Dabei geht der DRV davon aus, dass die starke Expansion des Roggenanbaus um etwa 110.000 ha auch auf den hohen Futterbedarf zurückzuführen ist. „Aufgrund der Futterknappheit in vielen Vieh haltenden Betrieben dürfte ein hoher Anteil der zusätzlichen Anbaufläche als Grünroggen geerntet werden“, kommentiert der DRV die Entwicklung. 

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