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Trockenheit und Futterknappheit

Futtermangel: Silomais-Ernte kann Futterlöcher nicht stopfen

Die Silomaisernte beginnt in wenigen Wochen.
am Dienstag, 01.09.2020 - 05:00 (1 Kommentar)

Der Regen der letzten Tage hat dem Mais gutgetan. Dennoch: Viele Bauern haben das dritte Jahr hintereinander mit Futterknappheit zu kämpfen.

Futter bleibt knapp.

Fakt ist nämlich: Für manche Silomais-Bestände kam der Regen zu spät, um Erträge und Futterwert noch spürbar nach oben zu bekommen. Der Grund: Wegen des in vielen Regionen erneut sehr trockenen und zuletzt auch noch extrem heißen Wetters, hat der Mais oft keinen oder nur einen mickrigen Kolben gebildet.

Die Futterlücken die viele Milchbauern nach drei Trockenjahren irgendwie stopfen müssen, lassen sich mit der kommenden Silomaisernte deshalb wohl nicht füllen – auch wenn die Bauern mancherorts mit ihren Maisbeständen und der erwarteten Silomaisernte durchaus zufrieden sein dürften. Das gilt vor allem dort, wo es lokal immer mal wieder geregnet hat.

Doch in einigen Regionen – wie etwa in Nordfranken – „stehen die Bauern, bei der Fütterung ihrer Tiere mit dem Rücken zur Wand", sagt Peter Köninger, Obmann des Fürther Kreisverbands im Bayerischen Bauernverband (BBV). Denn schon die Grassilage- und  Heuproduktion blieb in den besonders von Trockenheit  betroffenen Regionen weit hinter den Erwartungen zurück.

Silomais: Rekordhohe Anbaufläche – schwache Erträge

Die Siloamaisernte bliebt unter dem langährigen Mittel.

Je nach Region und Reifezustand beginnt die Ernte von Silomais eigentlich von Mitte September bis Anfang Oktober. In einigen Gebieten – wie etwa in Unterfranken – beginnt die Silomaisernte in diesem Jahr aber schon zwei bis drei Woche früher. Grund ist die Trockenheit. Für die Erträge bedeutet das jedoch nichts Gutes: Gerade dort, wo die Maschinen besonders früh auf den Feldern rollen sind, hätten die Pflanzen kaum Kolben gebildet.

Eine offizielle Ertragsschätzung seitens des Bundesministeriums (BMEL) oder vom Statistischen Bundesamt gibt es noch nicht – bisher wurden lediglich die Anbauflächen für den Anbau von Silomais erfasst. Diese sind mit knapp 3,0 Millionen Hektar nicht nur höher als im vorigen Jahr, sondern befinden sich auch auf einem neuen Rekordstand. Doch die Erntemenge dürfte ziemlich weit von den bisherigen Rekordernten der Jahre 2014 und 2017 entfernt sein.

Die Crop-Monitoring-Agentur der EU-Kommission (MARS) schätzte den möglichen Ertrag im August auf 40,1 Tonnen je Hektar – und damit zwar etwas höher als im schwachen Vorjahr – jedoch knapp 3 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Aus der bislang unterstellten Anbaufläche und den geschätzten Erträgen würde sich rein rechnerisch eine Silomaisernte von 92 Millionen Tonnen ergeben – nach 87 Millionen Tonnen im vorigen Jahr.

Doch sicher ist diese Erntemenge angesichts des erbärmlichen Zustands vieler Bestände nicht. So berichte etwa der Landwirt Matthias Kohl aus dem fränkischen Laubendorf Ende August: Der Mais präsentiert sich, je nach Zeitpunkt der Aussaat sehr unterschiedlich. Einmal ganz ansehnlich mit gut drei Meter Höhe – das ist aber die absolute Ausnahme. Dann etwa zwei Meter mit mickrigen Kolben, die übliche Variante dieses Jahres. Und außerdem keine 1,80 Meter hoch und ohne Kolben. Der Mais ist aber die wichtigste Futterquelle für die 80 Milchkühe von Matthias Kohl.

Regional riesige Unterschiede – Niederschlag und Bodentypten

Die Silomaisernte beginnt in weniegn Wochen.

In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ist die Verfassung der Maisbestände regional ebenfalls sehr unterschiedlich. Die Futterversorgung ist auf vielen Betreiben ohnehin extrem angespannt. „Einige Landwirte haben bereits ihre Wintergerste und Triticale häckseln lassen und als Viehfutter einsiliert oder in einer Biogasanlage verwertet“, sagt Hugo Lohmann, von der Raiffeisen-Warengenossenschaft Hunte-Weser.

Ganz entscheidend für Getreide und Futterpflanzen sei es gewesen, wo die Regenschauer örtlich runtergekommen sind. Dort, wo es immer wieder regnete, haben die Pflanzen noch einen Wachstumsschub bekommen.“

Viele Landwirte hoffen dennoch auf die bevorstehende Maisernte. „Leider sieht es auch hier an einigen Stellen nicht gut aus“, sagt der Landwirt Georg Oltmann aus Sandhatten. Gerade beim Mais werde deutlich, welchen Einfluss die Bodentypen auf den Ertrag haben.

„An manchen Stellen steht der Mais gut und auf benachbarten Flächen ist er klein geblieben,“ sagt Oltmann. Im August bildet der Mais eigentlich seine Kolben aus – das Wichtigste und Energiereichste an der Pflanze. Doch die Pflanzen brauchen dafür ordentlich Regen.

Futter-Zukauf reißt neue Löcher in die Betriebskasse

Die regionalen Ertragsunterschiede bei Silomais sind groß.

Nicht wenige Landwirte befürchten mit der neuen Maisernte nicht genug Ertrag zu erzielen, um übers Jahr zu kommen. Denn die Vorräte sind nach drei Trockenjahren aufgebraucht. „Früher gab es alle zehn Jahre mal eine so extreme Trockenheit, das konnten die Bauern dann gut verkraften. Bei drei Jahren in Folge wird es aber eng. Die Gewinnmargen sind einfach zu klein, um sich in dieser Zeit eine Rücklage zu schaffen“, sagt Bernhard Conzen von der Kreisbauernschaft Heinsberg in Nordrhein-Westfalen.

Und auch wenn einige Landwirte glimpflich davongekommen seien, sagt Conzen, ändere das nichts an der kritischen Situation.“ Nicht wenige Landwirte müssen wohl erneut Futter zukaufen, was ein weiteres Loch in die Betriebskasse reißt. Davon geht jedenfalls Hubert Fell aus, Ortslandwirt für Erkelenz im Rheinland. Er hat 50 Milchkühe und baut deshalb auch Futtermais an.

Die am 5. Mai ausgebrachte Maispflanzen müssten laut Fell zum jetzigen Zeitpunkt normalerweise schon drei bis vier Meter groß sein, es sind aber nur 1,50 Meter. Außerdem haben viele Pflanzen keine Kolben gebildet. „Wenn Ende September geerntet wird, droht ein Verlust von bis zu 50 Prozent“, befürchtet Fell.

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