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Futterversorgung

Futtermangel verschärft sich

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
02.11.2018

Die Probleme bei der Versorgung der Tierbestände mit Futtermitteln werden sich in den nächsten Monaten verschärfen.

Raufutter

Sowohl bei Raufutter als auch bei Silomais ist die Produktion in Folge der Dürre massiv eingebrochen. Dabei sind nicht nur die erzeugten Futtermengen ähnlich klein oder sogar noch kleiner als zur letzten extremen Dürre im Jahr 2003. Auch der Futterwert des Raufutters, ausgedrückt in Energie und verdaulichem Eiweiß, ist weitaus geringer als dies in normalen Jahren der Fall ist.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Landwirtschaft aus dem Einsatz von wirtschaftseigenem Futter wie Gras, Grassilage, Silomais, Heu und Stroh gut die Hälfe der gesamten energetischen Versorgung der Tierbestände und beinahe 40 Prozent des Eiweißbedarfs abgedeckt.

Das zeigen jedenfalls die Daten und Berechnungen der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) aus den letzten Jahren.

Grundfutter ist wichtigster Energielieferant

Silomais

Insgesamt ist der Anteil des in den Betrieben erzeugten Grundfutters (Raufutter und Silomais) an der energetischen Versorgung der Tierbestände höher als der Beitrag des gesamten Futtergetreides.

Bei der Versorgung der Tiere mit Eiweiß erreicht Grundfutter einen höheren Anteil als die Ölschrote aus Raps und Sojabohnen. Wichtigster Energielieferant unter den nicht marktgängigen wirtschaftseigenen Futtermitteln ist Silomais. Der Anteil von Silomais an der gesamten Energieversorgung der Tierbestände liegt unter normalen Bedingungen bei fast einem Fünftel.

Durch Grassilage/Gras, Heu und Zwischenfrüchte wird ein weiteres Drittel des tierischen Energiebedarfs abgedeckt. Der Rückgang der Produktion von Silomais und von Gras/Grassilage um ein Fünftel bis ein Viertel hat also erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung der Tierbestände, insbesondere auf die Situation bei Milchkühen und anderen Rindern.

Auch andere Futtermittel knapp

Energieversorgung

Ein Ausgleich der Produktionsbußen bei Silomais, Gras/Grassilage und Heu durch andere Futtermittel ist zudem kaum möglich. Fast alle für die Futterproduktion in Frage kommenden Kulturen sind nämlich ebenfalls von den Folgen der extremen Dürre betroffen.

So hat die weit in den Oktober andauernde Trockenheit auch den Anbau und die Produktion von Zwischenfrüchten massiv beeinträchtigt. Melasse und Rübenschnitzel stehen durch die witterungsbedingt schwache Rübenernte ebenfalls weniger zur Verfügung. Gleiches gilt für Kartoffeln und Futterrüben.

Bei den wichtigsten Futtergetreidearten lassen die hohen Preise ebenfalls eine sehr enge Marktversorgung erkennen. Die explodierenden Preise für Heu und Stroh sowie für die regional gehandelte Mais- und Grassilage bestätigen die knappe Versorgung.

Folgen dieser Entwicklung sind neben dem Rückgang der Tierleistungen auch die Reduzierung der Tierbestände. Die offizielle Schlachtstatistik zeigt für die Monate Juli und August jedenfalls eine sehr kräftige Zunahme der Kuh- und Färsenschlachtung in Deutschland. 

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