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Futtermittelversorgung

Futtermittelbranche übersteht Corona-Krise weitgehend unversehrt

DVT-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Baaken
am Mittwoch, 10.06.2020 - 16:32 (Jetzt kommentieren)

Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) beschreibt die wirtschaftliche Situation der deutschen Futtermittelbranche in der Corona-Krise als sehr ausgeglichen. Trockenheit und neue Vorschriften beim Tier- und Umweltschutz stellten die Branche vor weitaus größere Herausforderungen als die Pandemie. Den gestiegenen Anforderungen stellt sich der DVT beispielsweise durch die Fortführung der FEFAC-Leitlinien zum nachhaltigen Sojaeinkauf.

Laut DVT-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Baaken sind alle Rohstoffe auf dem deutschen Futtermittelmarkt vorhanden, es ist „keine signifikante Änderung des Volumens zu erwarten“. Vielmehr kämen Faktoren wie eine erneute Trockenperiode oder geänderte Vorschriften beim Umweltschutz und Tierwohl als Ursachen für mögliche Rohstoffzukäufe oder eine abnehmende Nachfrage in Betracht, sagte Baaken heute in einer Video-Pressekonferenz.

Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern habe es in Deutschland keine Engpässe und Lieferprobleme gegeben, so Baaken. Auch wenn in vielen Betrieben Tiere für eine längere Zeit versorgt werden mussten, habe es keine wesentlichen Änderungen im Futtermittelbedarf gegeben. Die Auswirkungen der Corona-Krise seien im Futtermittelbereich längst nicht so dramatisch wie beispielsweise in der Gastronomie. Darüber hinaus gab es laut Baaken in Futtermittelbetrieben keine größeren Infektionsherde, sodass unter den Mitarbeitern die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, gering blieb.

DVT will Impulse aus Farm-to-Fork-Strategie prüfen

Wie in der Farm-to-Fork-Strategie der EU festgeschrieben, möchte der DVT die Verfügbarkeit von regionalen Rohstoffen weiter ausbauen. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass für den Bedarf an hochwertigen Proteinen Importe notwendig blieben, betonte Baaken.

Der Verband fordert für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weltweit gleiche Bedingungen. Damit nach der Festlegung von neuen Grenzwerten beim Pflanzenschutz das geerntete Futter vermarktet werden kann, seien Übergangsfristen notwendig. Die weiteren Maßnahmen der Farm-to-Fork-Strategie will der DVT prüfen.

Die Forderung von Bundesministerin Julia Klöckner nach einem „Gesamtwerk Gemeinsame Agrarpolitik“ in Europa unterstützt der DVT. In dieses Gesamtwerk müsse sich die Farm-to-Fork-Strategie einordnen, sie dürfe sich nicht zu einem „Stückwerk“ entwickeln.

FEFAC-Leitlinien sollen Abholzung für Soja verhindern

An einer Erweiterung der Leitlinien des Dachverbandes der europäischen Futtermittelindustrie (FEFAC) zum nachhaltigen Sojaeinkauf wirkte der DVT im europaweiten Kongress mit. Baaken teilte mit, dass die in den Leitlinien enthaltenen 59 Grundsätze um eine nachgewiesene Entwaldungsfreiheit für Soja ergänzt wurden. Im nächsten Schritt müsse die Lebensmittelkette die Bedingung der Entwaldungsfreiheit in ihre Zertifizierungssysteme aufnehmen.

Der Verzicht auf Waldrodung soll darüber hinaus in die Selbstverpflichtung für nachhaltiges Soja von FEFAC und DVT aufgenommen werden. Nach der Selbstverpflichtung sollen europäische Futtermittelunternehmen bis 2025 konkrete Maßnahmen bei der Beschaffung von Sojaschrot und
-bohnen umsetzen. Für das neue Ziel der Entwaldungsfreiheit soll der Zeitraum allerdings um etwa drei Jahre ausgedehnt werden.

Nachhaltigkeit statt Verzicht

Den Ansatz einer nachhaltigen Produktion, ohne auf die Rohstoffe zu verzichten, verfolgt der DVT an zwei wesentlichen Stellen: Als Mitglied des Forums Nachhaltiges Palmöl plant der DVT auch in diesem Bereich eine Selbstverpflichtung. Besonders bei Milchaustauschern würde sich eine nachhaltigere Palmölproduktion bemerkbar machen. 150.000 Tonnen Palmfett würden laut Baaken für die Herstellung von Mischfutter einschließlich Milchaustauschern nach Deutschland importiert. Da der Einsatz von Sonnenblumenöl mit wesentlich höheren Kosten verbunden wäre, sei nicht der Verzicht, sondern die nachhaltige Produktion von Palmöl anzustreben.

Auch ließen sich Sojaimporte aus Südamerika nicht vermeiden, äußerte Baaken. Stattdessen solle die Situation vor Ort durch klare und ausgehandelte Kriterien für den Handel mit Soja beeinflusst werden. Den aktuellen Importanteil von GVO-freiem Soja schätzt Baaken auf 5 bis 10 Prozent.

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