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Futterversorgung

Heu und Stroh: Nicht mehr bezahlbar?

Heuballen in Mecklenburg-Vorpommern
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
21.11.2018

Im November geht die Preisrallye bei Heu und Stroh weiter. Vor allem die Heupreise kletterten in großen Sprüngen nach oben. Dagegen hat sich der Preisauftrieb beim Stroh zuletzt abgeschwächt.

Heuproduktion

In jedem Fall spiegeln die steigenden Heu- und Strohpreise jedoch die extrem enge Versorgungslage bei Raufutter im Dürrejahr 2018 wider.

Der stärkere Anstieg der Heupreise dürfte auf die insgesamt deutlich engere Marktversorgung mit Heu zurückzuführen sein. Während die dürrebedingt wesentlich kleinere Grasernte die Produktionsmengen bei Gras, Grassilage und Heu drastisch reduziert hat, wird bei Stroh eigentlich nur ein Teil der bei der Ernte anfallenden Menge verfüttert. Ein anderer Teil der Strohproduktion findet als Einstreu Verwendung; ein weiterer Teil wird nach der Ernte in den Boden eingearbeitet.

In normalen Jahren liegt die verfütterte Menge Heu in Deutschland bei etwa 5,6 Mio. t. Die verfütterte Strohmenge bewegte sich in den letzten Jahren hingegen nur bei 1,5 Mio. t. Vor dem Hintergrund der erheblich reduzierten Anzahl der Grasschnitte könnte die erzeugte Menge Heu im Dürrejahr 2018 um ein Viertel geschrumpft sein. Beim Stroh dürften hingegen andere Verwendungsarten (Einstreu) zu Gunsten der Fütterung reduziert worden sein.

Damit wäre die Stroh-Versorgung nicht ganz so knapp wie bei Heu und Grassilage und anderem Grobfutter. Zudem begrenzt auch der relativ geringe energetische Futterwert den Einsatz von Stroh.

Heupreise von Rekord zu Rekord

Heupreise

Das Bundesmittel der von den Landwirtschaftskammern erfassten Heupreise lag Mitte November bei rund 162 Euro je t für Großballen. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein weiterer sehr kräftiger Preisanstieg von 12 Euro je t.

Die Vorjahrespreise werden um 45 Prozent übertroffen. Außerdem kostete das Heu im November dieses Jahres 20 Prozent mehr als zur letzten Preisspitze vor knapp drei Jahren. Regional gibt es je nach Witterungsverlauf und Tierbestandsdichte weiterhin große Unterschiede.

Zuletzt sind die Preise in fast allen Bundesländern gestiegen. Nach unten ging es entgegen dem Trend lediglich in Thüringen. Die stärksten Preissprünge wurden im November aus zwei ostdeutschen Ländern gemeldet.

Heu in der Spitze bei knapp 180 Euro

Länder Heupreise

Am teuersten ist Heu im Westen Deutschlands. So lagen die Preismeldungen aus Hessen Mitte November bei 177 Euro je t Heu. Ähnlich hohe Forderungen wurden noch aus Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, dem Kammergebiet Nordrhein sowie aus Westfalen mit 170 bis 175 Euro je t gemeldet.

Etwas weniger, nämlich 160 Euro, mussten die Landwirte durchschnittlich in Schleswig-Holstein für den Großballen zahlen.

Am unteren Ende der Preisskala lagen im November die Meldungen aus Thüringen mit 130 Euro je t. Thüringen ist damit das einzige Bundesland, aus dem trotz extremer Futterknappheit ein Rückgang der Heupreise zum Vormonat gemeldet wurde.

Dagegen machten die aus Sachsen und Sachsen-Anhalt gemeldeten Heupreise einen riesigen Sprung auf 150 bzw. 160 Euro je t nach oben. Dennoch ist das Niveau in den tierärmeren ostdeutschen Bundesländern noch immer um einiges niedriger als im Westen und im Süden.

Die Preismeldungen aus Bayern lagen Mitte November immerhin bei 170 Euro je t und damit 15 Euro höher als im Oktober.

Stroh ist 20 Prozent teurer als im Vorjahr

Strohpreise

Große regionale Unterschiede gibt es bei den Strohpreisen. Aus Brandenburg meldete man im November deutlich niedrigere Preisforderungen. Auch in Thüringen und Bayern gingen die Notierungen leicht zurück.

Das Bundesmittel der von den Landwirtschaftskammern erfassten Strohpreise lag Mitte November bei rund 104 Euro je t für Großballen. Das ist im Vergleich zum Vormonat ein ganz leichter Preisanstieg von 1 Euro je t.

Die Vorjahrespreise wurden jedoch um 20 Prozent übertroffen. Außerdem sind die Strohpreise 6 Prozent höher als zur letzten Preisspitze im Frühjahr dieses Jahres. Ähnlich wie bei Heu, gibt es je nach Witterungsverlauf, Getreideernte und Tierbestandsdichte weiterhin große regionale Preisunterschiede. 

Im Norden und Westen ist Stroh am teuersten

Länder Strohpreise

Mit Abstand am teuersten ist Stroh weiterhin im Norden Deutschlands. Dahinter liegen die Preismeldungen aus dem Nordwesten. So kostete der Großballen Stroh in Schleswig-Holstein im November unverändert 150 Euro je t.

Etwas niedriger waren die Preisforderungen mit 130 bis 131 Euro je t in Niedersachsen sowie mit 128 Euro in Hessen. In allen drei genannten Ländern hat sich Stroh im November weiter verteuert.

Am unteren Ende der Preisskala lagen die Meldungen aus Brandenburg mit 80 Euro sowie aus Thüringen mit 83 Euro je t. In beiden Ländern sind die Preise gegenüber dem Vormonat zurückgegangen.  

Ähnlich wie Heu, hat sich in Sachsen und in Sachsen-Anhalt auch Stroh im November kräftig verteuert.

Die Strohpreise in Bayern lagen Mitte November bei 100 Euro je t. Das war ein Rückgang von etwa 5 Euro.

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