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Futterversorgung und Futterpreise

Heupreise: Futtermangel macht Bauern zu schaffen

Traktor entläd Heuballen
am Dienstag, 29.09.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Raufutter ist das dritte Jahr in Folge knapp. Doch in diesem Jahr sind die Unterschiede zwischen den Regionen besonders groß.

Grafischer Verlauf vom Heupreis in Deutschland mit Preisanstieg 2020

Im September hat sich Heu nämlich in genau so vielen Regionen und Bundesländern verteuert wie verbilligt. Dennoch mussten die Tierhalter im Bundesmittel etwas weniger Geld für Heu ausgeben – günstig waren die Preise damit aber noch lange nicht.

Vor allem in Niedersachsen und in Bayern haben sich die Preise etwas ermäßigt. Grund dürften die Niederschläge im August und im September gewesen sein. Im Bundesmittel ging der Heupreis nach den Erhebungen der Landwirtschaftskammern um knapp 2 Euro auf 136 Euro je Tonne für den Großballen nach unten.

Interessant ist dabei: Heu hat sich in vier Bundesländern verteuert und in vier Bundesländern gingen die Preise nach unten. In den übrigen Regionen blieben die Heupreise stabil.

Deutlich aus dem Rahmen fällt zudem die Meldung aus Thüringen: Hier stürzten die Heupreise von August bis September von 143 Euro auf nur noch 80 Euro ab. Ein in dieser Dimension eigentlich nicht üblicher – und schwer nachvollziehbarer – Rückgang, in einem Bundesland wo es sehr trocken war und Futter eigentlich sehr knapp sein müsste.

Ökologische Vorrangflächen und Zwischenfrüchte werden freigegeben

Blühende Früchte auf einem Acker in der Abendsonne

Um die Versorgung der Tierbestände mit Futter dennoch zu sichern, gaben auch in diesem Jahr die meisten Bundesländer Brachflächen und Randstreifen zur Futtergewinnung frei. Hierbei handelt es sich um die sogenannten ökologischen Vorrangflächen.

Außerdem sollen auch Äcker mit Zwischenfrüchten für Futter genutzt werden können, die sonst nur angebaut werden, um über den Winter Nährstoffe im Boden zu binden. Anfang Oktober sollen die Bundesländer entscheiden, ob sie eine Futternutzung von Zwischenfrüchten zulassen. Etliche Bundesländer – wie etwa Sachsen – haben dies schon angekündigt. Ähnliche Regelungen hatte es auch nach den Trockenjahren 2018 und 2019 gegeben.

Nach der Ernte haben viele Landwirte eine Futter-Mischung (Zwischenfrüchte) – etwa Hafer, Roggen und Futterwicken – ausgesät. Diese Flächen könnten im Herbst auch Rinder abweiden. Damit könnten die eigentlichen Weiden geschont werden. Ansonsten muss Futter zugekauft werden.

"Da aber alle weniger geerntet haben, sei das sehr teuer," sagt Thomas Rößner, Geschäftsführer der Agrarprodukte Kitzen e.G. aus der Nähe von Leipzig. Futtermittel beispielsweise aus Bayern zu kaufen, sei aus seiner Sicht wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen. Ein möglicher Lösungsweg aus der Futtermittelkrise sei es, den Tierbestand zu reduzieren. Eine weitere Möglichkeit wäre es, künftig trockenresistentere Futtergräser anzubauen.

Heupreise: Steil nach oben und steil nach unten?

Balkendiagramm der Heupreise in deutschen Bundesländern/Regionen

Im September gaben die von den Landwirtschaftskammern erfassten und gemeldeten Heupreise im Schnitt um knapp 2 Euro auf knapp 136 Euro je Tonne - für den Großballen - nach. Trotz des Rückgangs kostet das Heu den Einkäufer damit aber 7 Euro mehr als im vorigen Jahr – obwohl das Heu damals auch knapp war.

Hinzu kommt, dass die Heupreise in einigen Bundesländern sehr kräftig – nämlich zweistellig – gestiegen sind – beispielsweise in Hessen und Westfalen. Dass der Durchschnittspreis niedriger als im Vormonat war, lag zum Teil an den etwas nach unten korrigierten Preisen in den beiden niedersächsischen Kammergebieten und an den schwächeren Preisen in Bayern. Der Hauptgrund war jedoch der drastische Absturz der offiziellen Meldung aus Thüringen.

Die höchsten Heupreise meldete man im September weiterhin aus dem Kammergebiet West-Niedersachsen mit 158 und aus Hessen mit ebenfalls 158 Euro je Tonne. Dahinter kommen dann Rheinland-Pfalz mit 155 Euro sowie Ost-Niedersachsen mit 151 Euro je Tonne.

Im Osten ist die Spannweite der Heupreise weiterhin sehr groß und reicht von 143 Euro je Tonne in Brandenburg – wo die Preise auch im September gestiegen sind – bis zu 80 Euro je Tonne in Thüringen – wo es steil nach unten ging.

Hier gelangen Sie zu den Erzeugerpreisen von Heu in den Bundesgebieten. Für Abonnenten ist der Zugriff kostenfrei.

Strohpreise: teils gestiegen – teils gefallen

Strohpreise nach Bundesländern in Deutschland sortiert

Die Strohpreise haben unmittelbar nach der Getreideernte nachgegeben. Im September müssen die Abnehmer im Bundesmittel 83 Euro je Tonne und Großballen zahlen. Das sind immerhin 4 Euro weniger als im Vormonat und 2 Euro weniger als im vorigen Jahr.

Dabei sind die Strohpreise auch in vier Bundesländern deutlich gestiegen: Zum Beispiel um 15 Euro in Brandenburg und um 10 Euro in Westfalen. Auch Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz meldeten ein Preisanstieg von jeweils 5 Euro. Dafür ging es im Kammergebiet Niedersachsen – West sehr steil nach unten – deutlich unter die Preise in Niedersachsen Ost (siehe Grafik).

Die mit Abstand höchsten Strohpreise meldete man im September weiterhin aus Schleswig-Holstein mit 125 Euro je Tonne. Dahinter kommen dann Rheinland-Pfalz mit 95 Euro sowie Brandenburg mit ebenfalls 95 Euro je Tonne Stroh. In Niedersachsen liegen die gemeldeten Strohpreise relativ weit auseinander – zwischen 60 und 75 Euro.

In den übrigen ostdeutschen Ländern ist die Spannweite der Strohpreise ebenfalls sehr groß und reicht zwischen 86 Euro je Tonne in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 47 Euro je Tonne in Sachsen- Anhalt. In Thüringen, wo es ebenso wie mit den Heupreisen steil nach unten ging, mussten die Einkäufer 50 Euro je Tonne ausgeben.

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