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Futterversorgung und Futterpreise

Heupreise lügen nicht: Futter ist knapp und teuer

Heuballen.
am Dienstag, 20.10.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Heu und Stroh steigen auch im Oktober weiter. Die Bauern müssten für Raufutter erneut mehr Geld ausgeben – wenn sie zukaufen wollen.

Heupreise.

Ganz besonders kräftig gestiegen sind diesmal die Strohpreise: Nämlich auf den höchsten Stand seit 16 Monaten. Aber auch Heu hat sich im Bundesmittel verteuert. Dabei ist die Versorgungslage in den Regionen in diesem Jahr offenbar besonders unterschiedlich – je nach regionaler Niederschlagsentwicklung.

Das verdeutlich jedenfalls die lebhafte Diskussion der Heupreise im September auf Facebook. Dort sagt ein Landwirt: „Hier in Nordhessen ist das dritte Jahr in Folge alles vertrocknet, kaum Silage bzw. Heuballen zu einem normalen Kurs zu bekommen.“ Und ein anderer Landwirt ergänzt: „Bei uns schaut‘s ebenso mies aus. Die Heuernte von 2019 war bei uns im Januar 2020 aufgebraucht“.

Und ein dritter Landwirt sagt: „Bei uns war letztes und dieses Jahr mies und wir mussten voriges Jahr zukaufen für 175 Euro und dieses Jahr für 220 Euro je Tonne“. Ein anderer Landwirt hat hingegen im September „noch Zeug von 2019 auf Lager“ und kann die Klagen der Kollegen offenbar nicht verstehen.

Fakt ist jedoch: Auch die verantwortlichen Behörden haben längst auf den Futtermangel reagiert. Die ökologischen Vorrangflächen wurden in fast allen Bundesländern zur Futtergewinnung freigegeben. Das wäre bei nur einigermaßen ausreichender Versorgung mit Sicherheit nicht nötig gewesen.

Teures Futter und hohe Transportkosten

strohpreise.

Das Tierfutter ist knapp“, sagt auch Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbandes. Einige Regionen seien besonders betroffen, sagt er. Dort sei das Grünland wegen Wassermangels nur sehr spärlich gewachsen. Die Landwirte müssten Futter zukaufen oder die Zahl ihrer Tiere zu reduzieren.

Auch der als Tierfutter verwendete Silomais habe nicht die Erträge gebracht, die nötig gewesen wären, um die Lücken zu schließen, sagt der Vertreter des hessischen Bauern-Verbandes. Der Zukauf von Futter sei nicht nur teuer, sondern oft auch aufwendig. Denn: In der Regel sind die Landwirte einer Region ähnlich stark betroffen, deshalb müsse das Futter oft über größere Entfernungen transportiert werden. Und das kostet.

Die Heupreise sind im Bundesmittel in Deutschland im Oktober um rund 2 Euro auf 138 Euro je Tonne für den Großballen gestiegen. Im Vergleich zum vorigen Jahre kostet der Großballen Heu damit fast 7 Euro mehr. 

Noch stärker ging es im Oktober für die Strohpreise nach oben – nämlich um fast 6 Euro auf 89 Euro je Tonne für den Großballen. Das sind die höchsten Preise für Stroh seit rund 16 Monaten.

Mit dem Zukauf steigen die Kosten – Erlöse sind aber schwach

Heuballen.

Der Niederschlagsmangel hinterlässt also tiefe Spuren in den Futterbilanzen: Drei Trockenjahre müssen die Landwirte auch in Rheinland-Pfalz verkraften: Deshalb kämpften die tierhaltenden Betriebe gegen Futtermangel, bestätigt Herbert Netter, Sprecher beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau.

Grünfutter und auch Mais seien knapp, das ist laut Netter ganz besonders für die Rinderhaltung ein Problem. Den Landwirten bleiben jedoch nur wenige Möglichkeiten. Eine ist der Zukauf von Futter. „Wenn Betriebe aber zukaufen müssen, steigen die Produktionskosten", sagte Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Auf der Erlösseite ändere sich hingegen nichts, stellt Köhr fest. Im Ergebnis bedeutet das für die Landwirte: Höhere Kosten.

Auch weniger Tiere zu halten, sei möglich, ergänzt Herbert Netter. Beides führe aber führe am Ende zu geringeren Erlösen. "Wo es möglich ist, versuchen Betriebe über Zwischenfrüchte die schlimmsten Futterlücken zu überbrücken", erklären die beiden Landwirte. Denn auch in ihrem Bundesland hat das Landwirtschaftsministerium die sogenannte ökologische Vorrangflächen zur Futternutzung freigegeben.

Doch auch das Abmähen oder Abweiden dieser Flächen kann die Futtermitteleinbußen nicht vollständig schließen, heißt es weiter. Und größere Vorräte gibt es mittlerweile kaum noch. Die Landwirtschaft braucht deshalb dringend wieder Jahre mit mehr Regen - und mehr Futter.

Heupreise: Jetzt deutlich teurer als im Vorjahr

Heupreise.

Im Oktober legten die von den Landwirtschaftskammern erfassten und gemeldeten Heupreise um gut 2 Euro auf knapp 138 Euro je Tonne zu – für den Großballen. Damit kostet das Heu den Einkäufer jetzt 7 Euro mehr als im vorigen Jahr. In den meisten Bundesländern blieben die Heupreise im Oktober allerdings relativ stabil.

Den stärksten Anstieg gab es in Bayern. Hier betrug der Aufschlag zum Vormonat immerhin 6 Euro. Die höchsten Heupreise meldete man im Oktober jedoch weiterhin aus dem Kammergebiet West-Niedersachsen mit 158 Euro je Tonne und aus Hessen mit ebenfalls 158 Euro je Tonne. Dahinter folgt im Preisranking dann Rheinland-Pfalz mit Durchnittspreisen von 155 Euro je Tonne sowie Ost-Niedersachsen mit 151 Euro je Tonne.

Im Osten Deutschlands ist die Spannweite der Heupreise weiterhin sehr groß und reicht von 143 Euro je Tonne in Brandenburg bis zu 80 Euro je Tonne in Thüringen.

Strohpreise: Stärker gestiegen als die Heupreise

Strohpreise.

Die Strohpreise sind diesmal stärker gestiegen als die Heupreise. Im Oktober müssen die Einkäufer im Bundesmittel 89 Euro je Tonne und Großballen hinblättern. Das sind immerhin 6 Euro mehr als im Vormonat und 5 Euro mehr als im vorigen Jahr. Insgesamt sind die Strohpreise in sieben Bundesländern gestiegen. Zum Beispiel um 8 Euro in Niedersachsen-Ost und um 5 Euro in Niedersachsen-West. Auch Westfalen meldete ein Preisanstieg von 5 Euro.

Die mit Abstand höchsten Strohpreise meldete man im Oktober jedoch weiterhin aus Schleswig-Holstein mit 125 Euro je Tonne. Dahinter rangieren dann Rheinland-Pfalz mit 95 Euro sowie Hessen mit 92 Euro je Tonne. In den beiden niedersächsischen Kammergebieten liegen die gemeldeten Preise überraschend weit auseinander – nämlich zwischen 68 und 85 Euro.

In den ostdeutschen Ländern ist die Spannweite der Strohpreise ebenfalls sehr groß und reicht von 90 Euro je Tonne in Brandenburg bis zu 50 Euro je Tonne in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

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