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Futterversorgung und Futterpreise

Heupreise steigen auf 2-Jahreshoch – Witterung verzögert Heuernte

Heuernte.
am Freitag, 04.06.2021 - 11:02 (1 Kommentar)

Das kommt überraschend: Die Preise für Heu und Stroh steigen kurz vor dem ersten Schnitt auf den höchsten Stand seit etwa 2 Jahren.

heupreise.

Dabei sind die Strohpreise noch stärker nach oben gegangen als die Preise für Heu. Eigentlich hatten viele Landwirte und Viehhalter vor dem Begin der neuen Heuernte mit einem deutlichen Preisrückgang gerechnet. Der Grund: Das kühle und sehr feuchte Wetter hat in den meisten Regionen für einen sehr guten und dichten Aufwuchs gesorgt.

Doch nun gibt es ein anderes Problem: „Durch das kalte Wetter im Frühjahr sind die Gräser in ihrer Entwicklung zwei bis drei Wochen später dran als sonst“, sagt Karsten Padeken, Vorsitzender des Grünland-Ausschusses im Landvolk Niedersachsen. Das der erste Schnitt so weit in den Juni hineingeht, ist ungewöhnlich, berichtet auch der Landvolk-Pressedienst. Im vergangenen Jahr sei zu dieser Zeit bereits der zweite Schnitt eingefahren worden.

Und es gibt noch ein Problem mit dem Wetter: „Durch die großen Mengen an Aufwuchs dauert das Abtrocknen des Bodens in diesem Jahr besonders lange“, sagt Padekens. Denn das Gras habe sich bei den kühlen Temperaturen gut bestockt und stehe nun relativ dicht.

Das bestätigt auch Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen gegenüber der Rheinische Post. Er sagt: „Für eine gute erste Heuernte brauchen die Produzenten unbedingt einige trockene Tage.“ Und der Landwirt ergänzt: "Unter den bisherigen Bedingungen lässt sich keine Heuernte einbringen. Das Heu müsse nämlich nach dem Schnitt einige Tage auf der Wiese liegen und antrocknen.

Das sieht auch Karsten Padeken so, der sagt: "Schließlich müssen die Grashalme „anwelken“, um mit einem Trockensubstanzgehalt von mehr als 30 Prozent siliert und im Fahrsilo gelagert werden zu können. Wer es zu früh versucht hat, lief gerade im Norden Niedersachsens Gefahr, Fahrspuren auf seinen Wiesen zu hinterlassen und Erde mit in den Silohaufen zu fahren."

Heupreise: Witterung treibt Preise auf 2-Jahreshoch

Heupreise.

Im Bundesmittel sind die Heupreise im Mai jedenfalls um rund 2 Euro auf 139 Euro je Tonne für den Großballen gestiegen. Das sind die höchsten Heupreise seit dem letzten Preishoch vor zwei Jahren – im Juni 2019. Im Vergleich zum vorigen Jahr kostet der Großballen Heu ebenfalls 2 Euro mehr.

Allerdings sind die Heupreise nicht in allen Bundesländern gestiegen – was durch die unterschiedliche regionale Situation hinsichtlich Aufwuchstempo und Witterung zu erklären ist. So ging es in Rheinland-Pfalz und vor allem in Thüringen deutlich mit den Preisen nach unten – so wie das in normalen Jahren im Juni der Fall ist. Einen leichten Preisrückgang meldete man indessen aus Bayern. Dort wurde das Heu im Vergleich zum Vormonat um 1 Euro billiger gehandelt.  

Gestiegen sind die Preise hingegen Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. In den übrigen Ländern veränderten sich die Heupreise nicht. Und nun die entscheidende Frage: Wo mussten die Bauern und Pferdehalter am meisten für den Großballen Heu ausgeben? – wenn man die Preis-Meldungen der Landwirtschaftskammern zu Grunde legt.

Im Mai ergibt sich folgendes Ranking: Die höchsten Heupreise meldete man aus dem Kammergebiet Ost-Niedersachsen mit 168 Euro je Tonne. Nicht weit davon entfernt sind die Preise, die die Bauern im Kammergebiet West-Niedersachsen mit 165 Euro zahlen müssen. Aus Hessen wurden 164 Euro gemeldet. Mit einigem Abstand folgen im Preisranking dann die Kammergebiete Nordrhein und Westfalen mit jeweils 145 Euro.

Die höchsten Heupreisen in Ostdeutschland wurden aus Sachsen gemeldet – nämlich 115 Euro je Tonne. Das ist jedoch weniger als die Einkäufer in Schleswig-Holstein mit 125 Euro zahlen müssen. Überraschend günstig ist das Heu im Vergleich derzeit in Bayern: Hier müssen im Durchschnitt für den Großballen nur 112 Euro gezahlt werden – ähnlich viel wie Brandenburg mit ebenfalls 112 Euro und etwas mehr als in Mecklenburg-Vorpommern mit 109 Euro.

Mit Abstand am billigsten ist das Heu in Sachsen-Anhalt und Thüringen – nämlich nur 80 Euro je Tonne.

Strohpreise steigen deutlich auf 2-Jahreshoch

strohpreise.

Noch stärker als Heu hat sich zuletzt aber Stroh verteuert. Möglicherweise auch weil sich die Getreideernte (und damit die Strohernte) witterungsbedingt weiter nach hinten verschiebt.

Im Mai mussten die Einkäufer im Bundesmittel rund 98 Euro je Tonne und Großballen zahlen. Das sind die höchsten Strohpreise seit zwei Jahren und rund 10 Euro mehr als vor einem Jahr. Gestiegen sind die Strohpreise im Mai in den meisten Bundesländern. Nach unten gingen die Kurse nur in Thüringen.

Zweitstellige Preisanstiege meldeten diesmal: Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Westfalen – aber auch Brandenburg. In Bayern und im Kammergebiet Nordrhein ging es ebenfalls deutlich nach oben. Vergleicht man die Länder untereinander – dann ergeben sich wie bei Heu beträchtliche Preisunterschiede: Die mit Abstand höchsten Strohpreise wurden auch im Mai aus Schleswig-Holstein gemeldet – nämlich 138 Euro je Tonne. Das waren im übrigen 11 Euro mehr als im Vormonat.

Dahinter rangieren im Preisranking dann Hessen mit 102 Euro sowie Nordrhein und Westfalen mit jeweils 100 Euro. In Niedersachsen Ost müssen Einkäufer 95 Euro zahlen und in Niedersachsen West 90 Euro. Aus Rheinland-Pfalz wurden ebenfalls 95 Euro je Tonne gemeldet.

Deutlich günstiger ist das Stroh in Bayern: nämlich 84 Euro je Tonne. In den ostdeutschen Ländern ist die Spannweite der Strohpreise groß und reicht von 88 Euro je Tonne in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 65 Euro je Tonne Sachsen und Sachsen-Anhalt.

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