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Futterversorgung und Futterpreise

Heupreise steigen: Futter für die Bauern knapp und teuer

Heuballen auf einer Wiese
am Mittwoch, 19.08.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Heu und Stroh steigen. Bauern müssen für den Großballen Heu 10 Euro je Tonne mehr zahlen als im vorigen Jahr. Schuld an den steigenden Preisen sind die Trockenheit und die auf vielen Höfen – nach drei Dürrejahren – aufgebrauchten Futtervorräte. Das gilt ganz besonders für den Osten, aber auch für andere Regionen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium und die Ministerien der Bundesländer haben bereits Maßnahmen ergriffen.

August 2020: Grafik der Heupreise nach Bundesländern und Regionen

Nachdem bereits die Jahre 2018 und 2019 teilweise außergewöhnlich trocken waren, ist die Lage in Deutschland auch dieses Jahr durch die Auswirkungen der erheblichen Trockenheit im Frühjahr geprägt. Das zeigt sich auch in den steigenden Preisen für Heu, Stroh und andere Raufuttermittel.

Zwischenzeitliche Regenfälle haben die Situation in einigen Regionen zwar etwas entspannt. Doch die Futtervorräte sind oft aufgebraucht, denn die Ernten waren auch in den beiden Vorjahren schon schlecht. Das gilt vor allem für den Osten und den Nordwesten Deutschlands – aber auch für Nordbayern oder Hessen. Der erste Silageschnitt sei in weiten Teilen Hessens sehr unbefriedigend gewesen, sagt der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal. „Landwirte berichteten von Ertragseinbußen bis zu 50 Prozent.“

Noch schlimmer ist die Lage in Sachsen und in anderen ostdeutschen Ländern. Wegen der in den Vorjahren entstanden Defizite bei den Bodenwasservorräten schätzt das sächsische Agrarministerium, dass die Trockenheitsschäden lokal sogar noch schlimmer ausfallen könnten als 2018 und 2019. Dem Landesbauernverband Sachsen zufolge kann auch sofort einsetzender Regen die Verluste nicht mehr ausgleichen. "Die Landwirte hatten auf ihren Grünflächen teilweise erst eine Mahd", sagte ein Sprecher der LBV in Dresden. Normal seien jährlich vier.

Preise für Heu und Stroh steigen wieder

Die regionalen Preisunterschiede sind groß.

Das deutlichste Zeichen für die erneute Verknappung des Futtermittelangebotes sind die steigenden Preise für Heu und Stroh. Im August klettern die von den Landwirtschaftskammern erfassten und gemeldeten Heupreise im Schnitt um fast 3,0 Euro auf knapp 138 Euro je Tonne – für den Großballen. Gleichzeitig sind das rund 10 Euro höhere Preise als im vorigen Jahr zum gleichen Termin.

Und auch die Strohpreise gehen trotz der gerade beendeten Getreideernte nach oben. Hier müssen die Abnehmer im Bundesmittel 87 Euro je Tonne und Großballen zahlen. Das sind reichlich 2 Euro mehr als im Vormonat und 1 Euro weniger als im vorigen Jahr.

Am stärksten gestiegen sind die Heupreise im August in Sachsen, in Westfalen und in Mecklenburg-Vorpommern. Die mit Abstand höchsten Heupreise meldete man im August jedoch weiterhin aus dem Kammergebiet West-Niedersachsen mit 163 Euro Tonne – deutlich dahinter folgen Ost-Niedersachsen und Westfalen mit jeweils 155 Euro je Tonne.

Im Osten ist die Spannweite der Heupreise sehr groß und liegt zwischen 140 Euro je Tonne in Brandenburg und 80 Euro je Tonne in Sachsen-Anhalt.

Auch Silomais betroffen – ökologische Vorrangflächen werden freigegeben

Heuballen bei der Heuernte auf dem Acker

Wie die Wiesen und Weiden leidet auch der Silomais spürbar unter dem Niederschlagsdefizit. Aus vielen Regionen wird von Trockenstress und Trockenschäden berichtet. „Durch die bereits zu trockenen Vorjahre kamen viele Betriebe mit geringen Futterreserven aus dem Winter“, sagte Erik Hecht vom Bauernverband Sachsen-Anhalt. Diese Lücken hätten wegen der erneuten Trockenheit kaum aufgefüllt werden können.

So wurden in Sachsen Anfang Juli beim ersten Grasschnitt nur etwa 40 bis 60 Prozent eines normalen Ergebnisses erreicht. Das sächsische Landwirtschaftsministerium gab deshalb bereits Brachflächen und Randstreifen zur Futtergewinnung frei. Wenn der Bundesrat zustimmt, könnten die Bundesländer zudem Anfang Oktober entscheiden, ob sie eine Futternutzung von Zwischenfrüchten zulassen.

"Sachsen beabsichtigt 2020 davon landesweit Gebrauch zu machen", ist die Einschätzung des Dresdner Ministeriums. Eine solche Regelung hatte es auch 2018 und 2019 gegeben. "Das nimmt uns die Last, Futter für unsere Tiere teuer einkaufen zu müssen", sagt Hans-Uwe Heilmann, Vizepräsident des Landesbauernverbandes.

Der Futter-Ertrag dieser Flächen sei allerdings „überschaubar“, sagt indessen Erik Hecht aus Sachsen-Anhalt. So seien für die Ernte auf den Ökologischen Vorrangflächen Ressourcen wie Arbeitszeit und Diesel nötig, bei dem geringen Ertrag lohne sich das aber nicht immer. Auch hätten sich die Bauern gewünscht, schon früher auf diese Flächen zugreifen zu können.

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