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Futterversorgung

Katastrophale Silomais-Ernte

Userbild Maisernte
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
20.08.2018

Nicht nur Raufutter ist im Dürrejahr 2018 extrem knapp. Auch die Ernte von Silomais fällt katastrophal aus. Von der Körnermaisernte ganz zu schweigen.

Vielerorts hat der Mais seine Blätter eingerollt und nach oben gerichtet. So versuchen die Pflanzen sich gegen die Hitze und den Wasserverlust zu schützen. Aber nicht nur im Nordwesten und im Osten Deutschlands ist die Lage so dramatisch.

Auch im Rheinland hat sich die Lage zugespitzt. „Die rheinischen Landwirte versuchen zu retten, was zu retten ist“, berichtete der Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) Paul-Christian Küskens.

„Normalerweise wird Mais frühestens ab Mitte September geerntet, in diesem Extremjahr sind wir schon Mitte August in vollem Gange.“ Die Erträge sind regional sehr unterschiedlich und reichten von „dürftig bis zum Totalausfall“. Im Durchschnitt ließen sich die Ertragsausfälle bei etwa 30 % einordnen, schätzte Küskens.

Drastische Ertragsverluste, schwache Qualität

Siloamais

Die rheinische Ertragsprognose entspricht in etwa auch den Ernteerwartungen in Niedersachsen. Dort geht das Landvolk ebenfalls von durchschnittlichen Minderträgen bei Silomais von etwa 30 % aus.

Im Osten Deutschlands könnten die Einbußen noch höher ausfallen und im Süden dürften die Verluste etwas geringer sein. Hinzu kommt jedoch, das die Qualität des Silomais wegen der kaum ausgebildeten Kolben oft sehr schwach ist und den Futterwert reduziert.

Je länger die Pflanzen auf dem Feld verbleiben, desto schneller „verstrohen“ sie, verlieren an Qualität und können nur noch schwer konserviert werden. Lohnunternehmer aus dem Nordwesten berichten deshalb, dass viele Körnermaisflächen, die eigentlich erst im Herbst per Mähdrescher geerntet werden sollten, bereits jetzt zum Häckseln eingeplant sind.

Das bestätigte auch die letzte Anbau- und Ernteschätzung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Der DRV berichtete, dass „aufgrund der anhaltenden Trockenheit die Nachfrage von viehhaltenden Betrieben und Biogasanlagen nach Mais zulasten von Körnermais stark angestiegen ist.

Körnermaisernte wird sehr klein

Körnermais

Vor diesem Hintergrund der hat der DRV die Ernteflächen für Körnermais in den südlichen und westlichen Bundesländern zwischen 10 und 25 % verringert, in den nördlichen und östlichen sogar um bis zu 85 %. Im Ergebnis geht der DRV nur noch von einer Erntefläche bei Körnermais von 276.000 ha statt 442.000 ha aus.

Die Körnermaisernte wird vor diesem Hintergrund nur noch auf insgesamt 2,3 Mio. t prognostiziert und wäre damit gerade einmal halb so groß wie im Vorjahr. Das wäre außerdem auch die kleinste deutsche Maisernte seit mindestens 1995.

Außerdem würde der deutsche Importbedarf an Körnermais aus Frankreich, Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern kräftig zunehmen. Die jährliche deutsche Verbrauchsmenge an Körnermais lag nach den Berechnungen der BLE zwischen 6,0 und 7,0 Mio. t. Davon waren 5,0 bis 6,0 Mio. t Futtermais.

Konkurrenz zu Biogasbetreibern

Biogasanlage

Unter ökonomischen Druck geraten in Folge der schwachen Silomaisernte auch die Betreiber von Biogasanalgen. Wer sich hier in den letzten Jahren nicht ausreichend bevorratet hat, wird die Erzeugung wohl drosseln müssen.

Zudem könnte die Konkurrenz zwischen Biogasbetreibern und Tierhaltern die Preise für den am Markt noch verfügbaren Silomais weiter nach oben treiben. Zwar können auch die Biogasanlagen alternative Rohstoffe einsetzen. Aber dass wird angesichts des extremen Futtermangels schwer.

Möglich wäre unter anderem die Verwendung von Getreideabfällen und Rübenschnitzeln. Letztere sind jedoch für Tierhalter ebenfalls interessant. Zudem könnte dies die Preise für Rübenschnitzel und alternative Futtermittel ebenfalls nach oben treiben.

Zuletzt sind die Preise für Futtergetreide, Grobfutter und Silomais/ Maissilage bereits kräftig gestiegen und werden wohl weiter zulegen. Damit kommen zu den geringen Erlösen aus einer sehr kleinen Ernte, auch noch die steigenden Kosten für den Zukauf von Futter.

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