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Futterversorgung

Kleinste Silomais-Ernte seit vielen Jahren

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
28.09.2018

Deutlich früher und deutlich weniger, in schlechter Qualität. Mit diesen Aussagen lassen sich die katastrophalen Ergebnisse der Silomaisernte 2018 zusammenfassen.

Und diese Einschätzung gilt auch für die meisten anderen Bundesländer. Nach den vorläufigen Erntedaten des Statistischen Bundesamtes müssen die deutschen Landwirte die kleinste Silomaisernte seit acht Jahren verkraften.

Dabei befand sich die Silomaisfläche sogar auf einem neuen Rekordniveau. Die weitaus schärfsten Einbrüche bei der Silomaisproduktion verzeichneten die Landwirte in den von Hitze und Trockenheit besonders betroffenen ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen.

Am glimpflichsten kam man bei den Ertragsverlusten noch in Bayern und Baden-Württemberg  davon. Insgesamt bestätigen sich jedoch die Befürchtungen hinsichtlich einer sehr knappen Futterversorgung in weiten Teilen Deutschlands, denn die Produktion von Gras/Heu und Grassilage ist ebenfalls katastrophal.

Schwache Erträge, schlechte Qualität

Silomaiserträge

Rund drei bis vier Wochen früher als üblich hatte die Silomaisernte in den meisten Bundesländern begonnen. Gründe hierfür waren die seit dem Frühjahr andauernde extreme Trockenheit und die hochsommerliche Hitze. Diese extreme Witterung hinterließ deutliche Spuren in den Beständen.

Dabei waren die Ertragseinbußen, je nach Standort, Witterungsverlauf und Beregnungsmöglichkeit sehr unterschiedlich. Dies bestätigen auch die Ernteergebnisse aus den verschiedenen Bundesländern und Regionen. Auf sehr vielen Feldern hatte der Mais in diesem Jahr jedoch nur sehr kleine und oder auch gar keine Kolben ausgebildet. Das minderte den Futterwert erheblich.

Auch für die Biogasanlagen wird der Nachschub durch die sehr kleine Ernte extrem knapp und teuer. Beispielsweise wird in Niedersachsen in normalen Jahren auf rund einem Drittel der gesamten Maisfläche Grünmais/Silomais für Biogasanlagen angebaut. In diesem Jahr werden Tierhalter und Biogasanlagen stärker als sonst um die kleine Ernte konkurrieren.

Kleinste Silomais-Ernte seit 8 Jahren

Siloamaisernte

Auf  gerade einmal 74,2 Mio. t veranschlagt das Statistische Bundesamt (Destatis) die diesjährige deutsche Silomaisernte. Das ist die kleinste Produktionsmenge seit dem Jahr 2010. Damals ernteten die deutschen Landwirte nur 72,2 Mio. t Silomais. Allerdings war damals auch die Anbaufläche rund 340.000 ha kleiner als 2018.

Der Einbruch gegenüber der rekordhohen Ernte aus dem Vorjahr beträgt immerhin 25 Prozent und das langjährige Mittel wird um ein Fünftel verfehlt. In diesem Jahr wurde das wichtigste Grob-Futtermittel immerhin auf einer Rekordfläche von 2,17 Mio. ha angebaut und geerntet. Die durchschnittlichen Erträge waren mit knapp 343 dt/ha jedoch fast 30 Prozent niedriger als 2017.

Peter Koll, Geschäftsführer des Bauernverband Lauenburg, einer der wichtigsten Maisregionen in Schleswig-Holstein, berichtete: „So eine Situation wie diesjährige Maisernte hat es vielleicht vor rund 40 Jahren einmal gegeben. Wir haben gar keine Erfahrungen, wie man damit umgehen muss.“

Der Osten mit den schlimmsten Ernteverlusten

Silomaisproduktion zum Vorjahr

Wie bereits während der Ernte zu hören war, sind die Ergebnisse jedoch regional sehr unterschiedlich. Die weitaus schärfsten Einbrüche bei der Silomaisproduktion verzeichneten die Landwirte in den von Hitze und Trockenheit besonders betroffenen ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen. Dort liegen Produktionsrückgänge im Vergleich zum vorigen Jahr zwischen 56 Prozent und 45 Prozent (!!!). 

Von den beiden mit Abstand größten Silomaisländern Niedersachsen und Bayern müssen die niedersächsischen Landwirte einen Produktionseinbruch von 25 % verkraften. In Bayern schrumpfte die Silomais-Produktion mit hingegen am geringsten, nämlich nur um 13 Prozent. Baden-Württemberg kommt mit einer Minderproduktion von 15 Prozent ebenfalls noch relativ glimpflich davon. Ohnehin fallen die Ergebnisse im Süden deutlich besser aus als im Osten und in der Mitte Deutschlands.

Etwas überraschend weist Destatis für das von den Folgen der Dürre sonst besonders betroffene Schleswig-Holstein nur einen  Ernterückgang von 13 Prozent aus und damit gemeinsam mit Bayern den kleinsten Verlust. Hauptgrund für diesen geringeren Produktionsrückgang im äußersten Norden ist die kräftige Flächenausweitung bei Silomais/Mais um 11 Prozent, infolge eines starken witterungsbedingten Anbaurückgangs bei Wintergetreide im vorigen Herbst. Die Erträge sind nämlich im äußersten Norden hingegen ebenfalls um 22 Prozent eingebrochen.

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Aktuelles Heft Dezember 2018

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