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Futtermittelversorgung 2020

Mehr Mischfutter im Krisenjahr 2020 produziert

Lkw auf Betriebsgelände eines Mischfutterproduzenten
am Dienstag, 30.03.2021 - 16:30 (Jetzt kommentieren)

Die Futtermittelindustrie konnte die Versorgung trotz großer Herausforderungen im Jahr 2020 sicherstellen. Wie der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) heute (30.03.) bei seiner Jahrespressekonferenz mitteilte, wurden 181.000 Tonnen und damit 0,76 Prozent mehr Mischfutter hergestellt als noch 2019.

Trotz Corona-Krise und Geflügelpest habe die Futtermittelindustrie als systemrelevanter Bereich ihre Arbeit fortführen können. Jan Lahde, Präsident des DVT, teilte mit, dass bis auf eine kurze Ausnahme bei den Futterzusatzstoffen zu jedem Zeitpunkt ausreichend Futtermittel bereitgestellt worden seien.

Insgesamt belief sich die Mischfutterherstellung in Deutschland 2020 auf 24,1 Mio. Tonnen. Davon entfielen 9,8 Mio. Tonnen auf die Schweinehaltung (+ 2,8 Prozent) und 6,9 Mio. Tonnen auf die Rinderhaltung (- 2,1 Prozent). Wie bereits 2019 wurden im letzten Jahr etwa 4,1 Mio. Tonnen Mischfutter für die Geflügelmast produziert. Auf die Legehennenhaltung gingen 2,3 Mio. Tonnen zurück (+ 2,9 Prozent).

Es wurde ein Branchenumsatz für Mischfutter von 6,8 Mrd. Euro erzielt, was gegenüber 2019 einen Rückgang von etwa fünf Prozent bedeutet. Die Anzahl der Mischfutterbetriebe belief sich im letzten Jahr auf 287.

Entwicklung im Osten „mit großer Sorge“ betrachtet

DVT-Präsident Jan Lahde

Die rückläufigen Zahlen in der östlichen Region bezeichnete DVT-Präsident Lahde als sehr bedauerlich. Dort ging die Mischfutterproduktion für Legehennen entgegen dem bundesweiten Trend um drei Prozent zurück. Beim Rinderfutter betrug der Rückgang sieben Prozent und beim Schweinefutter war ein Rückgang von 1,6 Prozent zu verzeichnen. Den durchweg negativen Trend bei der Futterproduktion im Osten betrachtet Lahde mit großer Sorge.

In der umsatzstarken nördlichen Region nahm die Mischfutterproduktion für die Schweinehaltung um 3,6 Prozent beziehungsweise 300.000 Tonnen zu. Dagegen ging die Herstellung von Schweinefutter im Süden um etwa drei Prozent zurück.

Von den 287 Mischfutterbetrieben in Deutschland lagen 171 Betriebe im Norden, 62 Betriebe im Süden und 54 Betriebe im Osten.

Gute Konzepte von der Politik gefordert

Lahde stellte fest, dass politische Vorhaben wie die Initiative Tierwohl deutliche Anpassungen erforderten. Hier würden konkrete Finanzierungskonzepte benötigt.

Problematisch sei darüber hinaus das geplante Lieferkettengesetz, da es den Handel mit Rohstoffen deutlich eingrenzen würde. Der DVT-Präsident erinnerte daran, dass es außerdem bereits viele Möglichkeiten zur Rückverfolgung gebe – beispielsweise bei Soja.

Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der DVT-Geschäftsführung, erwartet durch ordnungspolitische Eingriffe ebenfalls schlechtere Bedingungen für die Veredlungsbranche. Die langfristige Strategie des DVT setze auf die vorrangige Verwendung heimischer Produkte. Allerdings dürfe die Verfügbarkeit aller Produkte nicht vernachlässigt werden, weshalb ausbalancierte Entscheidungen nach Baakens Ansicht stets im Mittelpunkt stehen sollten. Pauschale Importverbote seien keine Alternative.

Hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt

Wie Lahde berichtete, wirken sich hohe Rohstoffpreise derzeit auf die Mischfutterpreise aus. Auch künftig werde es weltweit hohe Verbräuche geben, was sich in hohen Kursen an der Börse widerspiegle. Auf den hohen Bedarf könne aber mit einer globalen Verfügbarkeit aller Rohstoffe und Futterzusatzstoffe begegnet werden. Trotzdem habe das letzte Jahr gezeigt, dass der Markt wegen externer Einflüsse aus dem Gleichgewicht geraten könne.

So werde beispielsweise wegen der Geflügelpest und der damit verbundenen Keulung von Nutzgeflügel ein temporärer Einbruch in der Mischfutterproduktion erwartet.

Gentechnik als Chance nutzen

Damit die Eiweißproduktion in Europa sichergestellt ist, fordert Baaken von Politik und Gesellschaft eine größere Offenheit gegenüber den neuen Züchtungsmethoden.

Die Züchtungsforschung sollte gemeinsam mit einem Ausbau der Mischfutterproduktion in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) berücksichtigt werden, so Baaken.

Wegen des Rückgangs der Nebenprodukte aus dem Biokraftstoffsektor wird der Importbedarf von Eiweißträgern aber steigen. Als Ursachen dafür führt Baaken eine geringere Nachfrage nach Biodiesel und einen drastischen Rückgang der Rapsproduktion an. Die Politik sei gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, damit Raps in Europa die Hauptquelle für heimische Pflanzenproteine bleibe.

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